"Die Goldene Brücke" ist Kunst zum Anfassen

Mit moderner Kunst im ländlichen Raum ist das so eine Sache. Doch dass diese auch sehr praktisch sein kann, zeigt das Beispiel Thermalbad Wiesenbad.

THERMALBAD WIESENBAD.

"Wir wolln die goldne Brücke baun", sangen am Donnerstag die Kindergartenknirpse. Und die besungene Brücke macht in Thermalbad Wiesenbad sogar noch richtig Musik. "Sie ist eine gelungene Symbiose, Kunst zum Anfassen", sagte Bürgermeisterin Berit Schiefer. Ein Werk für jedermann verständlich, keiner müsse bei dem Kugelmobile fragen, was der Künstler wohl damit ausdrücken will, lobten viele Anwesende das Pendulum. Es übt optisch wie auch akustisch eine faszinierende Wirkung aus. Werden die 15 Kugeln des Pendels gleichzeitig angestoßen, schwingen sie zunächst gemeinsam hin und her. Nach kurzer Zeit bildet sich ein Schlangen- beziehungsweise Wellenmuster aus.

Dieses Phänomen entsteht durch die unterschiedlichen Längen der Schnüre. "Die Pendel schwingen, schlängeln sich, tanzen in Gruppen, verwirren sich scheinbar chaotisch und schwingen sich wieder schlängelnd aufeinander ein", erklärte Katrin Baumann. Die Diplomdesignerin aus Elterlein hat das Kunstwerk entworfen und viele gute Ideen dabei einfließen lassen. "Die Pendelwelle ist wie das Leben: bewegend, chaotisch, rhythmisch, zyklisch, faszinierend", so die 54-Jährige. Für die Künstlerin auch in gewisser Weise ein Sinnbild für die Arbeit einer Kommune.

Doch damit nicht genug. Das Kunstwerk verfügt über 16 Klang- und vier Bassrohre. Die Klangkomposition hat Ingo Siddhartha Hammerich geschaffen. "Die Klangrohre laden dich ein, das Kugelspiel spielerisch zu begleiten", so der Künstler aus der Schweiz. "Die goldene Brücke ist eine Einladung, sich Raum und Stille zu geben, um innerlich frei zu sein", betonte der Schweizer. Seit 30 Jahren befasst er sich mit Klangkompositionen. Katrin Baumann bezeichnete ihren Entwurf auch als großes Musikinstrument, auf dem jeder drauf spielen kann. Beim Suchen im Internet nach dem besten Klang gelangte sie an den Schweizer Künstler.

Rund 25.000 Euro standen für das Kunstprojekt zur Verfügung. Möglich wurde es, weil der Verein Sächsisches Landeskuratorium Ländlicher Raum beim im August 2018 ausgelobten Ideenwettbewerb des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft mit dem Beitrag "Blickpunkte - Kunst im ländlichen Raum" einen Preis erhalten hat.

Peter Neunert, Geschäftsführer des Landeskuratoriums, sprach von mehreren Großprojekten innerhalb des Wettbewerbes, die für die Seele und den Stressabbau gut sind. Dass ein solches Objekt nun im Park am Gemeindeamt des Kurortes seinen Platz gefunden habe, sei vor allem Ronny Wähner zu verdanken, so Berit Schiefer. Der CDU-Landtagsabgeordnete habe den entscheidenden Tipp für den Standort gegeben.

"Die Goldene Brücke" passt sich gut ins Areal ein. Katrin Baumann unterstrich, dass sie damit ein Werk für Familien schaffen wollte, das auch junge Leute anregen soll, dass Handy aus der Hand zu legen oder den Fernseher auszuschalten um in der Natur etwas zu erleben. Gleichzeitig verwies sie auf die Nutzung als Grünes Klassenzimmer für den Unterricht.

Sven Wittrisch aus Wiesa hat das ansprechende Kunstwerk fachlich umgesetzt und gebaut. Der Metallbaumeister verwies darauf, dass auf die Langlebigkeit der kupferfarbenen Konstruktion viel Wert gelegt worden sei. So wurde der Stahl feuerverzinkt und extra noch mit einer speziellen Eisenglimmerfarbe versehen. Die Klangrohre bestehen aus einer Aluminiumlegierung. Und wer "Die Goldene Brücke" in Gang setzt, kann tatsächlich mal so richtig die Seele baumeln lassen.

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