Debatte um Finanzierung von Drehleitern

Derzeit existieren drei Exemplare im Altkreis Annaberg. Sie sind in allen Orten im Einsatz. Deshalb sollen auch die Kosten dafür von allen mit getragen werden. Auch wenn man davon noch nicht überall überzeugt ist.

Crottendorf.

In Buchholz, Ehrenfriedersdorf und Crottendorf stehen die drei Drehleitern, die im Altkreis Annaberg vorhanden sind. Eine Zahl, die aus Sicht des Landratsamtes ausreichend ist. Weitere Anschaffungen seien deshalb auch nicht geplant. Denn nicht nur die Anschaffung der Spezialtechnik ist teuer, sondern auch deren Unterhaltung. In Crottendorf und Ehrenfriedersdorf sprechen Bürgermeister Sebastian Martin (parteilos) und Silke Franzl (Freie Wähler Bürgerforum) von etwa 20.000 Euro pro Jahr. In Annaberg-Buchholz beliefen sich diese Kosten nach Angaben von Pressesprecher Matthias Förster in unterschiedlichen Größenordnungen - zum Teil auf 32.000 Euro. Damit die drei Kommunen für diese Kosten nicht allein aufkommen müssen, ist die Idee einer Umlage entwickelt worden, an der sich alle Orte im Altkreis beteiligen. Eine Idee, die viel Zustimmung findet in der Region, auch wenn noch nicht alle davon überzeugt sind.

Zu den Orten, welche die Umlage bereits beschlossen haben, gehört Jöhstadt. Die Stadt zahlt 1503 Euro pro Jahr. "Diese Umlage entsprechend der Einwohnerzahl soll einen Ausgleich der Kosten schaffen, die bislang allein die drei Kommunen tragen, die im Altkreis über Drehleitern verfügen", erläuterte Bürgermeister Olaf Oettel (parteilos). Das seien pro Jahr 60.600 Euro. Bei einem Bürgermeistertreffen sei sich darauf verständigt worden, dass die drei Kommunen künftig 60 Prozent der jährlichen Kosten tragen und die übrigen Gemeinden im Altkreis die verbleibenden 40 Prozent übernehmen. In Jöhstadt hatten alle Räte Verständnis für die Umlage, was in einem einstimmigen Beschluss mündete. Kommunen, die sich nicht an dieser Umlage beteiligen, würden bei einem Einsatz in ihrem Gemeindegebiet künftig die tatsächlich anfallenden Kosten in Rechnung gestellt bekommen, erklärte Olaf Oettel. Und die seien um ein Vielfaches höher als die Umlage, argumentierte der Bürgermeister. Zumal eine Feuerwehr mit einer Drehleiter mittlerweile bei fast jedem Brand mit alarmiert werde.

Dem Vorschlag positiv gegenüber steht laut Hauptamtsleiterin Sarah Schlosser auch Oberwiesenthal. Der Kurort werde sich an einer entsprechenden Zweckvereinbarung beteiligen. Unterdessen wird in der Kommune eine signifikante Erhöhung der Einsätze der Drehleiter seit März dieses Jahres beobachtet. Einen Grund dafür sieht die Hauptamtsleiterin in der Überleitung in die Integrierte Rettungsleitstelle: "Seitdem ist vorgesehen, dass bei dem Alarmstichwort Brand 2 - beispielsweise das Auslösen einer Brandmeldeanlage - durch die Leitstelle die nächste zur Verfügung stehende Drehleiter mit angefordert wird. In unserem Falle ist dies meist die der Feuerwehr Crottendorf." Waren es vor dieser Änderung zwei Einsätze jährlich, habe es allein in diesem Jahr schon 16 Alarmierungen gegeben. Allerdings handele es sich dabei oft um Fehlmeldungen von Brandmeldeanlagen. Bisher sei es nur ein "echter" Alarm gewesen.

Ganz anders die Erfahrungen in Ehrenfriedersdorf. Dort war vor reichlich drei Jahren eine knapp 500.000 Euro teure Drehleiter angeschafft worden. "Seither konnten damit schon zweimal Menschenleben gerettet werden", bilanziert Bürgermeisterin Silke Franzl. Allein diese Tatsache rechtfertige schon die Anschaffung, obwohl die ursprünglich von drei Kommunen geplant gewesen war. Auch die Stadt steht deshalb dem Vorschlag positiv gegenüber. Zumal bei den anfallenden Kosten auch das Personal zu berücksichtigt ist. Das müsse unter anderem gesondert geschult werden und Lohnersatzkosten seien aufzubringen.

Begrüßt wird der Vorschlag einer Umlage auch in der Stadt Annaberg-Buchholz: "Da sich das Einsatzgebiet der Drehleitern flächendeckend vor allem über den gesamten Altlandkreis Annaberg erstreckt, ist es aus Sicht der Kreisstadt durchaus legitim, auch alle nutzenden Kommunen anteilig an den Kosten zu beteiligen", heißt es dazu. Die Stadt verfügt über die längste Erfahrung mit Drehleitern: Mit Auflösung der Berufsfeuerwehr Annaberg war 1992 das damalige Drehleiterfahrzeug der Stadt Annaberg-Buchholz zur weiteren Nutzung übergeben worden. 2003 wurde es durch ein modernes Drehleiterfahrzeug ersetzt, erläutert Stadtsprecher Matthias Förster. Im Durchschnitt absolviere die Drehleiter zwischen 60 und 90 Einsätze im Jahr. Die jährlichen Kosten schwankten dabei zwischen 13.000 und 32.000 Euro. Die seien bislang ausschließlich aus dem städtischen Haushalt finanziert worden.

Noch kritisch steht Sehmatal der angedachten Umlage gegenüber. Die Gemeinde müsste - da sie nach Annaberg-Buchholz die einwohnerstärkste in der Region ist - jährlich 3554 Euro aufbringen. Die Berechnung allein nach Einwohnern wird deshalb infrage gestellt. Aus Sicht der Kommune sollten beispielsweise auch Übernachtungszahlen eine Rolle spielen - speziell in Oberwiesenthal wegen der vielen Hotels, aber auch in Thermalbad Wiesenbad zum Beispiel. Zudem wurde im Gemeinderat argumentiert, dass auch in Sehmatal viel Spezialtechnik vorhanden sei, die im gesamten Altkreis zum Einsatz komme. Und es wurde die Frage aufgeworfen, wie deren Finanzierung dann geregelt werde.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...