Die Wiesn-Macher aus Königswalde

Es begann klein und wurde immer größer. Mittlerweile kommen Anfang Oktober Tausende in das kleine Dorf, um wie in Bayern zu feiern. Bevor die 10. Auflage ansteht, hat "Freie Presse" die Organisatoren getroffen. Ein Gespräch über die Anfänge, Dirndl und Bier.

Königswalde.

Jugendclubs tragen dazu bei, dass im Ort ein bisschen mehr los ist. In Königswalde ist das anders. Hier stellt der Jugendclub Wolfsheim das Event des Jahres auf die Beine - die Königswalder Wiesn.

Ab dem 3. Oktober geht es in dem kleinen Ort wieder rund. Über das lange Wochenende werden bis zu 3500 Besucher erwartet. Bereits zum 10. Mal findet das Fest statt. Dabei fing alles klein an. Es war 2009, als für das übliche Sommerfest kein guter Termin gefunden werden konnte. Warum also nicht einfach ein Herbstfest dachten sich die Mitglieder. Während der Planungen wurde daraus ein Oktoberfest, erzählt Heiko Szeski. Die Königswalder Wiesn waren geboren. Damals war das Festzelt gerade einmal 50 Quadratmeter groß - diese Fläche nimmt heute allein der Schankbereich ein. Dirndl und Lederhose waren auch noch nicht Mode in dem erzgebirgischen Dorf. Nur zwei Frauen trugen ein Dirndl, erinnert sich Kristin Richter-Hilbert. "Wir wurden für die Bedienung gehalten." Das hat sich grundlegend geändert. Die Gäste kommen fast ausschließlich in bayrischer Tracht. "In Königswalde besitzt fast jede Frau ein Dirndl - oder auch zwei oder drei ...", sagt Vereinsvorsitzende Kristin Richter-Hilbert.

Zur ersten Wiesn 2009 kamen 150 Gäste. Ein Jahr darauf waren es mehr als 600. "Wir wurden fast überrannt", erzählt Michael Köhler. Und schon ab der dritten schafften es die Jugendclub-Mitglieder nicht mehr ohne Hilfe der anderen Vereine im Ort. Die Königswalder Wiesn sind seitdem eine Art Dorfprojekt. Die Organisation liegt in den Händen der Wolfsheimer. Bei der Umsetzung packt aber halb Königswalde mit an. Und der andere Teil ist auch mit dabei. Beweis: Bevor das Fest offiziell startet, laden die Wiesn-Macher Sponsoren und Unterstützer zu einer Festveranstaltung ein. Auch die Kindergartenkinder, Vorschüler und Hortkinder sind mit dabei. Mehr als 70 kleine Königswalder werden es in diesem Jahr sein, die für die Gäste ein Programm zeigen. Und: Es gibt sogar ein extra Königswalder-Wiesn-Lied, das die Kinder singen. Ein Dorf im Wiesn-Fieber. Und auch wenn es mittlerweile in vielen Orten Oktoberfeste gibt, die Königswalder Wiesn sind so etwas wie ein Original in der Region. Sie gehörten mit zu den ersten, die die bayrische Tradition ins Erzgebirge verpflanzten. Potenzial, das Ganze noch zu steigern, gebe es sicherlich. Doch die Erzgebirger wollen nicht weiter wachsen. Ein noch größeres Festzelt hätte auf dem Areal am Sportplatz keinen Platz. Ein neuer Standort kommt für die Organisatoren aber nicht infrage. Das Fest soll im Dorf bleiben, dort, wo es entstanden ist, wo es gelebt wird.

Weil der 3. Oktober in diesem Jahr auf einen Donnerstag fällt, stehen vier Tage Wiesngaudi ins Haus. Zum Auftakt am Donnerstagabend wird das Image-Video, das 2018 gedreht wurde, gezeigt. Zu sehen ist es unter anderem auf der Facebookseite des Vereins. Es spiegelt genau das wider, was diese Wiesn ausmachen - Stimmung pur. Einzug der Wirte, Fassbieranstich - traditionell gibt es am Samstag zum Haupttag Paulaner Festbier -, Blasmusik, Liveband, die Wahl zu "Miss Dirndl" und "Mister Lederhose", Maßkrugstemmen ... Von Anfang an dabei ist die Schalmeienkapelle Steinbach - ein wahrer Stimmungsgarant.

Ist in all den Jahren schon mal was schiefgegangen? Das bleibt nicht aus. Die Wolfsheimer erinnern sich an eine fehlende Dichtung zum Fassbieranstich, die dann ganz unkompliziert auf schnellstem Wege noch herangeschafft wurde. Auch Bier musste kurzerhand schon nachgekauft werden, weil die Gäste zahlreicher kamen als erwartet. Doch die Veranstalter sind mit ihrer Veranstaltung gewachsen.

Und die 10. Wiesn sollen etwas Besonderes werden. So sind zur Eröffnung am 3. Oktober das DJ-Duo No Twins und MartinBepunkt da. Letzterer hat mit Leon K. den Song "One Night" gemacht - der Soundtrack des Wiesn-Videos. Los geht es 21 Uhr. Am Freitag steht ab 21 Uhr die Partyband OBlive auf der Bühne. Die eigentlichen Wiesn starten am Samstag ab 10.30 Uhr mit dem Einmarsch der Wiesnwirte. Ein Höhepunkt ist der Auftritt der Partyband Rotzlöffl. Die Bayern sind echte Oktoberfest-Profis. 22 Uhr wird es ein Höhenfeuer geben. Der Sonntag gehört am Nachmittag den Familien, ab 18 Uhr ist Livemusik mit Kristall 77 geplant.

Und danach heißt es für die Wiesn-Macher abbauen, Schlaf nachholen und die nächsten Wiesn planen. Denn mit der 10. Auflage soll natürlich noch lange nicht Schluss sein.

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