Bürgermeisterwahl in Jöhstadt: Das sind die Kandidaten

Wer übernimmt im Jöhstädter Rathaus für die nächsten sieben Jahre das Zepter? Diese Frage wird am 27. September beantwortet. Ins Rennen gehen drei Bewerber. "Freie Presse" stellt die Kandidaten vor.

Jöhstadt.

Wer übernimmt im Jöhstädter Rathaus für die nächsten sieben Jahre das Zepter? Diese Frage wird am 27. September beziehungsweise bei einem nötigen zweiten Wahlgang am 11. Oktober beantwortet. Ins Rennen gehen drei Bewerber. Interessant dabei: Amtsinhaber Olaf Oettel (parteilos) sieht sich gleich zwei Herausforderern gegenüber. Zu diesen gehört André Zinn (CDU). Er hatte sich bereits 2013 zur Wahl gestellt, unterlag damals aber knapp gegen Oettel. André Zinn verfügt in Jöhstadt über eine langjährige kommunalpolitische Erfahrung, gehört bereits seit 2004 dem Stadtrat an. Der andere Herausforderer ist Jens Neumann (AfD). Er arbeitet erst seit 2019 im Stadtrat Jöhstadt mit.

Kandidat 1: Olaf Oettel (parteilos)

Amtsinhaber Olaf Oettel ist in Mildenau zu Hause. Er ist 52 Jahre alt und geschieden. Geboren wurde er in Eisfeld in Thüringen. Oettel hat Diplomverwaltungswirt (FH) studiert.

"Freie Presse": Warum sollten die Bürger am 27. September gerade Ihnen die Stimme geben?

Olaf Oettel: Die Bedingungen für kleine Gemeinden und Städte werden immer schwieriger. Die Aufgaben, auch hinter den Kulissen, werden vielfältiger, aufwendiger und fordern zunehmend mehr Fachwissen. In der ablaufenden Wahlperiode konnte ich zeigen, dass die Stadt ihre Pflichtaufgaben ohne Mehrverschuldung leisten kann, der Blick auf die Absicherung der freiwilligen Aufgaben dabei aber nicht verloren ging.

Nennen Sie drei Dinge, die Sie als neuer Bürgermeister in der Stadt bzw. den Ortsteilen unbedingt ändern werden?

Meine Vision ist die Aufwertung des Jöhstädter Grundstückes am Franzberg als Park- und Spielanlage. Für meine Grumbacher wünsche ich mir die Realisierung eines ansprechenden Platzes zwischen der Turnhalle und der Grundschule. Die Kernstadt Jöhstadt wurde in den vergangenen drei Jahren für Bauwillige attraktiver. Mein Wunsch sind Eigenheimstandorte am Schlösselweg beziehungsweise am Dürrenberg.

Jöhstadt befindet sich in der Haushaltskonsolidierung. Wo sehen Sie noch Sparpotenzial und welche Bereiche sind für Sie tabu?

Die Konsolidierung ist nicht reduzierbar auf Sparen, sondern ein Prozess, um günstigere Lösungen bei gleichen Leistungen zu finden. Als Kommune müssen wir Personalkosten weiter optimieren. Veraltete Technik verursacht hohe Kosten. Durch Neuanschaffungen senken wir die Betriebskosten und erhöhen die Einsatzzeiten.
Undiskutabel sind Einschnitte für die beiden Schulen und den Angeboten in den Kitas.

Was unternehmen Sie, damit Jöhstadt gerade für junge Leute beziehungsweise junge Familien attraktiver wird?

Auf der Habenseite hat Jöhstadt ein optimales Angebot an Kitaplätzen und Schuleinrichtungen. Die Familien müssen Platz für individuelle Entfaltung und Einrichtung ihres persönlichen Lebensumfeldes bei attraktiven Preisen haben. Bei Planung zum Beispiel von Baugebieten ist das zu berücksichtigen. Demnächst ist auch das Problem der Nahversorgung keine Frage mehr.

