Die Rettungsschwimmer vom Stauweiher

Es sieht derzeit alles nach einem Rekordsommer aus. Auch am Geyrischen Teich tummeln sich die Badegäste. Bei schönem Wetter kommen Tausende an nur einem Tag. Hochsaison für Michael Kriegel und seine Kollegen.

Ehrenfriedersdorf.

Es ist kurz nach 10 Uhr am Morgen. Michael Kriegel ist schon seit einer Weile auf den Beinen. Sein Tag am Greifenbachstauweiher oder auch Geyrischen Teich startet 8.30 Uhr. Zu dieser Zeit ist noch kein Badegast da. Das ist gut so. Denn bevor ein neuer Tag beginnen kann, ist einiges zu tun. "Ich setze die ganze Maschinerie in Gang", sagt Kriegel, der seit 1987 Rettungsschwimmer am Stauweiher ist. So läuft er zum Beispiel jeden Morgen die Rutsche ab. Es könnte sein, dass jemand eine Flasche hineingeworfen hat, die kaputtgegangen ist. Würde dann ein Kind rutschen, wären die Folgen schlimm. Außerdem nimmt Kriegel Kontakt mit der Wasserwacht des DRK auf. Deren Mitstreiter besetzten die Geyrische Teichseite. Sie werden je nach Bedarf bestellt, erklärt er. Die Retter teilen den Geyrischen Teich so quasi in zwei Hälften.

Notwendig macht das vor allem die Größe des Gewässers. Er ist 400 Meter breit, 600 lang und bis zu sieben Meter tief. Und im Ernstfall geht es um Sekunden. Daher schwimmen die Rettungsschwimmer auch nicht zu den Betroffenen. Im Notfall kommt der Jetski zum Einsatz. Einer fährt, der andere springt vor Ort ins Wasser und rettet den Badegast. Um so schnell wie möglich wieder ans Ufer zu gelangen, wird der in Not Befindliche vom Jetski gezogen. Dafür schnallt sich ein Rettungsschwimmer ein umgebautes Bodyboard auf den Rücken. So hat er die Hände frei, um den Badegast sicher über Wasser zu halten. Der Jetski zieht dann beide an Land. Dort wird, wenn nötig, sofort mit der Wiederbelebung angefangen.

"Pro Jahr gibt es im Schnitt einen Ernstfall", sagt Michael Kriegel. In dieser Saison waren es schon zwei. Rein theoretisch kann aber in jeder Minute etwas passieren. Das heißt, auch wenn der Job des Rettungsschwimmers auf den ersten Blick ziemlich entspannt wirkt, ohne Anspannung vergeht kein Tag. Sobald das Funkgerät anspringt, könnte es sich um einen Notfall handeln. "Besonders schlimm sind Badeunfälle, wenn es sich um Kinder handelt", sagt Jens Brückner. Der 45-Jährige ist seit 15 Jahren dabei, sein Sohn Calvin (21) ist der Dritte im Bunde auf der Ehrenfriedersdorfer Seite. Vielen haben sie schon das Leben gerettet, für andere kam leider jede Hilfe zu spät. Oft seien gesundheitliche Ursachen der Grund für einen Badeunfall.

Doch auch wenn in ihrem Beruf Leben und Tod manchmal sehr nah beieinanderliegen, lieben die Rettungsschwimmer ihren Job. Und das liegt nicht nur daran, dass sie im Prinzip nie blasse Haut haben und sich vor Sonnenbrand nur an wenigen Stellen schützen müssen, selbst zu Beginn der Saison um Pfingsten. Ihr Leben spielt sich im Sommer seit Jahren und Jahrzehnten am Geyrischen Teich ab. Freunde und Familie verbringen hier ihre Freizeit, die eigenen Kinder wachsen hier auf. Jens Brückner verbrachte als Kind selbst jede freie Minute dort, da seine Eltern einen Bungalow am Greifenbachstauweiher haben. "Wo andere Eintritt zahlen, arbeiten wir", bringt es Michael Kriegel, der von allen nur Mike genannt wird, auf den Punkt. Ein Freibad wäre für beide übrigens kein Ersatz.

Doch was machen Rettungsschwimmer, wenn schlechtes Wetter oder Winter ist? Michael Kriegel betrieb bis vor Kurzem eine eigene Werbetechnikfirma, die mittlerweile von Jens Brückner geführt wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Unternehmen eine mehrmonatige Sommerpause einlegt, wenn der Chef am Greifenbachstauweiher Leben rettet. Per Telefon, vor oder nach Arbeitsantritt, werden dann die wichtigen Dinge erledigt. Kriegel betreibt außerdem noch den E-Bike- und Bootsverleih. Doch "Sonne bedeutet Dienst", sagt Brückner. Und die aktuelle Saison sei die beste, an die sich Michael Kriegel erinnern kann. "So einen schönen Sommer hatten wir noch nie." Und noch ist kein Ende in Sicht.

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