Die Dunkle Biene kehrt zurück

Imker haben sich zum Ziel gesetzt, eine vergessene heimische Honigbiene wieder in der Region zu etablieren. Das ist nicht unumstritten. Mittels Informationen sollen Vorbehalte ausgeräumt werden.

Neundorf.

Die Dunkle Biene schwärmt wieder ins Erzgebirge aus. Die Rückkehr der vergessenen heimischen Honigbiene geht vergleichsweise leise vonstatten. Dabei hatten sich die Initiatoren zur Eröffnung des Lehrbienenstandes auf dem Gelände des Rittergutes Neundorf kürzlich namhafte Unterstützung durch den Vorsitzenden des Landesverbandes Sächsischer Imker, Michael Hardt, geholt. Der weiß am besten, dass die Wiederansiedlung der Dunklen Biene unter den Imkern der Region nicht unumstritten ist. Doch die Vielfalt mache das Leben untereinander aus. Hardt rief zu gegenseitigem Respekt auf, um Ängste und Sorgen auszuschließen. Die Informationen rund um den neu eröffneten Lehrbienenstand sollen dabei helfen.

Um Ängste zu verstehen, muss das Rad der Geschichte weit zurückgedreht werden: Die Dunkle Biene war seit Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren die einzige heimische Honigbiene, die als Wildtier in den Wäldern von Frankreich bis Sibirien lebte. Vor etwa 100 Jahren begann die Durchkreuzung mit südlichen und östlichen Bienenrassen. Ende der 1930er-Jahre wurde die Dunkle Biene fast vollständig verdrängt, seit dem Zweiten Weltkrieg gilt sie in Deutschland als nahezu ausgestorben. Heute steht sie auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Die Imker der Region arbeiten vorwiegend mit der Carnica, auch Krainer Biene genannt, sowie der Ligustica.

Der Verein Erhaltung Erzgebirgische Lebensweise hat es sich unter der Leitung von Katrin Thiele zur Aufgabe gemacht, alte Haustierrassen und die traditionelle Lebensweise des Erzgebirges zu schützen. Dem Engagement der Mitglieder des im Jahr 2007 gegründeten Vereins sowie der Unterstützung durch den Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Sachsen und dem Christlichen Jugenddorfwerk ist es zu verdanken, dass ein Lehrbienenstand sowie anschauliche Tafeln Wissenswertes über die Dunkle Biene erzählen. Nicht zuletzt wurden drei Völker angeschafft. "Von der Idee bis zur Umsetzung des Projektes, das ein Bienenhaus und einen Lehrpfad umfasst, dauerte es fast zwei Jahre", sagt Katrin Thiele. "Ansinnen des Vereins ist es, junge Menschen mit der gebührenden Achtsamkeit an die Dunkle Biene sowie ans Imkern heranzuführen", erklärt sie. Drei Imker, die Mitglieder im Verein sind, kümmern sich um die Insekten. Zu ihnen gehört mit Steffen Reuter ein diplomierter Forstingenieur und Befürworter der Wiederansiedlung. "Die Dunkle Biene gehört in die Region. Sie wird auch Nordbiene genannt und bis nördlich des Polarkreises erfolgreich gezüchtet", sagt der Mann aus Auerbach. Seinen Worten zufolge ist die Dunkle Biene unseren Klimaverhältnissen gut angepasst. Und er ergänzt: "Charakteristisch für ihr Wesen ist ihr Fleiß, ihre Schwarmträgheit und ihre Sanftmut sowie ihre Robustheit gegenüber Krankheiten." Sie ist ans raue Klima angepasst, fliegt bereits bei Temperaturen unter 8 Grad Celsius sowie bei feuchtem Wetter aus und zeichnet sich durch Winterhärte aus.

Wilfried Lautner aus Ehrenfriedersdorf ist seit 1962 Imker. Er steht der Ansiedlung der Dunklen Biene im Erzgebirge kritisch gegenüber, denn er schätzt die Eigenschaften seiner Carnica. Er fürchtet eine Durchmischung der Rassen. Bienenzüchter Jens Liebig kann diese Ängste durchaus verstehen, dennoch befürwortet er die Wiederansiedlung. Der Stollberger hat schon mit mehreren Bienenrassen Erfahrungen gesammelt, nun möchte er die Dunkle Biene in seinen Bestand aufnehmen und sich selbst davon überzeugen, dass auch mit dieser Honigbiene ein problemloses und zeitgemäßes Imkern möglich ist.

"Die Förderung des Erhalts der Dunklen Biene ist nicht nur wichtig für die genetische Vielfalt, sondern es ist auch anzunehmen, dass die Dunkle Biene sich an die klimatischen Veränderungen gut anpassen kann", sagt Katrin Thiele. Um sich zu informieren, finden Interessierte Schautafeln entlang des Lehrpfades, die unter anderem die Geschichte der Dunklen Biene, aber auch Bienenerzeugnisse, den Bienenflug und das Leben im Bienenstock beschreiben. Der Verein bietet zudem Führungen am Lehrbienenstand an, zu denen sich Neugierige anmelden können.

dunkle.biene@bund-sachsen.de

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