Gibt es nach den sieben Jahren Ihrer Amtszeit die beiden Schwimmbäder in Steinbach und Schmalzgrube noch - wenn ja, wie wollen Sie das realisieren?

Ich sehe auch im Jahr 2027 offene Bäder. Trotz schwieriger Haushaltslage haben wir uns zu den Bädern bekannt. Wir konnten zeigen, dass die Badegäste eine maßvolle Kostenbeteiligung für die Erhaltung ihres Bades anerkennen. Die Anstrengungen würden ins Leere führen, gäbe es nicht die Vereine Hochofensport und den Bayernfanklub, die durch ihren Einsatz den Erhalt der Bäder unterstützen.

Um Kindereinrichtungen zu sichern, bedarf es langfristiger Lösungen. In den vergangenen Monaten war unter anderem von Zusammenlegungen die Rede. Wie sehen Ihre Pläne für die Kitas aus?

Unserer Kitas sind sehr gut ausgelastet. Unsere Mitarbeiterinnen, Erzieherinnen und technischen Kräfte bringen für den Zuspruch unserer Kitas wesentliche Kraft auf und sorgen für ein gutes Ansehen. So können wir verstärkt sogenannte Fremdgemeindekinder besonders aus den Anliegerorten aufnehmen. Durch die hohe Auslastung ist ein Zusammenlegen in den nächsten Jahren nicht notwendig.

Was wollen Sie tun, damit sich die Ortsteile nicht abgehängt fühlen?

Für mich identifizieren sich unter anderem die Steinbacher und Schmalzgrubener mit ihren Bädern und die Grumbacher mit ihrem Festplatz. Meine Arbeit unterstützt damit diese Symbole. Neben der Fertigstellung des Oberschulanbaues werden wir uns mit einer Erweiterung des Hortes auseinandersetzen. Jeder Ort bringt seinen Teil für das Ganze bei. Diese Kompetenzen fördere ich und werde sie weiterentwickeln.

Kandidat 2: André Zinn (CDU)

André Zinn kommt aus Grumbach. Er ist 46 Jahre alt, geschieden und hat einen erwachsenen Sohn. Der Grumbacher ist gelernter Elektroinstallateur und arbeitet seit 1997 als Servicemonteur für Windenergieanlagen.

"Freie Presse": Warum sollten die Bürger am 27. September gerade Ihnen die Stimme geben?

André Zinn: Weil ich einer von ihnen bin. Ich bin im Jöhstädter Ortsteil Grumbach aufgewachsen und habe noch immer dieselbe Wohnadresse. Das heißt, mein Herzblut hängt hier. Viele Bürger kenne ich persönlich, kenne ihre Ansichten, ihre Traditionen und ich spreche ihre Sprache. Durch meine langjährigen Aktivitäten bin ich sehr gut vernetzt und habe gute Kontakte zu den politischen Vertretern unserer Region.

Nennen Sie drei Dinge, die Sie als neuer Bürgermeister in der Stadt bzw. den Ortsteilen unbedingt ändern werden?

Als Erstes die Kommunikation. Wir brauchen ein offenes, ehrliches und aktives Miteinander zwischen Bürgern, Stadtvertretern und Verwaltung. Ich werde einen engen Kontakt zu den Vertretern unserer Wirtschaft und den örtlichen Institutionen pflegen. Diese fühlen sich derzeit viel zu wenig beachtet. Weiter gilt es, viele Dinge anzupacken. Hier eine Reihenfolge festzulegen, würde keinem gerecht werden.

Jöhstadt befindet sich in der Haushaltskonsolidierung. Wo sehen Sie noch Sparpotenzial und welche Bereiche sind für Sie tabu?

