Dreiste Abzocker kommen zum Hausbesuch vorbei

Die Anzahl der Betrügereien über das Internet wächst. Im Erzgebirge treten Gauner aber auch persönlich in Erscheinung oder schreiben einen Brief, wie diese Fälle zeigen.

Annaberg-Buchholz/Aue.

Aue, Bockauer Talstraße 4, erster Stock. Hier hat eine Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen ihren Sitz, die einzige im Erzgebirge. Simone Woldt und Arleen Becker haben im Vorjahr 4075 Bürger bei Problemen beraten. Von zweifelhaften Heizkostenabrechnungen bis zu unbestellten Warenlieferungen reichten die Themen. Woldt arbeitet seit 21 Jahren in der Beratungsstelle. Sie sagt: "Nach so langer Zeit bringt mich fast nichts mehr aus der Fassung. Trotzdem gibt es noch Sachen, bei denen kriege ich einen Hals."

Traumpartner? Fehlanzeige ! Ein Single- und Freizeitklub aus der Region lockt seit Jahren mit Inseraten, die nach Erkenntnis der Verbraucherzentrale nur leere Versprechungen sind. Die Männer und Frauen, die angeblich einen Partner suchen, gibt es meist gar nicht. "Es sind Lockvögel, mit denen einsame Menschen zum Abschluss eines teuren Vertrages bewogen werden", sagt Simone Woldt. Die Erfolgsaussichten seien zweifelhaft. 2300 Euro kostet die Mitgliedschaft im Klub. "Die Leute unterschreiben, weil ihre Hoffnung groß ist", so Woldt.

Eine Vertreterin beschwatze die Interessenten zuhause, lasse sie oft sogar einen Schuldschein unterzeichnen. Auch eine Bestätigung, dass sie eine Widerrufsbelehrung erhalten haben. Doch genau die fehle in der Regel. Dort setzen die Verbrauherschützer an. Nicht immer mit Erfolg. Arleen Becker: "In manchen Fällen haben Verbraucher, die aus dem Vertrag herauswollten, nichts gezahlt, in anderen nur einen Teil der Summe. Fälle, die vor Gericht gehen, enden oft mit einem Vergleich."

Tür zu, Schlüssel weg. Das kostet . Der Trick unseriöser Schlüsseldienste ist alt. Vor den Firmennamen werden drei "A" geschrieben. So erscheint ihr Eintrag im Telefonbuch ganz oben. Dieser Trick funktioniert noch immer, sagt Simone Woldt: "Ist die Haustür erst einmal ins Schloss gefallen, bittet der Betroffene einen Nachbarn, ihm die Nummer eines Schlüsseldienstes herauszusuchen. Oft ist es einer, der überzogene Preise verlangt. Das Gerät für die EC-Kartenzahlung bringen sie neuerdings gleich mit. Die Verbraucher haben so keine Chance, ihr Geld später zurückzubuchen."

Eigentlich müsste nur der ortsübliche Tarif bezahlt werden. Den Klageweg aber scheuen die meisten Betroffenen. "Helfen konnten wir nur denen, die anstatt gleich zu zahlen auf eine Rechnung bestanden haben", sagt Arleen Becker. Die Schlüsseldienst-Abzocke ist noch so verbreitet, dass die Verbraucherzentrale ein Faltblatt mit Tipps erstellt hat.

Post vom Geldeintreiber . Oft alles gelogen . Immer flatterten auch den Erzgebirgern Inkassoforderungen ins Haus, die sich die Betroffenen nicht erklären konnten. Die Verbraucherzentrale hat im Vorjahr mehrere Monate lang alle Fälle, die ihr auf den Tisch kamen, gesammelt und ausgewertet. "Die Hälfte der Forderungen war schlicht erfunden", sagt Simone Woldt. Faustregel: Gewichtige Logos im Briefkopf zeugen meist nur von Unseriösität.

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