Das Augenmerk gilt verstärkt den Kleinen

Gute Personalarbeit - was unterscheidet erfolgreiche Unternehmen von weniger erfolgreichen? Das hat eine Studie im Erzgebirge ermittelt. Von den Ergebnissen sollen nun möglichst viele profitieren.

Annaberg-Buchholz.

Was würde passieren, wenn die Hälfte der Klein- unternehmen im Erzgebirge verschwindet? Wenn man diese Rechnung nur für die Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern im Erzgebirgskreis aufmacht, würde es den Verlust von mehr als 6600 Betrieben bedeuten, hat die Wirtschaftsförderung Erzgebirge ermittelt. Viele Fleischer, Bäcker, Handwerker, Einzelhändler zum Beispiel würden verschwinden. Um ein solches Szenario zu verhindern, hat sich die Wirtschaftsförderung mit den Partnern der regionalen Fachkräfteallianz jetzt speziell den "Kleinen" im Erzgebirge angenommen.

"Nicht Multis und Großkonzerne sind die Stützen der Wirtschaft in einer ländlichen Region, sondern Kleinunternehmer und Mittelständler", betont Steffen Böttcher, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Erzgebirge. Dabei hätten es aber gerade sie am schwersten, auf alle aktuellen Anforderungen zu reagieren. "Dazu wollen wir Unterstützung bieten, aber auch mithelfen, ihre gesellschaftliche und politische Wahrnehmung zu stärken", sagt er. Einer der Schwerpunkte dabei: die Fachkräftesicherung. "Bislang kommen viele Maßnahmen der Fachkräfteallianz dazu noch nicht bei den Kleinstunternehmen an", sagt Matthias Lißke von der Wirtschaftsförderung selbstkritisch. Dabei gehören nach Angaben von Jana Dost, Geschäftsführerin der Regionalkammer Erzgebirge der Industrie- und Handelskammer (IHK), 90 Prozent aller Unternehmen in der Region zu dieser Gruppe. "Sie bieten eine immense Branchenvielfalt, sind Rückgrat und Herz der Region."

Auch deshalb hatte die Fachkräfteallianz die Klein- und Kleinstunternehmen im Erzgebirge besonders in den Fokus gerückt. In einer Studie wurden neben 332 Auszubildenden und jungen Fachkräften auch 144 Unternehmer befragt. Für zwei Drittel von ihnen ist der Mangel an Fachkräften das drängendste Problem - gefolgt von hohen Abgaben und Steuern sowie hohem bürokratischen Aufwand. Gelegenheit, über diese und andere Sorgen zu sprechen, gab es beim Tag der Kleinunternehmen. Für die Allianz der Auftakt, um im Gespräch zu bleiben. Denn auch Jana Dost hat die Erfahrung gemacht: "Häufig sind Unterstützungsangebote vorhanden, aber wenig bekannt." Als Beispiel nennt sie die Beratungen der Kammer zu Förderung und Finanzierung, zu steuerlichen Fragen und zur Unternehmensnachfolge; aber auch die Unterstützung bei der Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmern und Menschen mit Beeinträchtigung. Auch Wirtschaftsförderer Matthias Lißke hat Beispiele parat, wo konkrete Unterstützung angeboten wird. Die Palette reicht vom Welcome Center bis zum Fachkräfteportal. Er ist sich aber auch bewusst: "Pauschale Erfolgsmodelle gibt es nicht."

Aufgrund der Breite der Unternehmen in unterschiedlichen Branchen mit ganz spezifischen Anforderungen müsse immer ein individuelles Maßnahmepaket geschnürt werden. Auch wenn in der Studie zumindest einige Aspekte aufgezeigt werden, die erfolgreiche Unternehmen von den weniger erfolgreichen unterscheidet: Sie bieten überdurchschnittlich mehr Schülerpraktika und Ferienjobs, sind auf Messen präsent, engagieren sich in der Region und nutzen soziale Netzwerke. Eine Option, die laut Matthias Lißke auch die Wirtschaftsförderung schon länger beschäftigt. Kurzfristig sei dazu ein Relaunch der Website vorgesehen, um ein neues Serviceangebot aufzubauen.

Um nun einerseits die Ergebnisse der Studie sowie schon vorhandene Unterstützungsangebote noch stärker in die Breite tragen zu können, wird es eine "Roadshow" der Fachkräfteallianz geben, kündigt Jana Dost an. Die erste derartige Veranstaltung ist am 18. März in Eibenstock geplant. Die nächste Station ist am 28. April Olbernhau - mit dem städtischen Gewerbeverein als Partner. Und weitere Gewerbevereinigungen hätten bereits Interesse angemeldet, unter anderem Schwarzenberg und Schlettau.


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