Die Toten Hosen setzen auf Oelsnitzer

Sie zählen zu den erfolgreichsten deutschen Musikern, er ist ein junger Gitarrenbauer. Das passt. Roy Fankhänel hat bereits das zweite Instrument für den Gitarristen der Band gebaut. Ein Totenkopf aber raubte ihm einige Nerven.

Oelsnitz.

Musikalisch steht Roy Fankhänel eher auf Blues und Liedermacher. Im CD-Regal neben seiner Werkbank stehen Gundermann, Reinhard Mey. Doch an den Toten Hosen - neben Rammstein seit Jahrzehnten die erfolgreichste deutsche Band - kommt er nicht mehr vorbei. Nicht nur, weil ihm "das letzte Album richtig gut gefällt" und er mittlerweile einige Konzerte und die Band hautnah erlebt hat. Nein, man kann sogar sagen, dass Roy Fankhänel einen Beitrag zum Hosen-Sound liefert: Er baut für den Gitarristen der Band, Andreas von Holst, besser bekannt als Kuddel, Gitarren. Gerade ist der zweite Auftrag fertig geworden - eine Westerngitarre mit feinem Perlmutt-Einsätzen und einem Emblem im Kopf.

Auf Empfehlung eines Händlers in Karlsruhe klingelte bei Roy Fankhänel eines Tages das Telefon. Kuddel war dran. "Wir haben ein bisschen gequatscht, er konnte mir sehr genau sagen, was er sich vorstellt", erinnert sich Roy Fankhänel. Das ist etwa drei Jahre her. Kuddel ist Linkshänder, die hätten es schwieriger, geeignete Gitarren zu finden. Die erste Gitarre wird eine Klassikgitarre, mit Nylonsaiten. Der Musiker war begeistert. Die zweite nun trägt Stahlsaiten. Auch wenn für Roy Fankhänel die Klassikgitarre die Königsdisziplin ist, hat er in diese Westerngitarre für Kuddel besonders viel Zeit investiert: etwa 250 Stunden. Denn der Teufel steckt im Detail, genauer gesagt im Kopf der Gitarre.

Dort sollte das Symbol der Hosen, der Totenschädel mit den gekreuzten Knochen, stehen. Die Idee kam von Kuddel, er wollte schon in der vorherigen Klassikgitarre an diese Stelle das Adler-Gerippe vom Album "Bis zum bitteren Ende". "Auf einer Klassikgitarre", betont Fankhänel und schüttelt den Kopf. "Ich hab' zu ihm gesagt: Kuddel, das sieht scheiße aus. Bitte zwing' mich nicht dazu, das so zu bauen."

Sein Flehen wurde erhört. Zur Westerngitarre indes passt das besser. Roy Fankhänel sagt zu. "Doch dann hab' ich mir das genauer angeschaut und dachte nur: Auf was hast du dich eingelassen?"

Denn das Emblem ist aus Perlmutt und wird in eine gerade einmal anderthalb Millimeter dicke Platte aus Ebenholz eingelassen. Den Totenkopf mit Laser ausschneiden, das ging nicht, er verbrannte. Über drei Ecken stieß Roy Fankhänel schließlich auf jemanden, der das Perlmutt mit Folie überziehen und mittels Sandstrahlen das Relief herstellen konnte. Ausgesägt hat der Gitarrenbaumeister den Totenkopf schließlich mit Diamantfeilen und einer Laubsäge, wie sie Goldschmiede verwenden. "Eine übelste Arbeit." Allein 30 Arbeitsstunden, schätzt er, stecken in dem Emblem - von der Planung bis zur Fertigstellung. Doch nun ist er zufrieden, auch mit der restlichen Verzierung, die durch Perlmutt und grünem Holzfurnier die Gitarre regelrecht funkeln lässt. Gemessen daran, war die restliche Gitarre ein Kinderspiel, wenngleich für Linkshänder andere Regeln gelten. Unter anderem müssen die Saiten seitenverkehrt aufgezogen werden, der Stegschub, der die freischwingende Saitenlänge nach hinten korrigiert, muss andersherum positioniert werden.

Die jüngste Gitarre für Kuddel ist die 80., die Fankhänel gebaut hat. Dabei ist er gerade einmal 30 Jahre alt. Und längst Zupfinstrumentenmachermeister. Weil er sich vorher viele Fähigkeiten des Handwerks angeeignet hatte, riet ihm die Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau in Klingenthal damals nach dem Fachabi gleich zum Studium. Parallel machte er seinen Meister. Seit Sommer 2012 führt Roy Fankhänel seine Werkstatt in Oelsnitz. Von den ersten Platten aus tropischem Hartholz für den Boden der Gitarren bis zum Aufziehen der Saiten ist alles Handarbeit. Bis auf die groben Zuschnitte erledigen die meiste Arbeit Werkzeuge, die er sich zum großen Teil selbst gebaut hat. Für Roy Fankhänel ist das die absolute Erfüllung: "Das will ich mein Leben lang machen."

Ob Kuddel die Gitarre gefällt, wird sich Ende Januar zeigen. "Er macht gerade Urlaub im Ausland, ich schicke ihm die Gitarre später zu", so Fankhänel. Es ist nicht der letzte Auftrag für Kuddel: An einem Mandocello baut der Meister bereits.

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