Der Räuchermann mit der Wärmflasche

In Sammlerkreisen hoch im Kurs steht eine Figur, die vor gut 90 Jahren als Weihnachtsgabe für die Beschäftigten der Krausswerke Schwarzenberg in Auftrag gegeben wurde. Die Spurensuche führt in eine bekannte Manufaktur.

Schwarzenberg/Grünhainichen.

Hin und wieder taucht auf Verkaufsplattformen im Internet oder bei Antiquitätenhändlern ein sehr alter Räuchermann auf, für den meist eine hohe dreistellige Summe verlangt - und auch bezahlt - wird. Die Wärmflasche, die das Männel in einer Hand hält, gilt als Indiz für die einstigen Krausswerke in Schwarzenberg als Auftraggeber. Ob das stimmt und ob wirklich, wie mitunter zu hören ist, eine längst weltbekannte Manufaktur der Hersteller war? Antworten gibt die aktuelle Sonderschau im Stammhaus von Wendt & Kühn in Grünhainichen.

Da geht es um Sonderanfertigungen für Firmen und andere Auftraggeber. In einer Vitrine stehen sie tatsächlich - zwei Wärmflaschen-Räuchermänner. Und dazu gibt's Erläuterungen. Am 1. August 1927 hatte der Schwarzenberger Unternehmer Friedrich Emil Krauss an Wendt & Kühn geschrieben. "Ich möchte gern unser Wärmflaschenmännel als Räuchermännel haben, und zwar in einiger Auflage ... Es wäre natürlich ganz gut, wenn es an der einen Hand eine runde, gedrechselte Wärmflasche hätte", ist da zu lesen.


Grete Wendt skizzierte noch auf dem Schreiben des Bestellers eine Wärmflasche, auf der Rückseite des Blattes den ganzen Räuchermann. Marlis Rokitta, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Archiv/Sammlung bei Wendt & Kühn die Hauptarbeit für die Ausstellung geleistet hat: "In unserem Archiv liegen mehrere Skizzen und Zeichnungen zu jener Figur. Die aussagekräftigsten für den Zusammenhang mit den Auftragsarbeiten habe ich für die Ausstellung ausgewählt."

Der Auftrag ging 1927 ein. "Ich denke, er wurde noch im selben Jahr umgesetzt, spätestens aber 1928", so Rokitta, die im Firmenarchiv dazu nichts Genaueres finden konnte. "Krauss wollte die Figuren als Weihnachtsgabe an die Mitarbeiter verschenken." Die in der Ausstellung angegebene Stückzahl von 800 bis 900 Exemplaren ist eine Schätzung anhand der Belegschaftszahl.

Für den Schwarzenberger Betrieb wurde der Räuchermann nur dieses eine Mal aufgelegt - so der Wissensstand von Rokitta nach intensivem Aktenstudium. Aber: "Ab 1930 ist er bei Wendt & Kühn im normalen Sortiment zu finden. Er war mit rotem oder blauem Mantel erhältlich. Das ist aus den Katalogen von 1930 und 1937 ersichtlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Figur dann nicht mehr produziert."

Welche Farbe der Mantel für die Krauss-Bestellung hatte, ist nicht dokumentiert. In Sammlerkreisen kursieren zwei Vermutungen. Eine: Grete Wendt hätte ihn mit rotem Mantel entworfen und Krauss vorgelegt. Der soll auf blau bestanden haben, blau wie das Wasser, das ja auch für Waschmaschinen und damit für seine Fabrikate nötig war. Die andere: Der Räuchermann sei in roter und blauer Farbgebung an Krauss ausgeliefert worden - rote Exemplare für weibliche Angestellte und blaue für männliche. "Für mich klingt beides plausibel", so Rokitta. "Doch ich vermute, für Krauss war der Mann im Original nur mit blauem Mantel gedacht. Dafür spricht eine kleine Karte, die er als Vorlage mitschickte."

Gegen diese These sprechen zwei Fotos, die Stefan Klarmann, der in Schwarzenberg mit Antiquitäten und Kunst handelt, vorlegen kann. Sie zeigen den Räuchermann einmal in Rot, einmal in Blau - jeweils mit Krauss-Logo am Hut und so als Teil der ursprünglichen Bestellung zu vermuten. "Ich nehme an, dass alle Räuchermänner der Krauss-Lieferung dieses Logo zeigten, wie all seine Produkte", so Rokitta. "Im späteren Sortiment von Wendt & Kühn macht es wenig Sinn, das Logo einer anderen Firma aufzumalen. Alle Räuchermänner ohne Logo würden demnach aus der späteren Produktion stammen. Es gibt allerdings für die Vermutung und die Schlussfolgerung bisher keinen schriftlichen Quellenbeweis, was ebenso für die Farbgebung gilt." Genau das macht die Männeln, Spitzname Emil, umso spannender, findet auch Stefan Klarmann. Er ist stets auf der Suche nach solchen Figuren - ob blau oder rot und selbst in beschädigtem Zustand.


Sonderschau bis Frühjahr 2020

Designerin Grete Wendt ist immer wieder zu neuen Figurenentwürfen inspiriert worden. Oft durch das Alltägliche, wie die heimischen Wiesenblumen oder die Schulkinder vor dem Fachwerkhaus an der Chemnitzer Straße in Grünhainichen. Doch sie erhielt auch viele Anfragen von außen. So traten Unternehmen, Institutionen oder der Staat an Grete Wendt heran, um ihre Ideen von der Gestalterin verwirklicht zu sehen. Die aktuelle Sonderschau "Auftrag erteilt! Sonderfiguren für Unternehmen, Institutionen und Fachhändler" zeigt in der Wendt & Kühn-Welt in Grünhainichen ausgewählte Auftragsarbeiten. Bis ins Frühjahr 2020 können Interessenten dort täglich von 10 bis 17 Uhr auf eine faszinierende Spurensuche gehen.

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