Die Knorrs und die Senioren: Baustart im einstigen Gymnasium

1890 wurde das markante Gebäude in Schlettau gebaut. Lange wurden hier Schüler ausgebildet, doch seit Jahren steht der Komplex leer. Das will nun ein Ehepaar aus der Stadt ändern. Bis zur Umsetzung mussten die beiden aber viel Durchhaltevermögen aufbringen.

Schlettau.

2015 wurde die Idee, im ehemaligen Gymnasium an der Ecke Pestalozzistraße/Rudolf-Breitscheid-Straße in Schlettau ein Angebot für ältere Menschen zu schaffen, zum ersten mal öffentlich. Stephan Knorr kam damals in den Stadtrat und präsentierte seine Pläne. Vier Jahre sind seitdem vergangen. Erst stand ein Kauf, dann ein Erbpachtvertrag im Raum. Schließlich schrieb die Stadt einen Teil des Gebäudes, den Altbau, öffentlich zum Kauf aus. Ziel der Verantwortlichen in der Kommune war es, ein Angebot für altersgerechtes Wohnen zu schaffen. Der Neubau, errichtet in den 1970er-Jahren, soll perspektivisch abgerissen werden. Die Bausubstanz sei schlecht, erläuterte damals Bürgermeister Conny Göckeritz. Die Knorrs boten mit und erhielten den Zuschlag. Nun können die Pläne, wenn auch in abgewandelter Form, Realität werden.

In dem alten Gymnasium, in dem schon seit knapp 20 Jahren kein Schüler mehr unterrichtet wurde, entstehen 15 altersgerechte Wohnungen. Beim Großteil handele es sich um 2-Raum-Appartements, erklären die Privatinvestoren Stephan und Yvonne Knorr. Viele Interessenten wünschen sich ein separates Schlafzimmer, daher entschieden sich die Knorrs für 13 größere Wohneinheiten. Zwei Appartements werden einen Raum haben. Allen gleich sei allerdings, dass sie sowohl alters- als auch rollstuhlgerecht sind. Wer auf Unterstützung im Alltag angewiesen sei, könne zudem Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes hinzubuchen.

Yvonne und Michael Knorr, der Bruder von Stephan Knorr, sind die Inhaber eines Pflegedienstes, das neben den Chefs zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Seit 2010 führen sie die Geschäfte. Gegründet wurde das Unternehmen von der Mutter von Stephan und Michael Knorr. Von 1973 bis 1992 sei sie Gemeindeschwester in Scheibenberg gewesen, danach machte sie sich selbstständig, sagt Stephan Knorr. Schon vor Jahren habe sie davon geträumt, ein Angebot für Senioren zu schaffen. Dieser Wunsch sei auch die Motivation hinter allem, erzählen die Knorrs. "Blanker Idealismus", antwortet Stephan Knorr auf die Frage, warum das Ehepaar trotz des vielen Hin und Her an den Plänen für das ehemalige Gymnasium festhielt. Und am Ende hat sich das Warten gelohnt, auch wenn die jetzigen Pläne nicht mehr ganz dem entsprechen, was anfangs vorgesehen war. Denn eigentlich sollten auch eine Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen und Wohngruppen in dem Gebäudekomplex integriert werden. Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflegebranche nahm das Paar davon aber wieder Abstand.

Die ehemalige Schule sei ideal, um Wohnungen für Senioren auszubauen. Das Haus ist zentrumsnah, die Infrastruktur sei gut. Barrierefrei komme man bis auf den Markt, zur Apotheke und Co. Das Haus selbst erhält einen Fahrstuhl. Jede Wohnung hat künftig außerdem einen Balkon, eine Küche wird eingebaut. Viel hat sich bereits getan. Aktuell sind beispielsweise die Elektriker und Klempner zugange. Zudem werden an die 100 Fenster ausgewechselt, auch die Fassade bekommt noch in diesem Jahr einen neuen Anstrich. Im Spätsommer kommenden Jahres soll alles fertig sein. Bewerbungen für die Wohnungen liegen bereits vor. Die Vermarktung und spätere Vermietung übernimmt die Wohnungsbörse Erzgebirge. Interessenten können sich aber auch direkt an die Knorrs wenden. "Für uns ist das Projekt eine echte Herzensangelegenheit. Wir möchten etwas bewegen, etwas Neues schaffen", so Stephan Knorr. Ohne Mut geht das natürlich nicht. Die Investitionssumme liegt im siebenstelligen Bereich.

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