Denkmalschützer lehnen Abriss der Himmelmühle ab

Das ehemalige Industriegebäude in Thermalbad Wiesenbad sollte für 600.000 Euro abgerissen werden. Doch nun liegen die Pläne brach, wie das Ensemble selbst. Für die Behörde hat es einen hohen Seltenheitswert.

Thermalbad Wiesenbad.

Die Himmelmühle könnte idyllischer nicht liegen: Eingebettet in das Zschopautal, fernab von Straßenlärm und Hektik steht die ehemalige Baumwollspinnerei seit Anfang des 19. Jahrhunderts da. Doch seit Jahrzehnten wird in der Fabrik, die zunächst eine Spinnerei beherbergte, später für die Schokoladenherstellung genutzt wurde und in der Folgezeit als Lager und sogar Frauengefängnis diente, leer. Investoren gibt es keine. Kein Wunder also, warum die Gemeinde Thermalbad Wiesenbad im vergangenen Jahr ein Angebot des Eigentümers annahm, die marode Fabrik samt Nebengebäuden für einen Euro zu kaufen. Das Ziel: Mithilfe eines Förderprogramms sollte die Himmelmühle abgerissen werden.

Doch aus diesen Plänen wird nun nichts. "Das Vorhaben ist Geschichte", sagte Bauamtschefin Janet Eberlein in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Der Denkmalschutz hat sein Veto eingelegt. Ein Widerspruch der Gemeinde blieb erfolglos. Die Ratlosigkeit ist groß. Immerhin hatte die Gemeinde die telefonische Zusage, 540.000 Euro Fördermittel für den Abriss zu bekommen. Rund 600.000 Euro sollten die Arbeiten insgesamt kosten. So eine Chance kommt so schnell nicht wieder. Zweimal trafen sich Vertreter der Gemeinde mit Denkmalschützern vor Ort, stellten ihre Sicht der Dinge dar, kämpften dafür, die Himmelmühle abreißen zu dürfen. Doch es half nichts. "Wir haben uns wirklich bemüht, das Gebäude wegzubekommen und ein ordentliches Umfeld zu schaffen", so die stellvertretende Bürgermeisterin Ulla Benkstein.


Aus dem Referat Bauaufsicht des Landratsamtes heißt es auf Nachfrage von "Freie Presse": "Der Gebäudebestand ist nahezu komplett erhalten und daher besitzt dieser Komplex einen hohen Seltenheitswert." Denn das Ensemble umfasst nicht nur die ehemalige Baumwollspinner, die 1834 errichtet wurde. Die Produktionsgebäude bilden laut Landratsamt vielmehr den Kern einer größeren Industriekolonie, zu der ein Herrenhaus, zwei Arbeiterwohnhäuser und eine Fabrikschule gehören. "Solche frühen Industrieansiedlungen sind in Sachsen nicht oft entstanden." Die Spinnereikolonie stelle ein überaus wertvolles Dokument der frühen Industriegeschichte dar. "Diese ist wesentlicher Bestandteil der Landesgeschichte und über solche Sachzeugnisse noch immer anschaulich erlebbar", heißt es weiter.

Dass die Himmelmühle geschichtlich gesehen etwas Besonderes ist, weiß man auch in Thermalbad Wiesenbad. Doch was damit anfangen? Die Gebäude verfallen immer mehr. In der Gemeinde befürchtet man, dass künftig Sicherungsmaßnahmen notwendig werden. Doch da der Abriss nicht zustande kommt, tritt Thermalbad Wiesenbad auch vom Kaufinteresse zurück. Dieses Hintertürchen hatte man sich offen gehalten, um im Zweifel nicht auf einer maroden Immobilie sitzen zu bleiben und für teuere Sicherheitsmaßnahmen aufkommen zu müssen. Der Besitzer der Himmelmühle sei darüber bereits informiert.

Wie weiter? An dieser Stelle endet vorerst die Geschichte vom Abriss der Himmelmühle. Eine Klage gegen das Nein der Denkmalschutzbehörde wird nicht angestrebt. Zu gering sind die Erfolgsaussichten, war sich der Gemeinderat einig. Nun bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch ein Investor findet, der die Himmelmühle aus dem Dornröschenschlaf weckt und das Areal aufwertet ohne dafür eine Abrissbirne zu benötigen.

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