Konsolidieren heißt sichern/festigen und nicht nur sparen und abschaffen. Die Diskussionen der vergangenen Jahre um Einsparpotenziale haben viele unserer Bürger verunsichert. Klar muss man bei der Haushaltsplanung die Ausgaben immer wieder hinterfragen, so kosten zum Beispiel auch die Berater- und Gutachterfirmen viel Geld. Vielleicht sollte man mal überlegen, ob man da nicht in Zukunft sparen könnte.

Was unternehmen Sie, damit Jöhstadt gerade für junge Leute beziehungsweise junge Familien attraktiver wird?

Baugrundstücke sind bei jungen Familien sehr gefragt. Hier sollten wir immer wieder nach Möglichkeiten suchen, Grundstücke zu erschließen und diese anzubieten. Die Kindergärten und Schulen dürfen wir nicht infrage stellen. Sie sind ein wichtiger Indikator für die Familienfreundlichkeit unserer Orte. Angebote für Freizeit, Sport und Begegnung sollten wir mithilfe unserer Vereine anbieten.

Gibt es nach den sieben Jahren Ihrer Amtszeit die beiden Schwimmbäder in Steinbach und Schmalzgrube noch - wenn ja, wie wollen Sie das realisieren?

Definitiv - ja. Unsere beiden Bäder werden von ehrenamtlichen Mitgliedern der Vereine liebevoll gepflegt. Solange diese bereit sind, das zu tun, werden wir als Stadt unseren Beitrag dazu leisten, beide Bäder zu erhalten. Auch die Schließung eines Bades würde Kosten verursachen. Außerdem würden wir mit der Schließung eines Bades zumindest teilweise die Daseinsgrundlage eines Vereins nehmen.

Um Kindereinrichtungen zu sichern, bedarf es langfristiger Lösungen. In den vergangenen Monaten war unter anderem von Zusammenlegungen die Rede. Wie sehen Ihre Pläne für die Kitas aus?

Wir brauchen unsere ortsnahen Kindereinrichtungen, um gerade auch für junge Familien attraktiv zu bleiben. Der Neubau oder die Erweiterung einer Kita wäre sehr kostenintensiv. Außerdem zeigt uns gerade auch die Situation um die Coronapandemie, dass es alles andere als günstig ist, viele Menschen auf einen Platz zu konzentrieren. Deshalb stehe ich dafür, unsere Kindereinrichtungen so zu erhalten.

Was wollen Sie tun, damit sich die Ortsteile nicht abgehängt fühlen?

Gemeinsam können wir mehr - unter dieser Prämisse stelle ich mich zur Wahl des Bürgermeisters. Das sollen nicht nur daher gesagte Worte sein. Als Gemeindeverbund sollten wir uns gemeinsam unsere Ziele für die Zukunft setzen. Dabei möchte ich dafür sorgen, dass sich die Ortschaftsräte, die ortsansässigen Vereine und Institutionen in ihrer Eigenständigkeit und ihren individuellen Stärken einbringen.

Kandidat 3: Jens Neumann (AfD)

Jens Neumann wohnt in Neugrumbach. Er ist 57 Jahre alt und verheiratet. Geboren wurde Neumann in Berlin. Er ist Diplom-Ingenieur (FH) für Elektrische Energietechnik.

"Freie Presse": Warum sollten die Bürger am 27. September gerade Ihnen die Stimme geben?

Jens Neumann (AfD): Meine Vorstellungen für die Zukunft der Stadt Jöhstadt mit seinen Ortsteilen Oberschmiedeberg, Steinbach, Schmalzgrube, Grumbach und Neugrumbach habe ich in meiner Agenda dargelegt. Sie ist mein Beitrag zur Entscheidungsfindung der Bürger zur Wahl des Bürgermeisters. Die Bürger werden sie die nächsten Tage in Ihrem Briefkasten vorfinden.

Nennen Sie drei Dinge, die Sie als neuer Bürgermeister in der Stadt bzw. den Ortsteilen unbedingt ändern werden?

