Die Maschine stampft und rockt immer weiter

Dieter Birr war mit der Talkshow "50 Jahre Puhdys" in Annaberg-Buchholz zu Gast. 200 Besucher feierten die Geschichten, alte und neue Songs.

Annaberg-Buchholz.

Der Typ hat 75 Jahre auf dem Buckel, weit mehr als 3000 Konzerte schon mit seiner alten Band gespielt und erledigt seinen Soundcheck in der "Alten Brauerei" in Rekordzeit, was natürlich auch am guten Tontechniker liegt. Dann kommt Dieter Birr, seine Entourage hat ihm den Gesprächswunsch des Journalisten mitgeteilt. Er setzt sich und beginnt mit den Worten: "Wat willste wissen?". Nun, da gibt es ne ganze Menge, aber diese eine Frage musste sein: ob er denn die Rockerrente noch nicht erreicht habe, von der er schon Mitte der 1980er gesungen hatte. "Ich bin Musiker und ich muss und will Musik machen", ist die ausreichende Antwort.

50 Jahre Puhdys werden in diesem Jahr begangen und "50 Jahre Puhdys" heißt auch die Lesetour, auf der Dieter "Maschine" Birr sein Buch vorstellt. Das wurde auch in Annaberg-Buchholz in Form einer Talkshow gemacht, in der Kai Suttner, früherer Tourmanager bei den Puhdys, als Stichwortgeber fungiert. Und die Hauptperson, dieser Dieter "Maschine" Birr, hat eine ganze Menge zu erzählen: Er war fast 50 Jahre lang Kopf und Stimme der Puhdys, dieser ostdeutschen Band, der auch der Nachwende-Knick nichts ausmachte. Die ganzen Eckpfeiler der Bandgeschichte kommen zur Sprache: das 1. Konzert im Freiberger Tivoli am 19. November 1969, die Musik zum Film "Die Legende von Paul und Paula", die Touren durch die sozialistischen "Bruderländer" und natürlich die Touren in Westdeutschland, der "Eisbären-Song".

Torsten Kleditzsch

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Die Puhdys, die einstige Vorzeigecombo der DDR, startete nach der Wende gesamtdeutsch durch, wobei ein Großteil der Fans naturgemäß aus dem Osten kam. Und die sind zum großen Teil gemeinsam mit "ihrer" Band alt geworden, wie der in Ehren ergraute 61-jährige Annaberg-Buchholzer: "Das ist Musik, die das Leben beschreibt und schreibt", sagt er zu seinem Antrieb, den ostdeutschen Bands wie Silly, City, Karat und eben auch den Puhdys immer treu geblieben zu sein. Dann gibt es auch die Jüngeren wie den 15-jährigen Jonas Strey aus Neubrandenburg, der von seinen Eltern Sabine und Henry zu Hause so viel und so oft Puhdys auf die Ohren bekommen hatte, dass die Liebe zu dieser Musik fast automatisch kam. "Jetzt machen wir hier Urlaub und haben die Zeit genutzt, um zu Dieter Birr zu gehen", erzählen die Norddeutschen.

Und dieser Dieter Birr? Nach dem Ende der Band 2016 legt er eine beeindruckende Solokarriere hin und veröffentlichte mit "Neubeginner" eine Platte voll mit guten Texten, tollen Balladen und einem richtigen Kracher. Der heißt "Helden meiner Generation", ist nostalgisch und rockig zugleich und geht gnadenlos nach vorn. Er hat auch seinen Frieden mit diesem vermaledeiten "Tie-äitsch", dem "th" der englischen Sprache gemacht, das er noch nie hingekriegt hat und auf seine alten Tage auch nicht mehr beherrschen wird, wie er selbstironisch erzählt.

Dieter "Maschine" Birr lässt die 200 Besucher in der "Alten Brauerei" bei seinen Erzählungen schmunzeln und bei den Liedern mitsingen. Die Maschine stampft und rockt, immer noch und immer weiter. Songs wie "Geh zu ihr" und "Wenn ein Mensch lebt" haben eben nicht nur nostalgischen Wert, sie leben fort.

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