Die Steine-Parade in Neudorf

Ein deutschlandweiter Trend breitet sich auch im Erzgebirge aus. Was bezwecken die Macher?

Neudorf.

Am Fußweg entlang der Crottendorfer Straße in Richtung Kirche und Supermarkt können Fußgänger eine kleine, bunte Sondergalerie bestaunen. Neudorfer bemalen Steine und legen sie gut sichtbar an die Fußwegbegrenzung. Es sind Bilder, kleine Wortgruppen und Symbole zu sehen. Die Steine tragen sichtbar die Handschriften unterschiedlicher Altersgruppen. Filigrane Gestaltungen wechseln mit bunten Gesamtstrukturen. Auch drei große gelbe Stolpersteine finden sich darunter. An "Verfolgte und Vertriebene" will Andreas Roscher erinnern.

Die Anregung zur Steine-Parade gab im Mai eine junge Neudorferin. Christina Meier legte mit ihrer Tochter die ersten Kiesel auf die Betonbegrenzung. Sie motivierte über ein kleines Plakat auch andere, sich zu beteiligen. Gemäß dem Motto "Leben ist das mit der Freude und den Farben" nimmt die Steinekette nun an Fahrt auf und wird stetig länger. Christina Meiers Wunsch ist, dass die bemalten kleinen Kunstwerke irgendwann bis zur Straße Friedhofseinmündung reichen und dann viel Anlass zum Freuen geben.

Nicht alle Passanten sehen das auch so. Einige Leute nehmen die Steine einfach mit. "Das ist auch nicht schlimm", sagt Rahel Kaufmann. "Menschen sollen Freude haben und vielleicht sogar weiter geben." Sie und ihre Kinder sind täglich bei den bemalten Kunstwerken und legen neue hinzu. "Das ist für uns schon ein Ritual geworden. Unsere Louisa kontrolliert ständig, ob ihre Lieblinge noch da liegen", verrät sie. Auch vorbeikommende Schulkinder prüfen oder sorgen für Nachschub. "Ich sehe ständig Leute, die entweder erstaunt stehen bleiben oder und mit einem Lächeln weiter gehen", hat Andreas Roscher beobachtet. Er arbeitet oft in seinem Garten gleich oberhalb des Fußweges und sorgt auch immer mal wieder für Nachschub an malfähigen Rohlingen. Auch Exemplare vom Familienzentrum Cranzahl bereichern das Angebot am Fußweg. Die Einrichtung hatte schon zu Beginn der Corona-Beschränkungen dazu aufgerufen, so Freude zu verbreiten.

Der Trend des Steinebemalens breitet sich seit Sommer 2019 in Deutschland aus. Auf Facebook kursieren Gruppen, wie "Küstensteine", "ElbStones" oder "Allersteine", die mit bis zu 34.000 Mitgliedern ihr neues Hobby miteinander teilen. Das ursprüngliche Ansinnen lautet "Anderen Menschen eine Freude machen. Bemale einen Stein und lasse ihn irgendwo liegen, damit ihn andere finden und sich freuen können." Die jeweilige Facebook-Gruppe wird auf der Rückseite des bemalten Steines markiert.

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