Die Verbesserung der Kommunikation und des Informationsaustausches zwischen Bürgermeister, Stadträten, Ortschaftsräten und Bürgern. Das Abhalten von Bürgerentscheiden zu relevanten Themen wie Repowering von Windkraftanlagen. Die Stärkung der Verwaltung, Verbesserung der ärztlichen Versorgung, Verbesserungen im Nahverkehr, Beitritt Abwasserzweckverband, Angehen der Schaffung eines Breitbandkabelnetzes.

Jöhstadt befindet sich in der Haushaltskonsolidierung. Wo sehen Sie noch Sparpotenzial und welche Bereiche sind für Sie tabu?

Die Haushaltskonsolidierung wird entsprechend der von der Stadt vorgesehenen Planung beendet. Um sich als Stadt weiterzuentwickeln, muss es nicht Ziel sein, weiter zu sparen, sondern mit den zur Verfügung stehenden Mitteln einerseits sinnvolle Investitionen (z. B. Feuerwehrdepot) zu tätigen und andererseits diese zur Stärkung des Zusammenlebens einzusetzen (z. B. für Schwimmbäder, Turnhalle, Skistrecken oder vereinsbezogene Projekte).

Was unternehmen Sie, damit Jöhstadt gerade für junge Leute beziehungsweise junge Familien attraktiver wird?

Wichtig dafür sind eine ortsnahe Kinderbetreuung, gut ausgestattete Schulen, gute Freizeitangebote (z. B. Schwimmbäder, Sportanlagen, rührige Vereine). Wichtig sind wohnortnahe Arbeitsplätze, um die wirtschaftliche Grundlage für ein Leben hier zu ermöglichen. Wobei das für alle Einwohner der Stadt gilt, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen bzw. nachgehen könnten, das aber wegen fehlender Angebote an Arbeitsplätzen nicht können.

Gibt es nach den sieben Jahren Ihrer Amtszeit die beiden Schwimmbäder in Steinbach und Schmalzgrube noch - wenn ja, wie wollen Sie das realisieren?

Beide Schwimmbäder dienen der Naherholung, sind Bestandteil des Freizeitangebotes der Stadt und wirtschaftlich allein nicht tragfähig. Daher wird der Betrieb von der Stadt bezuschusst. Notwendige Investitionen in die Infrastruktur sind Maßnahme bezogen anteilig mit Eigenmitteln und unter Zuhilfenahme von Fördermittel des Landes bzw. des Bundes zu tätigen. Wobei das auch für andere Freizeiteinrichtungen in der Stadt und ihren Ortsteilen gilt.

Um Kindereinrichtungen zu sichern, bedarf es langfristiger Lösungen. In den vergangenen Monaten war unter anderem von Zusammenlegungen die Rede. Wie sehen Ihre Pläne für die Kitas aus?

Die Kindertagesstätten bleiben bestehen, um Familien eine ortsnahe Kinderbetreuung zu gewährleisten und jungen Familien einen Anreiz zu geben, ein Leben in der Stadt oder in einem ihrer Ortsteile zu beginnen. Um dies zu gewährleisten, muss es das Ziel sein, neben eigenen Mitteln auch Fördermittel von Bund und Land für den Erhalt des Gebäudebestandes sowie für qualifizierte und motivierte Erzieherinnen zu generieren.

Was wollen Sie tun, damit sich die Ortsteile nicht abgehängt fühlen?

Durch das Abhalten von Bürgerversammlungen vor Ort, die Schaffung einer einheitlichen Infrastruktur (z. B. Breitbandkabelnetz, optional ein einheitliches TV-Kabelnetz), Stadt- und Ortsteilübergreifende Zusammenarbeit der Vereine (etwa Feuerwehr), gemeinsames Organisieren und Abhalten von Festen, Gemeinschaftsaktionen. Die Bürger müssen das aber selbst wollen und sich soweit es ihnen möglich ist, aktiv in das gesellschaftliche Leben einbringen.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.