Droht im Erzgebirge Atommüllendlager?

Die Suche nach einer Untertage-Deponie für hoch radioaktive Abfälle dauert noch Jahre. Aktuell aber gelten Teile der Region als geeignet. Das lässt unter anderem die Alarmglocken in Jöhstadt, Thermalbad Wiesenbad und Sehmatal schrillen.

Fässer mit radioaktivem Abfall.
Droht im Erzgebirge Atommüllendlager?

Für Sie berichtet: Antje Flath

Für die touristischen Bemühungen wäre ein Atommüllendlager im Erzgebirge eine Katastrophe, sagt André Zinn, Bürgermeister in Jöhstadt. Die Gemeinde gilt nahezu vollständig als "plausibles Teilgebiet". Denn die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hält ein solches Endlager im Erzgebirge durchaus für möglich. Das geht aus dem ersten Zwischenbericht der Gesellschaft hervor. Und auch das Sächsische Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bestätigt nach seiner Prüfung: Teilgebiete im Erzgebirge werden weiterhin als potenzielle Untertage-Deponie für hoch radioaktive Abfälle untersucht. Zwar dauert es noch bis 2031, ehe eine Entscheidung in Bundestag und Bundesrat fällt. Doch die Region ist alarmiert.

So auch Bürgermeister Thomas Mey aus Thermalbad Wiesenbad, dessen Gemeinde zu großen Teilen als "plausibles Teilgebiet" gilt. "Speziell wir als Thermenregion Erzgebirge und als Kurort leben von unserem Heilwasser. Dessen hohe Qualität würde ich mehr als gefährdet sehen bei einem Endlagerstandort auf Gemeindegebiet und in der Region. Kristallines Wirtsgestein besitzt auch wasserführende Schichten. Eine Eigenschaft, die es für mich nur bedingt geeignet macht für eine Endlagerdeponie", erklärt er dazu.

Amtskollege André Zinn setzt unterdessen auf das Prinzip Hoffnung, dass Jöhstadt "schon aus wissenschaftlicher Sicht herausfällt". So gebe aus bergbaulicher Sicht beispielsweise keine vorhandenen Stollen, die für eine Lagerung geeignet sind. "Die müssten erst aufwendig aufgefahren werden." Zudem sei die Infrastruktur für derartige Transporte überhaupt nicht vorhanden.

Ähnliche argumentiert Sehmatals Bürgermeister Sebastian Nestler. Er verfolgt das Thema interessiert, da es seine Gemeinde im nördlichen Teil tangiert. Im Moment habe die Sache aber "recht wenig Substanz". Insgesamt sieht er das Erzgebirge als "relativ dichte Altbergbauregion und dazukommend mit eher schlechten Anbindung an Autobahnen" im Ranking eher unten.

Die BGE ist beauftragt, bundesweit ein Endlager zu finden, das bestmögliche Sicherheit für den Einschluss von Atommüll für eine Million Jahre bietet. "In einem ersten Schritt steht dabei die grundsätzliche geologische Eignung der Gebiete im Vordergrund", erläutert Pressesprecherin Monika Hotopp. Bevor tatsächlich Erkundungen erfolgten, würden noch Bürger beteiligt und die Standorte nach weiteren Aspekten wie Naturschutz und bedeutenden Kulturgütern zum Beispiel abgewogen. Der Welterbe-Titel stelle dabei kein Ausschlusskriterium dar. Deshalb würden auch die plausiblen Teilflächen in der Montanregion weiter untersucht.

