Dampfloks verschnaufen - Oldtimer kommt dafür in Fahrt

Einer der historischen Schätze, die beim heimischen Regionalverkehr im Depot stehen, ist ein Ikarus 250. Ein Kultobjekt, das nicht nur Erzgebirger in seinen Bann zieht.

Oberwiesenthal/Cranzahl.

Für gewöhnlich schnaufen zwischen Oberwiesenthal und Cranzahl die historischen Dampfloks der Fichtelbergbahn. Doch in diesem Monat gönnen sich die betagten Stahlrösser eine Verschnaufpause. Die aber bringt einen anderen Oldtimer in Fahrt: einen Ikarus 250 - einer der historischen Schätze, die bei der Regionalverkehr Erzgebirge (RVE) im Depot stehen. Er verkehrt im November als Schienenersatzverkehr.

Am Wochenende waren Vater Thomas und Sohn Felix Mothes - seit 35 beziehungsweise 10 Jahren Busfahrer in besagtem Unternehmen und ausgemachte Oldtimerfans - zum ersten Mal mit ihm auf der Strecke unterwegs. Und hatten gleich einen ganz besonderen Fahrgast: Jens Grigo aus Gera. Als großer Fan der ungarischen Bus-Marke hatte er gleich einen Fahrschein für das ganze Wochenende gelöst. Ihn fasziniere dieses Fahrzeug einfach, vor allem aber der Sound. "Ich bin damit aufgewachsen", erzählt er. "Da werden Kindheitserinnerungen wach." Deshalb sei es für ihn immer wieder ein Erlebnis, die historischen Fahrzeuge in Aktion zu erleben. Vor allem in den einstigen Ostblock-Staaten, wie beispielsweise Rumänien und Bulgarien, seien die Busse sogar vielfach noch im Linienverkehr zu finden. Erst vor Kurzem war er eigens für dieses Erlebnis schon in der Republik Moldau, der einstigen Sowjetrepublik Moldawien.

Auch das Annaberger Exemplar war in diesem Jahr schon auf großer Reise: beim alljährlichen Ikarus-Treffen in Ungarn, wo die Wiege aller Ikarus-Busse steht, berichtet Thomas Mothes. An größere Pannen kann er sich in all den Jahren nicht erinnern - höchstens mal an einen Reifenplatzer oder an eine verlorene Radkappe. Dabei hat der Ikarus durchaus schon einige Kilometer auf dem Tacho, weiß Holger Haase. Er kennt die historischen Schätze bei der RVE wie kaum ein anderer. 1989 war der Reisebus - "einer der besten, die es in der DDR gab" - an den damals Volkseigenen Betrieb Kraftverkehr Karl-Marx-Stadt geliefert worden. Obwohl durchaus schon mit Komfort, wie verstellbaren Sitzen, Garderobe und Kühlschrank, Leselampen und Düsenbelüftung ausgestattet, wollte nach der Wende dennoch kein Erzgebirger mehr mit dem Ikarus auf Reisen gehen. So kamen die 220 Pferdestärken fortan bei der seinerzeit in Zschopau ansässigen Autobus Sachsen GmbH im Linien- und Schülerverkehr zum Einsatz. Mit dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen kam der Bus schließlich zum Regionalverkehr. In den 1990er-Jahren wurde er im tschechischen Sokolov komplett aufgearbeitet, berichtet Holger Haase.

Und obwohl der Ikarus nun fast Oldtimer-Status erreicht hat - den gibt es nächstes Jahr zum 30. Geburtstag - ist er noch immer regelmäßig unterwegs. Vor allem für privat gebuchte Fahrten oder Vereinsausflüge in den Regionen Annaberg und Zschopau sowie Limbach. Oder eben als Schienenersatzverkehr für die Fichtelbergbahn. In diesem Jahr bereits zum dritten Mal und mit zunehmendem Erfolg: "Wir befördern mit ihm deutlich mehr Gäste als sonst im Schienenersatzverkehr. Denn viele kommen extra wegen des Ikarus' her", sagt Felix Mothes.

Im Einsatz ist der Ikarus 250 noch einmal am 17. und 18. November sowie am Buß- und Bettag. Der Fahrplan ist auf der Internetseite der Fichtelbergbahn veröffentlicht: www.fichtelbergbahn.de

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