"Die immer lacht auf Kufen": Schnitzer beschenkt Sportlerin

Der Kleinrückerswalder Christian Fritzsch hat für Julia Taubitz einen Schlitten hergestellt. Das Kreativ-Schnitzen, wie er es selbst nennt, hat der Erzgebirger zu seinem Hobby in der Winterzeit gemacht. Doch was hat es mit dem Präsent auf sich?

Kleinrückerswalde.

Christian Fritzsch aus Kleinrückerswalde liebt es zu schnitzen. Doch weniger filigran mit dem Schnitzmesser. Er mag es vielmehr einige Nummern größer: mit der Kettensäge. Und mit dem Bedienen großer Maschinen kennt sich der 60-jährige Baumaschinist ohnehin aus, arbeitet er doch bei einer Straßenbaufirma. Jobbedingt kann er seinem Hobby allerdings ausschließlich in den Wintermonaten nachgehen. Seine Arbeiten sind weniger die urtypisch erzgebirgischen wie Bergmann und Engel. Es sind vielmehr Dinge, denen er im Alltag begegnet. Jetzt aber hat er einen ganz speziellen Schlitten gestaltet - und Rennrodlerin Julia Taubitz vom Wintersportclub (WSC) Erzgebirge Oberwiesenthal als Geschenkadressatin auserkoren.

Und das hat seinen Grund: Christian Fritzsch war von 1966 bis 1972 selbst aktiver Rennrodler bei Rotation Raschau. "Wir sind zum Training und zu Wettkämpfen an die Bahnen im Erzgebirge gefahren - unter anderem nach Oberwiesenthal. Im Sommer hatten wir Trainingslager in Raschau. Da gab es auch einige Anlagen, wo wir trainiert haben. Die waren damals natürlich nicht DIN-gerecht wie heute. Da passierte es schon einmal, dass wir aus der Bahn geflogen sind." Aber er sei schon immer eine Sportskanone gewesen. Und in Raschau habe es eben Rennrodeln wie andernorts Langlauf gegeben. "So bin ich damals zum Rennschlittensport gekommen", erzählt Christian Fritzsch. Später sei er auch noch oft in Altenberg gewesen, um sich den Sport vor Ort anzuschauen. Wettkämpfe habe er zudem regelmäßig im Fernsehen verfolgt - unter anderem zu der Zeit, in der Sylke Otto erfolgreich unterwegs war.

"Und heute ist die erfolgreiche Protagonistin Julia Taubitz", erklärt der Erzgebirger. "Ich wollte ihr ein Geschenk machen. Weil ich selber nachvollziehen kann, welches Feingefühl man für diesen Sport haben muss. Aber eben auch, wie hart das Rennrodeln ist. Körperlich ist das nicht ohne. Es ist eine richtige Kraftsportart. Julia ist im Gegensatz zu mir früher eine erfolgreiche Sportlerin. Was passt da dazu? Ein Rennschlitten. Ich hätte ja auch eine verrückte Figur machen können. Aber so finde ich es typischer: ein schöner Rennschlitten mit ihrem Namen versehen. Und weil sie eben immer lacht, unsere Julia, fand ich das am besten und auch dekorativ, so einen Schlitten zu machen, der sogar eine Beleuchtung hat." Der Schlitten sei aus freier Hand entstanden - ohne Zeichnung. Rund vier Tage habe er daran gearbeitet.

Zu seinem Hobby ist der heute 60-Jährige gekommen, als er andere mit der Kettensäge umgehen sah. "Anfangs hatte ich noch keine Werkstatt. Als ich später eine Garage hatte, habe ich mir eine Kettensäge zugelegt", erinnert sich der Kreativ-Schnitzer. Das Talent für sein Hobby hat dem einstigen Raschauer dabei wohl mit ziemlicher Sicherheit seinen Vater Rolf mit auf den Weg gegeben, der selbst leidenschaftlicher Schnitzer ist. Allerdings wollte es in der Kindheit zunächst überhaupt nicht klappen. "Mein Vater wollte, dass ich ein echter erzgebirgischer Schnitzer werde. Aber beim dritten Mal im Schnitzverein haben sie mich wieder rausgeschmissen und gesagt, das wird doch nichts mit dir." Auch Klavier- und Gitarrenunterricht habe er genommen, aber auch das habe nicht funktioniert. "Weil mich das alles nicht interessierte." Erst viel später, mit Mitte 40, sei das plötzlich losgegangen. "Ich sah ein Stück Holz und dachte mir, hieraus müsse doch etwas entstehen", erinnert sich Christian Fritzsch, dessen allererste Arbeit ein Indianer war, der einen Pizzateller in der Hand hält.

"So ging das los", erinnert sich der Hobby-Holzkünstler, der seitdem viele seiner Arbeiten auch ausgestellt hat. Doch dafür fehle ihm mittlerweile einfach die Zeit. "Ich mache die ganzen Sachen für mich, für meine Frau Annette und für meine drei Enkel", sagt der Kleinrückerswalder. "Der traditionelle Schnitzer macht seinen Bergmann und seinen Engel. Ich finde das hammergeil, aber das ist nicht meine Art. Meine Kunst ist mehr kreativ. Selbst der Bildhauer, der macht eine Eule und einen Hirsch. Die Motive sind immer wiederkehrend. Ein Bildhauer sagte einmal zu mir: Geh deinen ganz eigenen Weg weiter. Und dabei bin ich auch geblieben", so Christian Fritzsch.

Und der 60-jährige Baumaschinist hat schon seine nächste Arbeit vor Augen. "Ich arbeite ja im Straßenbau und will daher unbedingt einen Straßenhobel machen", verrät der Holzkünstler.

Und was sagt eigentlich die beschenkte Wintersportlerin? "So etwas Schönes habe ich noch nicht bekommen", erklärte Julia Taubitz am Mittwoch bei der Überreichung des Präsentes. "Der Schlitten bekommt einen Ehrenplatz."

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