"Systematisch beobachtet und analysiert" wird der Prozess auch im Landratsamt des Erzgebirgskreises. Mit den Vertretern der Kommunen werde darauf geachtet, "dass kein Argument vergessen wird". Auch wenn noch viel Geduld nötig sei. Zunächst erstelle in einer zweiten Phase das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung Vorschläge, welche Standorte tatsächlich übertägig erkundet werden. Diese würden erneut in Regionalkonferenzen erörtert. "Erst dabei werden die sozioökonomischen Potenzialanalysen erfolgen und damit Auswirkungen auf die betroffene Region untersucht", erläutert Pressesprecherin Katja Peter vom Landratsamt. So könne auch erst in dieser Phase überprüft werden, ob alle Belange der betroffenen Region tatsächlich berücksichtigt wurden. In Phase 3 schließlich würden Erkundungsbergwerke in den verbliebenen Regionen errichtet, um Vergleichsdaten zu bekommen.(mit rickh/geom)

Mehr zum Thema und zu den Reaktionen aus der Region unter www.freiepresse.de/endlagersuche

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11Kommentare
👍1👎3 Maresch 07.03.2021 @Malleo. Wie kommen Sie auf Parteimitgliedschaft? Davon war nie die Rede.
👍9👎4 Malleo 28.02.2021 Maresch
Was haben Befürworter für Atomkraft mit einer Parteimitgliedschaft zu tun?
Priorität haben sicher die geologischen Voraussetzungen und da gibt es im Land mehr oder weniger geeignete Regionen.
Die Akzeptanz der Bevölkerung ist zweifellos ein wichtiger Aspekt.
Weil es in diesem Land schon Probleme geben kann, wenn wegen einer neuen Straße erst die Ameisen und Lurche befragt werden müssen oder auf dem Transportweg eines großen Brückenteiles das Absägen eines in den Lichtraum hineinragenden, verdorrten(!) Astes ein Gutachten erstellt werden muss, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass sich dieses Land nach Erlösung sehnt!
Es sind erlebte Beispiele aus meiner beruflichen Praxis.
"Sie entlarven diese Gesellschaft als das, was sie ist: abergläubig, dekadent hysterisch und infantil." (H. Broder)
Es ist aber davon auszugehen, dass die ehemaligen Wismut-Schächte sicher nicht in Frage kommen.
Die Gründe spare ich mir hier.
👍5👎6 Einspruch 28.02.2021 Klar, das ist der Osten. Da kommt es auf Atommüll nicht an. Dafür sind wir gut genug.
👍5👎1 Tauchsieder 28.02.2021 Es wird noch viel länger Atommüll produziert werden wie in D!
Mittlerweile werden Endlager errichtet und D kommt nicht drum herum auch welche zu bauen, da uns niemand den Müll abnimmt. Wie lange soll denn noch diskutiert werden bis endlich gebaut wird. Wir haben noch keins, da es eine endlose Diskussion seit Jahrzehnten darüber gibt, was aber nicht den Bau einer solchen Anlage verhindern wird.
Endlager aber bedeutet nicht das der Müll in den alten Löchern wieder versteckt wird. Gibt es einen geeigneten Standort, wird dies dort gebaut werden, egal wo auch immer. Selbst die Grünen kommen nicht um diesen Fakt drum rum.
👍3👎3 Auriga 28.02.2021 Egal wohin in Deutschland von irgendeiner Entscheidungskommission mit dem Finger auf die Landkarte getippt wird, da beginnt massivster Wiederstand der Bevölkerung und Lokalpolitiker.
"sozioökonomischen Potenzialanalyse" nur ist eine schöne Umschreibung für: wir drücken das Problem dünn besiedelten Gebieten auf.
👍2👎3 Nixnuzz 28.02.2021 Vorschlag: Alle Atomengagierten charten sich einen Reisebus, fahren nach Gorleben und sprechen mit den noch lebenden A-Protestlern. Schätze andererseits dürften die bisher bekannten geosphärischen Standort-Überlegungen und deren verkehrstechnische Anbindung nur eine Frage des Opportunismus' vor Ort sein. Wenn Geld dann als eines unter vielen Argumenten keine Rolle mehr spielt, wird diese Lagerstätte gebaut und angeschlossen werden. Ansonsten wären auch Gespräche mit Hrn. Altmaier sinnvoll..als ehemaliger Umweltminister von Niedersachsen..Und ob die jetzigen Standortermittler bei diesen Zeitplänen dann den ersten Spatenstich mangels biologischer Verfügbarkeit zeitlich gesehen noch erleben dürfen?? Zumindest hat man den "politischen Stein" erstmal ins Wasser der Emotionen geworfen...
👍8👎9 Maresch 27.02.2021 @Malleo.
Welche dreisten Verdächtigungen meinen Sie eigentlich?

