Drechslerei gewährt Einblicke

Bodenständige Arbeit erleben: Das bietet der Tag des traditionellen Handwerks. In der Werkstatt von Jens Breitfeld tauchte zu dieser Gelegenheit auch eine Altbekannte auf.

Annaberg-Buchholz.

Quirliges Treiben herrschte am gestrigen Sonntag in der Werkstatt von Jens Breitfeld. Den Tag des traditionellen Handwerks nutzten viele, auch der Annaberger Drechslerei - einer von mehr 120 Werkstätten und Manufakturen im Erzgebirge, die ihre Türen für Publikum öffneten - einen Besuch abzustatten. Junge mit Schnitzmesser, Schleifpapier und Farbstiften ausgerüstete Leute begeisterten sich im schöpferischen Tun in den Arbeitsräumen und an Werkbänken. Neugierig nutzten sie die Gelegenheit, Holz als Werkstoff kennenzulernen und in die Produktionsatmosphäre eines Familienbetriebes zu schnuppern. Nicht nur die jungen Sonntagsausflügler verfolgten staunend das geschickte Agieren des Gastgeberteams. Auch Eltern und Großeltern wussten das vielgestaltige Angebot der Holzexperten zu schätzen. Die luden die Generation der Kita-Kinder und Schüler ein, an verschiedenen Stationen einen Kindergesellenbrief zu erlangen. Dafür wurde altersgerecht gedrechselt und geschnitzt, aber auch getöpfert, genagelt und Geschicklichkeitsspiele abverlangt.

"Der Tag der offenen Tür ist eine gute Gelegenheit, unsere Branche ins Blickfeld zu rücken", sagt Jens Breitfeld. "Wir zeigen, was in unserer Werkstatt geschieht, stellen Arbeitsaufgaben und Anforderungen vor. Im öffentlichen Bewusstsein wird bodenständiges Handwerk zu wenig wahrgenommen. Bei uns ist Anfassen und Ausprobieren erwünscht, gerade junge Leute sollen einen Eindruck von Berufsleben vermittelt bekommen." Breitfeld konstatiert ein gestiegenes Interesse an der Branche und deren Erzeugnisse. "Doch den Job wollen nur wenige erlernen."

Vor 35 Jahren, 1984, erfüllte sich Jens Breitfeld als junger Drechsler einen Traum: Nach erfolgreicher Meisterprüfung machte er sich selbstständig. "Mit ein bisschen Geld vom Vater und einem Kredit von der Bank richtete ich meine erste kleine Werkstatt ein." Jens Breitfeld berichtete auch vom Erzeugnissortiment. "Anfangs lieferten wir der Lampenherstellung sowie dem Treppen- und Geländerbau zu. Jetzt produzieren wir vor allem Kunstgewerbliches für den Fachhandel und private Sammler."

Simon Graupner war einer der Besucher. "Ich habe mich zum ersten Mal im Drechseln versucht, eine interessante Erfahrung, Holz selbst zu bearbeiten, auch der Blick in die Werkstatt war prima", so der 13-jährige Annaberger. Mit Grit und Frank Martin standen zur Eröffnungsstunde auch zwei Leipziger in der Werkstatt. "Uns verbindet das Hobby des Drechselns." Sie verbringen gerade einige Tage Urlaub im Erzgebirge. "In unserer Garage haben wir eine Werkbank. Vor zwei Jahren waren wir schon einmal hier", so Grit Martin. Sie verfolgte dabei mit anderen Gästen aufmerksam das fachmännische Tun einer weit gereisten Akteurin. Mit Sandra Prochnow Greuel war eine aus Brasilien stammende Meisterin zum Aktionstag mit dabei. "Ich habe soeben mit 14 Landsleuten das internationale Drechslertreffen im österreichischen Kufstein besucht und schließe einen Besuch in meiner zweiten Heimat Annaberg an. Noch bis Dienstag weile ich in Deutschland, frische den Kontakt auf", so die aus Pomerode stammende Südamerikanerin. Seit ihrer 2009 im Erzgebirge absolvierten Lehre hält die Endvierzigerin Kontakt zur Region und zu Jens Breitfeld. Der bestätigt schmunzelnd, eigentlich täglich via Whatsapp und Facebook über das Geschehen im 10.000 Kilometer entfernten Arbeitsort seines früheren Lehrmädels informiert zu sein. Sandra Prochnow Greuel wiederum hegt einen Wunsch. "Seit einem Jahrzehnt bin ich mit der Region verbunden. Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, dass mich Erzgebirger zu meinem regelmäßig im August veranstalteten Drechseltreffen besuchen."

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