Das wollen die Bürgermeisterkandidaten

Ein kommunalpolitischer Neustart steht in Bärenstein bevor. Denn beim Bürgervotum am 26. Mai geht es nicht nur um die Stühle im Gemeinderat, sondern auch um den Chefsessel. Für den bewerben sich vier ganz unterschiedliche Typen.

Bärenstein.

Nach 14 Jahren im Amt verabschiedet sich Bärensteins Bürgermeister Bernd Schlegel am 31. Juli dieses Jahres in seinen Ruhestand. Er war damals für die Bärensteiner Liste angetreten - ganz bewusst unabhängig von jedweder politischen Orientierung. Eine Tradition, die sich erhalten hat in der Grenzgemeinde. Denn auch zur Wahl des Nachfolgers treten alle vier Kandidaten ganz bewusst ohne Unterstützung etablierter Parteien an. Vielmehr rücken sie das Wohl der Gemeinde in den Mittelpunkt, wollen Sachpolitik betreiben.

Der Erfahrenste in Sachen Verwaltung ist Silvio Wagner. Der 43-Jährige gelernte Kommunikationselektroniker und spätere Verwaltungsfachwirt arbeitet bereits seit Jahren im Rathaus in Bärenstein. Ehrenamtlich engagiert er sich seit vielen Jahren in Feuerwehr und Kirchgemeinde. Was ihn an der Aufgabe des Bürgermeisters reizt? Kommunalpolitik ist für ihn "die ehrlichste Form der Politik", bei der man jeden Tag den Bürgerinnen und Bürgern gegenüberstehe. Sein Credo: "Geschaffenes erhalten und Neues wagen". Die "solide und nachhaltige Finanzpolitik" seines Vorgängers will er fortsetzen, so die kommunale Infrastruktur erhalten und ausbauen - angefangen von der örtlichen Kindertagesstätte und Grundschule bis hin zu den Straßen. Dabei will der verheiratete Familienvater "nichts versprechen, was nicht machbar ist", weil eben viele der derzeit maroden Straßen im Ort beispielsweise nicht in kommunaler Verantwortung liegen. Auch bei Brachen sei die Gemeinde nur sehr beschränkt handlungsfähig, da sich die Gebäude ausschließlich in privatem Eigentum befinden. Als Herausforderung für Verwaltung und Gemeinderat sieht er diese Probleme dennoch. Ebenso wie die Wiederbesetzung der derzeit leeren zweiten Hausarztstelle im Ort, wofür die Verwaltung zumindest Voraussetzungen schaffen könne. Auch der in Arbeit befindliche Masterplan für ein flächendeckendes schnelles Internet im Ort soll Schritt für Schritt umgesetzt werden. Oberstes Ziel aller Anstrengungen: Die Eigenständigkeit von Bärenstein so lange wie möglich erhalten - in der Verwaltungsgemeinschaft mit Königswalde.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Der Visionär in dem Quartett ist Thomas Thumm. Der 41-Jährige, der als ausgebildeter Kraftfahrzeugmechaniker später Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat und heute als Gebietsleiter Vertrieb eines Industrieunternehmens international unterwegs ist, will "Zukunft gestalten - nicht verwalten". Eine seiner neuen Ideen dafür: die Einführung eines Bürgermeisterfonds, in den ausschließlich privates Geld fließt, mit dem vor allem die ehrenamtliche Vereinsarbeit unterstützt werden soll. Dabei will er selbst mit gutem Beispiel voran gehen. Auch sein großes Ziel lautet dabei: Die Eigenständigkeit von Bärenstein so lange wie möglich erhalten. "Nur so sind wir als Gemeinde noch in der Lage, über unseren Haushalt zu entscheiden." Wichtig ist ihm dafür ein miteinander der Generationen, in dem sich alle Einwohner im Ort wieder als Gemeinschaft verstehen. Gleichzeitig will er sich für eine "Gemeinschaft der Bürgermeister im oberen Erzgebirge" stark machen, welche die Probleme des ländlichen Raumes in den übergeordneten Behörden und Gremien zu Gehör bringt - mindestens bis zum Landtag in Dresden.

Der Jungspund in der Runde ist Dan Engert. Denn der 40-jährige Mechatroniker für Kälteanlagen ist nicht nur der jüngste der vier Bewerber, sondern er steht auch stellvertretend für eine junge Truppe - die neu gegründete Initiative Bärenstark, deren sieben Mitglieder zwischen 27 und 40 sind. Sie wollen "nicht nur meckern", sondern sich selbst kreativ einbringen, wollen gemeinsam mit ihrem Bürgermeisterkandidaten einen Generationswechsel in Verwaltung und Parlament anschieben. Statt leere Versprechungen abzugeben, wollen sie die Bürgerinnen und Bürger wieder stärker einbeziehen in die Gestaltung und Entwicklung der Gemeinde. Sie setzen dabei auf "konstruktive Zusammenarbeit: offen, ehrlich, kritisch, transparent und zielorientiert". Dabei setzt Dan Engert, der mit seiner Tochter und seiner Lebensgefährtin in Kühberg wohnt, bewusst auf viele kleine Schritte, mit denen der Ort unter anderem wieder attraktiver für junge Familien gestaltet werden soll. Und überhaupt für alle, "die hier verwurzelt sind", denn auch sie sollen sich wohlfühlen. Dafür will er die Bürgergemeinschaft stärken, "die Einwohner mehr in Belange, Gestaltung und Entwicklung der Gemeinde und der Ortsteile einbeziehen". Sei es bei der Förderung der Jugendarbeit oder bei der Stärkung des Tourismus zum Beispiel.

Der Umweltbewusste unter den vier Bewerbern ist Enrico Pollmer. Der 53-Jährige - der im Nebenerwerb den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern weiterführt und unter anderem eine kleine Rinderzucht betreibt - würde auch seine Arbeit als Bürgermeister in den Fokus des Umwelt- und Naturschutzes stellen. Denn: "Was ein Vorteil für die Umwelt, ist auch ein Vorteil für die Menschen", argumentiert er. Aufbauend auf die solide Arbeit des bisherigen Amtsinhabers will der Ingenieur für Elektrotechnik und spätere Industriefachwirt unter anderem den Nahverkehr im Ort so gestalten, dass er beispielsweise von Pendlern besser genutzt werden kann. Deshalb sollte das Augenmerk auch nicht nur auf der im Ort verkehrenden Hauptlinie liegen, die zwischen Annaberg-Buchholz und Oberwiesenthal bereits fährt, sondern auch die Verbindungen in Richtung Sehmatal sowie Crottendorf ausgebaut werden. Um den individuellen Autoverkehr zu verringern, könnte aus seiner Sicht auch die Oberschule wieder im Ort integriert werden. "Die Räume dafür sind da", sagt er. Und er will im Ort eine Anlaufstelle schaffen, mit der insbesondere Senioren geholfen wird, mit der zunehmenden Digitalisierung des Alltags Schritt halten zu können.

Wahlforum In einem öffentlichen Wahlforum am 18. Mai im Sächsischen Haus in Bärenstein stellen sich alle vier Kandidaten den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Veranstaltung beginnt 18 Uhr.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...