Die Jugend und das Digitale

Youtube, Tik Tok, Fortnite: Es gibt kaum einen Jugendlichen, der kein Smartphone besitzt oder beinahe täglich im Internet unterwegs ist. Was können Eltern tun, um ihre Kinder vor einem übermäßigen Konsum zu schützen?

Annaberg-Buchholz.

Wer heute jung ist, der wächst mit digitalen Medien, Smartphones, Tablets und Laptops auf. Digital Natives, also digitale Eingeborene, nennt man diese Generation. Was sich Erwachsene zum Teil mühevoll aneignen müssen, lernen Jüngere quasi ganz nebenbei. Ohne Risiken ist das Internet aber nicht. Eltern sorgen sich, Computerspielsucht und Medienabhängigkeit sind dabei Begriffe, die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. So auch beim ersten "Safer Internet Day" im Erzgebirgskreis, der in dieser Woche stattfand.

In Workshops setzten sich die 180 teilnehmenden Fünft- und Sechstklässler mit Themen wie Cybermobbing, Online-Rollenspielen, Computerspiele und strafrechtliche Konsequenzen im Internet auseinander. In den Gesprächen wurde deutlich, wie alltäglich auch in diesem jungen Alter das Internet ist. In einer der Runden sollte jeder aufstehen, der ein Smartphone besitzt. Nur drei blieben sitzen, wobei ein Mädchen dafür einen Tablet-Computer hat. "Heutzutage schreibt man keine Briefe mehr", sagte ein Schüler und lachte. Wer jemand anderen etwas aus der Entfernung sagen möchte, tut dies per Whatsapp. Youtube, Instagram, zum Teil noch Facebook und Tik Tok wurden immer wieder als beliebte Apps genannt. Bei Letzterem handelt es sich um eine App, mit der die Nutzer Videos aufnehmen und teilen können. Andere Nutzer können diese dann liken und kommentieren. Einige performen ihren Lieblingssong und singen Playback, andere nehmen Sequenzen von Videospielen auf.

Laut der JIM-Studie 2018 - Jugend, Medien, Information -, bei der der Medienumgang der 12- bis 19-Jährigen untersucht wurde, besitzen 97 Prozent der Jugendlichen in diesem Alter ein Smartphone. Mehr als 70 Prozent haben einen Computer bzw. Tablet und knapp die Hälfte eine feste Spielekonsole. Gekauft werden diese Dinge in der Regel von den Eltern. Das ständige am Handy oder Computer sein sorgt nicht selten für Konflikte in den Familien. Doch was tun? Michael Wilde von der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen hatte dazu ein paar Tipps. Er hielt im Rahmen des "Safer Internet Day" einen Vortrag bei einem Elternabend. Wilde sprach über Computerspielabhängigkeit (Internet-Gaming-Disorder) eine mittlerweile anerkannte Erkrankung, für die es auch genaue Kriterien gibt. Dazu zählt unter anderem, dass der Spieler die Kontrolle über sein Spielverhalten verliert. Das Zocken steht immer an erster Stelle, Freunde, Schule, Familie und Hobbies werden vernachlässigt. Das heißt aber nicht, dass jeder Jugendliche, der mal ein paar Tage kaum vom Computer wegzubekommen ist und Onlinespiele wie Fortnite zockt, gleich süchtig ist. Die Kriterien müssen über mehr als ein Jahr vorhanden sein.

Was können Eltern tun? Vorbild sein, so Michael Wilde. Wer das Smartphone seinen Kindern am Abendbrottisch verbietet, selbst aber Mails checkt, mache sich unglaubwürdig. Außerdem hilft es, sich für die Spiele und Apps, die die Jugendlichen nutzen, zu interessieren. Es mache keinen Sinn, eine Spielzeit von einer Stunde festzulegen, wenn ein Level eine dreiviertel Stunde dauert, das nächste begonnen wird und dann abgebrochen werden muss. Dafür muss man aber wissen, wie die Spiele aufgebaut sind. Auch sollten Erwachsene auf die angegebene USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) achten. Nicht selten würden Teenager Spiele zocken, die erst ab 18 Jahre sind. Aber nicht nur Online-Spiele können die Jugendlichen in ihren Bann ziehen. Auch das Nutzen von Social-Media-Apps kann krankhafte Züge annehmen. Daher seien handyfreie Zeiten sinnvoll. Um nachts zur Ruhe zu kommen, kann eine Handy-Garage sinnvoll sein. Alle Smartphones der Familie werden dabei zum Beispiel nur im Flur geladen. Auch können die Eltern mit ihren Kindern Mediennutzungsverträge abschließen - Selbstverpflichtung statt Verbote. Auch kann es Sinn machen, statt eines Tages- ein Wochenkontingent zu vereinbaren.

1Kommentare
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  • 2
    3
    ralf66
    09.02.2020

    Wenn man beim Arzt sitzt sieht man es doch deutlich, die sitzen noch gar nicht und schwups ist das Kastl zwischen den Händen, übrigens deren Eltern sind das gleiche Kaliber, deshalb frag ich mich, wer hier was tun soll, will oder kann? Der Artikel war vielleicht gut gemeint aber ist völlig neben der Realität, die meisten können gar nicht mehr ohne diese Smartphone leben, dass ist wie eine Seuche.



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