Das Erzgebirge im Kampf gegen die Hundstage

Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich mit einem Sprung ins kühle Nass zu erfrischen. Wie der Altkreis Annaberg die Auswirkungen der Hitze zu spüren bekommt.

Das Erzgebirge im Kampf gegen die Hundstage
Die WPA erfrischt Mitarbeiter mit Getränken und Eis.
Vor allem junge und geschädigte Bäume leiden.
Mediziner raten, genug zu trinken. Am besten Wasser, aber nicht eiskalt.
Friedhofspfleger Daniel Heß rät, Bäume widerstandsfähiger zu machen.
Bei dieser Affenhitze kommt auch bei Hunden jede Erfrischung gut an.
Schornsteinfeger Andreas Löbel schwitzt im letzten Sommer vor dem Ruhestand noch einmal kräftig.

Ob man das Gesprächsthema leid ist oder nicht: Sie ist nun mal da, die Hitze. Die Grünen hatten unlängst die Schaffung öffentlicher Trinkwasserbrunnen im Erzgebirge nach südländischem Vorbild angeregt, um auf die Folgen des Klimawandels für die Menschen zu reagieren. Für die Kreisstadt ist das bisher noch keine ernste Option. "Sollte sich die sehr warme Witterung in künftigen Jahren verstetigen, kann das Thema jedoch relevant werden", heißt es aus dem Rathaus. Doch wie kommt der Altkreis generell mit der derzeitigen Hitzewelle klar?

Im Unternehmen: Hitzefrei? Fehlanzeige! "Es muss ja weiterlaufen, wir können nicht mitten im Betrieb einfach aufhören", sagt Dana Lohse vom Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-Buchholz. Schließlich würden sich ja viele Menschen auf die Mitarbeiter verlassen. Um diese zumindest etwas zu schonen, bietet die WPA ihren Mitarbeiten kostenfreie Getränke. An besonders heißen Tagen verteilt das Unternehmen auch mal ein Eis.

Im Wald: Im Sachsenforstgebiet Neudorf leiden vor allem die jungen und schwachen Pflanzen. Pressesprecher Uwe Glomb rechnet sogar mit großen Ausfällen bei den Pflanzen der diesjährigen Frühjahrsaufforstung. Bäume, die zuletzt Sturmschäden davontrugen, geraten ebenfalls in Stresssituationen. Dennoch, laut Uwe Glomb könnte es schlimmer sein. "Die Grundwasserverhältnisse haben flächig gesehen noch keinen kritischen Zustand erreicht", so Glomb. Die aktuell mittlere Waldbrandstufe Drei stuft er als "schon sehr hohe" Waldbrandgefahr ein. Er warnt noch einmal, dass offene Feuer in Wäldern generell verboten sind. Zuwiderhandlungen können bestraft werden.

Im Krankenhaus: Trotz der anhaltenden Hitze hat das Erzgebirgsklinikum Annaberg-Buchholz kaum mehr Fälle registriert, die bei so hohen Temperaturen eigentlich zu erwarten wären. Wie der Ärztliche Direktor Dr. Jürgen Prager mitteilt, wurden zwischen 1. Juni und 5. August 37 Patienten mit Flüssigkeitsmangel behandelt. Im Vorjahr seien es im Vergleichszeitraum 28 gewesen. Mit dem Sommer in Verbindung stehen zudem Insektenstiche. Damit habe das Klinikum derzeit mehr zu tun als in anderen Sommern, so Prager. Der Mediziner rät, mehr zu trinken als üblich - vor allen lauwarme Getränke. Außerdem sollte man sich nicht unbedingt in der direkten Sonne aufhalten, Anstrengungen meiden und luftige Kleidung tragen. Auch beim medizinischen Personal achtet die Klinikleitung auf genügend Flüssigkeitszufuhr, indem überall Wasserkästen bereitstehen.

Auf dem Friedhof: Wüstes Land herrscht auf den hiesigen Friedhöfen nicht. Wie der Cranzahler Friedhofspfleger Daniel Heß erklärt, sei vor Ort meist genug Wasser vorhanden. Er macht sich allerdings Sorgen um seinen Baumbestand. Dort setzt er aber schon lange vorausschauend auf Abhärtung: Er wässert junge Bäume wenig, damit diese lange und tiefe Wurzeln ausbilden, um auch in der Hitze widerstandsfähig zu sein.

Im Tierheim: Viel frisches Wasser und Plätze zum Abkühlen: Das ist die Devise im hiesigen Tierheim "Neu-Amerika". Wie dessen Leiter Klaus Graupner berichtet, werden für die Hunde auch große Bottiche mit Wasser aufgestellt, wo sie sich abkühlen können. "Generell sind sie nicht so aktiv, wollen weniger spazieren gehen und nicht viel herumtoben", schildert er. Die Katzen würden meist die kühlen Fußbodenfliesen im Inneren ihrer Quartiere bevorzugen, statt ins Außengelände zu gehen. Sie können sich das selbst aussuchen.

Auf dem Dach: Für Schornsteinfeger Andreas Löbel sind die derzeitigen Temperaturen kein Zuckerschlecken. "Wir müssen hoch aufs Dach und runter in den Keller", sagt der Ehrenfriedersdorfer, der bei einer Dittersdorfer Firma beschäftigt ist. Pro Tag kommen da schnell 2000 Stufen zusammen. 60 Grad Celsius und mehr sind es unter den Dächern. "Dann ist Vorsicht im Kontakt mit allem geboten, was dunkel aussieht." Gemeint sind Bleche, Haltegriffe von Fenstern und Dachluken, Eisenleitern und Steigbügel, die auf bis zu 100 Grad heiß werden. Schwarz sei die Dienstkleidung, weil jede andere Farbe nach der Arbeit nicht mehr zu erkennen wäre. Der dicke, luftundurchlässige Stoff hingegen habe nichts mit Schutz vor Verbrennungen zu tun. Das dichte Material schützt die Haut vor Ruß.

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