"Der Zigeunerbaron" schließt den Kreis

Theatergeschichte(n) gibt es aus 125 Jahren Eduard-von-Winterstein-Theater viele zu erzählen. Eine elfjährige geht in diesem Sommer zu Ende. Tenor Frank Unger verlässt das Ensemble. Doch vorher wird noch ein Schatz gehoben.

Frank Unger freut sich auf die Neuinszenierung "Der Zigeunerbaron". "Ich mag das Stück", sagt der Tenor. "Das sind schöne Melodien und eine mitreißende Musik. Und es passiert viel."
An der Seite von Bettina Grothkopf als "Madame Butterfly" spielte er Benjamin Franklin Linkerton, Leutnant der US-Marine.
Rasend eifersüchtig war er als Don Jose in "Carmen" zu erleben - an der Seite von Tatjana Conrad als Carmen.

Für Sie berichtet: Antje Flath

"Der Zigeunerbaron" war vor elf Jahren seine erste Inszenierung auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen. Damals sang und spielte Frank Unger den Ottokar - Sohn der Erzieherin Mirabella. Und "Der Zigeunerbaron" wird auch seine letzte Inszenierung vor der markanten Felskulisse werden. Dieses Mal singt und spielt er den jungen Emigranten Sándor Bárinkay, der im Verlauf der Geschichte zu eben jenem Zigeunerbaron ernannt wird. So schließt sich nach elf Jahren der Kreis.

Dabei hatte er damals im Sommer 2007 eigentlich gar kein festes Engagement haben wollen - der selbstständige Klempnermeister, der noch in den 1990er-Jahren höchstens auf seinen Baustellen "die Leute mit Operetten tyrannisiert" hat. Über den Extrachor im damals noch eigenständigen Theater der Stadt Zwickau, privaten Gesangsunterricht, ein Musikstudium an der Semperoper in Dresden und drei Jahre freischaffende künstlerische Tätigkeit stand er dann aber doch irgendwann zum Vorsingen vor dem damaligen Intendanten des Eduard-von-Winterstein-Theaters, Hans-Hermann Krug. "Und das ging völlig daneben. Ich war nicht gut", behauptet der Tenor noch heute. Irgendwie musste der Intendant das aber anders gesehen und das Potenzial des Sängers erkannt haben. Er wollte es mit ihm versuchen. Davon völlig überrascht sagte Frank Unger trotzdem erst einmal ab, sang zunächst mehrere Partien vertretungsweise - unter anderem in "Die Schöne und das Biest" und in "Wiener Blut". Doch im September des gleichen Jahres hatte er dann schließlich doch einen Vertrag in der Tasche, war als Tenor fest im Annaberg-Buchholzer Theater engagiert.

Wie viele Rollen er seither gesungen und gespielt hat? Er vermag sie nicht zu zählen. Allein in der zu Ende gehende Saison hat es für ihn kaum eine Pause gegeben, war er in allen Inszenierungen des Musik- theaters mit dabei. Dazu hat er in diesem Sommer bereits in "Eine Nacht in Venedig" des Mittelsächsischen Theaters mitgewirkt - seinem künftigen Arbeitgeber. Auf der Seebühne Kriebstein hat ihn das Publikum als Herzog von Urbino erlebt. Ein Einsatz, für den der Körper Tribut fordert: Die Stimme ist angegriffen. Doch freie Zeit ist auch in den nächsten Wochen rar. Denn wenn am Nachmittag des 1. September das letzte Mal in diesem Sommer "Der Zigeunerbaron" auf den Greifensteinen gegeben wird, steht am Abend schon die Spielzeiteröffnung im Mittelsächsischen Theater in Freiberg auf dem Programm. Damit ist zwar der Weg in seine Wahlheimat Pirna, wo er sich 2009 ein Haus gekauft und das in den zurückliegenden Jahren in jeder freien Minute Stück für Stück um- und ausgebaut hat, deutlich kürzer geworden. Doch für die Wiederaufnahmen "Martha", "Der Obersteiger" und "Blossom Time" wird er auch in der neuen Spielzeit noch regelmäßig nach Annaberg-Buchholz fahren.

Und für ihn ist es auch schön, "noch etwas hier zu sein" - auch wenn er sich zugleich auf die neue Herausforderung freut. "Es ist mal wieder ein Schnitt, der gibt neue Energie", sagt er. Und dann sind da ja auch noch ein paar markante Orte in Annaberg-Buchholz, für die er in all den Jahren nie Zeit hatte: Sankt Annen, Erzgebirgsmuseum, Markus-Röhling-Stolln beispielsweise. Die will er sich schon noch anschauen. Zugleich will er das in Freiberg nicht wieder so vernachlässigen.

Operette gehört zu den erfolgreichsten Bühnenstücken des Walzerkönigs Johann Strauß

"Der Zigeunerbaron" gilt neben der "Fledermaus" und "Eine Nacht in Venedig" als das erfolgreichste Bühnenwerk des Walzerkönigs Johann Strauß. Zwei Jahre hat er an der Musik für die Operette in drei Akten gearbeitet. Am 24. Oktober 1885 hat sie im Theater an der Wien ihre Uraufführung erlebt.

Sándor Bárinkay, Sprössling einer wohlhabenden Familie, kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück, um sein Eigentum zurückzuholen. In den Ruinen des Schlosses leben jetzt Zigeuner. Der reiche Schweinezüchter Zsupán hat sich inzwischen die Ländereien der Bárinkays unter den Nagel gerissen. Er sieht die Rückkehr des rechtmäßigen Erben mit Unbehagen - bis Sándor um die Hand seiner Tochter Arsena anhält. Die aber liebt Ottokar, den armen Sohn ihrer Erzieherin Mirabella, und weist den Freier ab. Bárinkay zieht sich zu den Zigeunern zurück, die ihn zu ihrem Baron ernennen. Er verliebt sich in die Pflegetochter der alten Zigeunerin Czipra. In der Schlossruine seiner Vorfahren hält Bárinkay nach Zigeunerbrauch Hochzeit mit Saffi. In der Hochzeitsnacht träumt die Braut von einem Schatz.

Auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen steht die beliebte Operette des Walzerkönigs nicht zum ersten Mal auf dem Spielplan. Die Premiere während der diesjährigen Festspiele findet am Samstag statt. Die Vorstellung beginnt 18 Uhr. (af)

0Kommentare Kommentar schreiben