Dampf, Diesel und Benzin: Schaulaufen der Raritäten

Das 12. Jöhstädter Oldtimerfest hat die Herzen der Freunde alter Karossen erfreut. Dabei gab es Begegnungen der besonderen Art.

Steinbach.

Was macht ein altes Feuerwehrfahrzeug auf einem Zug, der von einer noch älteren Lokomotive gezogen wird? Die Antwort ist so klar wie einfach: Es wird zur Gaudi zwischen Jöhstadt und Steinbach hin und her transportiert, weil die vielen Besucher ihre Kameras nicht umsonst ins Preßnitztal mitnehmen wollten. Das 12. Jöhstädter Oldtimerfest vereinigte am Wochenende das Beste zweier Welten: traumhaft schöne Karossen und stampfende Dampfmaschinen, dazu kam ein unnachahmlicher Geruch, das Gemisch der Abgase aus Diesel- und Benzinmotoren mit dem vom Schmierfett, Steinkohle - und natürlich mit dem Dampf der Dampflokomotiven.

Das Oldtimerfest hieß am Güterboden Steinbach 165 Fahrzeuge vom Lkw bis zum Cabriolet willkommen, darunter waren auch ein paar Unikate wie beispielsweise ein Lanz Bulldog, und zwar einer, der wohl in seinem Fahrzeugleben noch nie eine Ackerfurche gezogen hat. "Das stimmt, denn mein Lanz Bulldog war ein Straßenlanz aus dem Baujahr 1940, der für einen Zirkus im Einsatz war", erzählte Besitzer Reiner Peters. Der Jöhstädter musste nicht allein auf dem rüttelnden Oldie sitzen, denn seine Enkelinnen Alia und Lene waren mit von der Partie. Für etwas ganz Besonderes sorgten Leipziger Oldiefreunde, denn sie brachten einen S4000-1 mit ins Erzgebirge. Diese Oldiefeuerwehr fuhr, von einer Schmalspurlok der Baureihe 99 1542-2 gezogen, auf einem Güterwaggon zwischen Steinbach und Jöhstadt die Strecke zwischen Kilometer 15 und Kilometer 23 mehrmals ab. Und dann waren da noch die automobilen Träume, darunter Autos, nach denen sich schon die Knirpse in der DDR die Hälse verdrehten, wie nach dem Wartburg 312-5. "Diesen Wartburg habe ich total verbastelt gekauft, er hatte unter anderem Breitreifen. Aber ich wollte ihn wieder so originalgetreu wie möglich entstehen lassen", erzählte Reinhard Krauß aus Thum.

Als Moderator fungierte Karsten Fritzsche vom MC "Fläming" aus dem anhaltinischen Coswig, einer, der schon mit sechs Lebensjahren in den ADMV eingetreten ist, angestachelt von einem autoverrückten Vater. Und der eine einfache wie treffende Erklärung dafür hat, weshalb sich so viele Leute für Oldtimer begeistern. "Es ist eine Mischung aus Erinnerung an alte Zeiten, verbunden mit der Faszination der alten Technik und dem Wunsch, diese der Nachwelt zu erhalten", sagte der 49-Jährige. Dessen Kumpels kamen unter anderem mit einer W50-Pritsche ins Erzgebirge, einem ehemaligen GST-Fahrzeug, auf dem noch in den späten 1980er-Jahren für 75 Mark der DDR die Fahrerlaubnis abgelegt werden konnte. "Mit Zwischenkuppeln und Zwischengas", erinnerte sich Karsten Fritzsche.

Vor automobilen Träumen wie einem EMW 327/2, einem Fahrzeug aus dem Jahr 1954 mit endlos langer Motorhaube über einem Reihensechszylinder, bildeten sich Menschentrauben, wie auch vor einem Trabant-Gespann, bestehend aus einem 601 Kombi, einem ehemaligen Postfahrzeug und einem Eigenbau-Hänger, für den ein Trabant halbiert wurde. "Der ist noch vor dem professionellen Anhängerbau entstanden. Ich habe den Trabi 2000 gekauft und den Hänger im Jahr 2015", erzählte Besitzer Mario Bräuer aus Zwickau, der mit Ehefrau Annette schon zum 2. Mal beim Oldtimerfest in Steinbach war bei diesem "schönen und gemütlichen Treffen".

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