Der unverzichtbare Zerstörer

Baumpilze tragen entscheidenden Anteil daran, dass abgestorbenes Holz wieder zu Humus wird.

Annaberg-Buchholz.

Stürme, Schneebruch und Trockenheit sind Faktoren, die im Erzgebirgswald zu einem massiven Anwachsen der Borkenkäfer-Population geführt haben und die Forstwirtschaft in Nöte bringen. Wegen des Holzpreisverfalls ist es aktuell unwirtschaftlich, geschädigtes Holz, von dem keine Gefahr mehr ausgeht, aus dem Wald zu räumen. Die Folge: Viele abgestorbene Fichten bleiben stehen und fallen irgendwann um. Doch wie wird das Holz zu Humus und anschließend dem Boden in Form von Nährstoffen zugeführt?

"Gäbe es keine Baumpilze, hätten wir ein größeres Problem. Das Holz würde Jahrzehnte lang herumliegen. Denn dann müssten allein Bakterien die Arbeit übernehmen. Die sind aber bei weitem nicht in der Lage, die Zellulose aufzulösen. Der Zersetzungsprozess würde viel länger dauern", beschreibt der Rübenauer Biologe Kay Meister das Szenario.

Baumpilze gelten dagegen als ideale Zersetzer. Während äußerlich nur der Fruchtkörper zu sehen ist, hat der fadenförmige Pilz den Baumkörper schon längst durchdrungen. Im Gegensatz zu anderen vergänglichen Pflanzen, wachsen Baumpilze das ganze Jahr hindurch. Unterschieden wird Kay Meister zufolge in Parasiten, die lebende Bäume befallen, und Zersetzer, die nur in abgestorbenes Holz gehen. Zu letzteren gehört der Nördliche Zinnoberschwamm. Seinen Namen verdankt er der auffälligen Farbe seines Fruchtkörpers. Bevorzugtes Substrat in Mitteleuropa ist die Rotbuche. Selten besiedelt der Zinnoberschwamm dagegen Nadelhölzer. Die Art zählt zu den Erstbesiedlern abgestorbener, noch stehender oder liegender Hölzer, kann aber auch noch in späteren Zersetzungsphasen auftreten.

Anhand der Baumpilzart lassen sich mitunter Aussagen über den Zustand des befallenen Gehölzes treffen. "Neben Pilzen, die Bäume unabhängig vom Gesundheitszustand besiedeln (Vitalparasiten), gibt es sogenannte Schwächeparasiten, die nur schon krankes Holz aufsuchen", erklärt der Rübenauer Biologe. In letztere Kategorie fällt der Fichtenporling, der gleichermaßen in geschwächten oder abgestorbenen Nadel- und Laubbäumen zu finden ist.

Der bekannte Vitalparasit Hallimasch kann dagegen auch kerngesunde Bäume befallen. Begünstigend auf das Pilzwachstum wirken sich eine hohe Feuchtigkeit und höhere Temperaturen aus. Ein Weichholzstamm zerfällt innerhalb von zwei bis drei Jahren zu Humus, erklärt der Biologe. Bei Hartholz dauert dieser Prozess entsprechend länger.

Einige Baumpilze wie der Austern-Seitling sind essbar. Der Zunderschwamm wurde früher gesammelt, um daraus Feueranzünder herzustellen. Heute werden Baumpilze etwa zur Herstellung von Mykoholz benutzt, die das Material zum Beispiel für die Verwendung für Bleistifte weicher machen.

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