Die "Jungs aus dem Wald" dürfen weitere acht Jahre senden

Die Landesmedienanstalt hat die Zulassung von Radio Oberwiesenthal verlängert. Doch der private Rundfunk ist nicht über den Äther zu empfangen.

Oberwiesenthal.

Mutter, Vater, Sohn - das ist Radio Oberwiesenthal. Wenn das Wort Familienbetrieb passt, dann in diesem Fall. Roswitha Wilde ist die Inhaberin. Herbert Wilde engagiert sich als Programmverantwortlicher und Moderator. Sohn Florian tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Dazu ist das kleine, etwa acht Quadratmeter große Studio auch noch im Haus der Wildes beheimatet. "Ich brauche nicht einmal meine Schuhe zu wechseln, wenn ich auf Arbeit gehe", sagt der ehemalige Diskjockey Herbert Wilde mit einem Schmunzeln. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als jeden Tag seinem Hobby nachzugehen.

Und das kann er nun weitere acht Jahre, denn um diesen Zeitraum hat die Landesmedienanstalt Sachsen die Zulassung des Senders verlängert. Zu Beginn seien es immer nur zwei Jahre gewesen, für die die Lizenz vergeben wurde, erzählt der Oberwiesenthaler. "Inzwischen ist man da großzügiger geworden. Das haben wir uns aber auch erarbeitet", sagt Herbert Wilde, der sich an den doch schweren Anfang erinnert. Das war konkret am 20. Oktober 1992. Ab diesem Tag galt die Lizenz. Das sei damals durchaus ein Novum gewesen, denn das Erzgebirge habe zu dem Zeitpunkt Null Lobby in der Landesmedienanstalt gehabt. "So wurden wir zum Beispiel vom damaligen Direktor der Landesmedienanstalt als ,Jungs aus dem Wald' bezeichnet, die Radio machen wollen", erzählt der 61-Jährige. Dabei sei das Vorhaben für Oberwiesenthal gar nicht so neu gewesen. Schon zu DDR-Zeiten habe es einen Stadtfunk hauptsächlich für all die FDGB-Ferienheime gegeben.

Radio Oberwiesenthal ist dabei vom Ansatz her ähnlich konzipiert. Es ist nicht über den Äther empfangbar, sondern nur über das Netz der Antennengemeinschaft. Darüber werden in Oberwiesenthal sowie Hammerunterwiesenthal circa 900 Wohneinheiten erreicht. "Wir machen somit ein Hörfunkprogramm rein für Oberwiesenthal. Ich sehe mich eigentlich als Dienstleister für die Stadt und die Urlauber", sagt Herbert Wilde. Wurde anfänglich nur ein vierstündiges Programm produziert, das dann als Schleife über den Tag hinweg lief, bietet der Sender heute ein 24-stündiges Vollprogramm. Das werde zwar noch immer vorproduziert, könne aber jederzeit aufgrund aktueller Ereignisse unterbrochen beziehungsweise ergänzt werden. Das sei zum Beispiel während der Olympischen Winterspiele in Lillehammer 1994 passiert, als etwa der heutige Geschäftsführer des Elldus Resort Jens Ellinger per Telefon die Oberwiesenthaler live von den Geschehnissen vor Ort unterrichtete, erzählt Herbert Wilde. Aber auch für Wunschtitel greift er beispielsweise in das laufende Programm ein.

Das bietet in Sachen Musik zielgruppenabhängig einen hohen Oldieanteil, aber auch deutsche Schlager sowie internationale Titel. Zudem gibt es viele Wortbeiträge. Das sind Interviews, Veranstaltungsankündigungen, Neuigkeiten aus der Stadt und vieles mehr. Dafür hat der Oberwiesenthaler vor inzwischen rund 26 Jahren unter anderem ein Seminar des Deutschen Journalistenverbandes in Stuttgart belegt. "Als Diskjockey kannte ich mich mit Musik und Tontechnik aus. Von Journalismus hatte ich aber nicht wirklich viel Ahnung. Deshalb war jenes Seminar wichtig, in dem zumindest journalistische Grundkenntnisse vermittelt wurden", berichtet Herbert Wilde.

Im Prinzip sei das gesamte Projekt Radio auf dem "eigenen Mist" gewachsen. So mussten die Wildes etwa die ganze Technik für das Studio selbst anschaffen und finanzieren. "Ohne einen Kredit war das nicht machbar", sagt der 61-Jährige, der quasi "nebenbei" mittlerweile auch 25 CD-Produktionen zu Buche stehen hat - unter anderem mit der Sopranistin Annett Illig. "Die Technik haben wir ja da", sagt er.

Auch wenn das "Radiomachen" für Herbert Wilde zur Berufung geworden ist, so gibt es daran doch einen Haken. Der Sender kann nicht drei Wochen abgeschaltet werden, weil es in den Urlaub gehen soll. Davon gibt es für die Wildes deshalb nicht wirklich viel, weil das Team eben so klein ist - Mutter, Vater und Sohn.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...