Ich weiß nicht, in welcher Realität Sie leben, aber nachweislich hatte die AfD bei der Bundestagswahl im Jahre 2017 30 % Stimmenanteil im Erzgebirgskreis (1. Fakt) und nachweislich steht seit 2016 im Grundsatzprogramm der AfD eine "Laufzeitverlängerung der noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke" (2. Fakt), was nichts anderes heißt, als noch länger noch mehr Atommüll zu produzieren, der dann irgendwann irgendwo sicher gelagert werden muss.
👍14👎9 Malleo 27.02.2021 Maresch
Mit dreisten Verdächtigungen disqualifizieren Sie sich nicht zum ersten Mal.
Fakten?
Keine!
Was geht in Skandinavien, was in diesem Land nicht geht?
Es beginnt mit Vertrauen der Bürger in Staat und Behörden und endet mit sehr frühzeitiger Suche zur Lösung des Problems!
Bereits Ende der 80 er wurde ein Standort in Finnland gefunden( Onkulo), wenig Wasserzufluss, erdbebensicher und auch eine neue Eiszeit könnte dem Lager im Granit nichts anhaben.
Für 3,5 Mrd. baut man das Lager und 2023 gehen die ersten Kupferbehälter unter Tage.
Nun, und Schweden wird voraussichtlich eine Autostunde nördlich von Stockholm bei Forsmark das erste Endlager bauen.
Warum?
Schweden und auch die Finnen planen weiter mit Atomstrom, bei einen Anteil von 40 %(S) bzw. 30 %(FIN) am Gesamtumfang.
All das setzt rationales Denken voraus, eine Eigenschaft, die in diesem Land unter die Räder gekommen ist.
Wer unfähig ist Impfstoffe zu bestellen, kann auch kein Endlager planen!
👍19👎22 Maresch 27.02.2021 Die AfD befürwortet doch immer wieder Atomenergie und da die Wählerschaft im Erzgebirge sehr gerne die AfD wählt, ist es doch eigentlich nur folgerichtig, dass gerade das Erzgebirge als ein möglicher Standort für ein Endlager in den Fokus rückt.
👍15👎3 NeuErzgebirger 27.02.2021 Ich glaube nicht, dass es im Erzgebirge den geringsten Widerstand geben wird. Ich denke, das Gegenteil wird der Fall sein. Gestern kam im SWR eine interessante Sendung zu diesem Thema. Da hieß es zum Beispiel, dass Gegenden mit früherem Bergbau weniger geeignet seien. Auch die Granitformationen sind nur dritte Wahl. Also erst mal abwarten. Und so, wie ich die Erzgebirger kennengelernt habe, lässt man sich hier nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen.
👍23👎8 Hansi37 27.02.2021 Es wird eine politische Entscheidung werden, da man im Erzgebirge den geringsten Widerstand von der Bevölkerung erwartet. Außerdem sind die Löcher noch da, wo das Uran drin war. Warten wir mal ab, was die Schwarmbeben und der schlafende Vulkan Kammerbühl bei Novy Kostel dazu sagen. Aber - warum sollen wir jetzt das Zeug aus BaWü und Bayern nehmen was dort keiner haben will, wo aber dort Millionen damit verdient wurden ? Die Löcher müssen hier wieder ausgepumpt werden. Was wird dann mit unserem Trinkwasser ? Laufen in Niederschlag bereits die Vorarbeiten ?
KEIN ATOMENDLAGER IM ERZGEBIRGE !
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