"Dor klaane Prinz": Klassiker gibt es nun auf Erzgebirgisch

Der Schlettauer Andreas Göbel hat Weltliteratur in den hiesigen Zungenschlag übertragen. Dabei nutzte der selbstständige Softwareentwickler auch moderne Computertechnik. Aber eines bereitete ihm schlaflose Nächte.

Schlettau.

Nach Alemannisch, Flämisch und selbst Sorbisch könnte ein zeitloser Klassiker der Weltliteratur in diesem Jahr als reizvoller Lesestoff auch in erzgebirgischem Zungenschlag unter dem Tannenbaum liegen: "Der kleine Prinz", das bekannteste Werk des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry, wurde vom Schlettauer Andreas Göbel ins Erzgebirgische übersetzt. Für dieses Vorhaben sei Walter Sauer, Inhaber des Verlags Edition Tintenfass im schwäbischen Neckarsteinbach, auf ihn zugekommen. "Er hatte die von mir entwickelte Webplattform erzgebirgisch.de kennengelernt, die als interaktives Wörterbuch den begrifflichen Brückenschlag zwischen Erzgebirgisch und Deutsch vollzieht", so der sprachinteressierte selbstständige Softwareentwickler.

Reichlich ein Jahr hat der 48-Jährige dann an dem Projekt "Dor klaane Prinz" getüftelt. Nachdem über den Verlag beispielsweise Rechtsfragen geklärt worden seien, habe er sich 2018 ans Übertragen der literarischen Vorlage gemacht. Vorerst habe er zwei Kapitel verarbeitet, die als Basis für die weitere Konzeptentwicklung mit der Verlagsleitung dienten. So reizvoll die Aufgabe zunächst aussah, Andreas Göbel wurde schnell klar, dass es um mehr als das Übersetzen von Begriffen geht. "Ein Kunstwerk ist nicht allein die Summe der Buchstaben und Satzzeichen. Vielmehr musste ich versuchen, die Intensionen des Autors und seine Befindlichkeiten aufzuspüren. Es galt, dem nun im hiesigen Zungenschlag vorliegenden Werk genauso den literarischen Atem des Autors einzuhauchen."

Via Computertechnik und Übersetzungssoftware sowie einem selbst erarbeiteten Programm zerlegte der Schlettauer das Originalwerk des Verfassers in seine Einzelwörter. "Neben der französischen Version zog ich eine vorliegende deutsche und eine von Google übersetzte Fassung für meine erzgebirgische Variante heran. Ich stand vor der Frage, wie ich den liebenswerten Haupthelden adäquat in Erzgebirgisch zu Wort kommen lasse. Seine gewisse Leichtigkeit und Vornehmheit galt es in unsere Redensweise zu übertragen." Andreas Göbel setzte eine riesige Exceltabelle auf, in die alle 16.000 Wörter der Originalausgabe einflossen, und fügte denen die aus seiner Sicht passendste Übertragung oder Lautkombination hinzu. "Die Linguistik hat mir manchmal schlaflose Nächte bereitet." Neben dem Sinnzusammenhang galt es genauso, die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik anzuwenden.

Im jetzt vorliegenden Probedruck sieht der Übersetzer seine Mühen belohnt. "Ich denke, im Austausch mit Verlagsexperten und Lektor ordentliche Arbeit abgeliefert zu haben. Mein Antrieb ist belohnt, etwas Nachhaltiges zu schaffen. Der Zeitgeist ist spürbar, das moralische Denken des Autors wird deutlich, ein Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit zu halten." Als Leitsatz der Erzählung stellt Andreas Göbel heraus: "Mer ka ner miet'n Herz gut sah. Of wos es wirklich akimmt, dos sanne de Aang net."

Mit der ins Erzgebirgische übertragenen liegt die nunmehr 116. im Verlag Edition Tintenfass in einer Mundart herausgegebene Fassung vor. "Wir sind als kleiner Verlag auf bestimmte Themen spezialisiert, vor allem bilden klassische Kinderbücher und deren Übertragung in bestimmte Dialekte ein Hauptstandbein", erklärt Verlagschef Walter Sauer. So wurde jüngst mit "De Klein Prinz bzw. D'r kläin Prìnz" etwa eine zweisprachige Ausgabe in den Dialekten Unterelsässisch und Niederalemannisch herausgebracht. "Für die erzgebirgische Mundart begeistere ich mich schon seit Jahrzehnten, bereits vor langer Zeit war ich in Neudorf und habe die Einheimischen samt der Sprache als aufgeschlossen und sympathisch kennen gelernt", so Sauer. Insofern habe sich die Idee begründet, das Büchlein ,Dor klaane Prinz' herauszugeben. Zu Spitzenreitern in den Verlagsbeiträgen zählen beispielsweise auch "Der Struwelpeter", der in bisher 40 Mundarten vorliegt. Ebenso oft übertragen wurden die Streiche von Max und Moritz.

Ein Auszug aus "Dor klaane Prinz", gesprochen von Carmen Krüger (Erzgebirgsverein)

"Dor klaane Prinz" ist voraussichtlich ab Ende November erhältlich und kann über die "Freie Presse"-Shops bestellt werden.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...