Dürre lässt Quellen versiegen - Versorger hoffen auf Regen

Wasserzweckverbände können die Trockenheit bislang gut kompensieren - teils mit Tankwagen. Probleme haben vor allem Eigenversorger und Bewohner der Kammlagen.

Annaberg-Buchholz.

Die Anwohner merken kaum etwas. Aus ihren Leitungen in Elterlein und den Ortsteilen kommt das Trinkwasser wie gewohnt in ausreichender Menge mit üblichem Druck - trotz Trockenheit. Die Mitarbeiter des Zweckverbandes Wasserwerke Westerzgebirge (ZWA) kommen allerdings ins Schwitzen, um den Elterleinern ihr Wasser in die Leitung zu bringen. Mit Tanklastern rücken sie mehrmals pro Woche an, um den örtlichen Hochdruckbehälter zu befüllen, der immerhin 300 Kubikmeter Wasser fasst. Und warum? Wie ZWA-Geschäftsführer Frank Kippig erklärt, wird die Wasserleitung zwischen Schwarzbach und Langenberg noch gebaut - in Betrieb genommen wird sie erst 2019. Vorerst müssen die Elterleiner noch aus ihren eigenen Wasservorräten schöpfen. Bislang gelang das gut, die aktuelle Dürre lässt jedoch die oberflächennahen Reservoire schrumpfen.

In den Bereichen Aue und Schwarzenberg sieht Frank Kippig keine Probleme. Zu 98,3 Prozent seien die Bürger in seinem Gebiet ans Trinkwassernetz angeschlossen, beim Rest handelt es sich mehrheitlich um Brunnengemeinschaften mit ausreichend Reserven.

Anders in den Regionen Annaberg und Marienberg, für die die Erzgebirge Trinkwasser GmbH, kurz ETW, zuständig ist. Dort liegt der Anschlussgrad ans Trinkwassernetz aktuell bei 97,69 Prozent - nicht wenige Haushalte versorgen sich noch selbst. Laut ETW-Produktionsleiter Jörg Roscher bekommt der Wasserversorger aktuell zwei bis drei Anrufe pro Tag von Menschen, deren eigenes Brunnenwasser zur Neige geht und die nun Hilfe benötigen.

"Wenn Tanker frei sind, dann versuchen wir, das möglich zu machen", so Roscher. Sein Unternehmen unterhält fünf kleinere Fahrzeuge, die über einen Tank mit einem Fassungsvermögen von einem Kubikmeter verfügen. Außerdem ist noch ein größeres Fahrzeug mit einem Tank über 7000 Liter, also sieben Kubikmetern, unterwegs. Eigentlich werden die Fahrzeuge auf Baustellen und bei Havarien eingesetzt, um die Wasserversorgung sicherzustellen.

"Wenn es bis September nicht regnet, kann man ab Oktober mit Defiziten rechnen", schätzt Jörg Roscher. Die Wagen müssten dann also ausrücken, um leere Hochdruckbehälter in einzelnen Orten zu befüllen - so wie es seine Kollegen aus Westsachsen aktuell bereits in Elterlein praktizieren. Doch wie kann das sein, wenn beispielsweise die Talsperre in Cranzahl derzeit noch gut befüllt ist? Wie Jörg Roscher erklärt, würden etwa 35 Prozent aller Orte in seinem Gebiet nicht nur mit Fernwasser aus größeren Talsperren der Region gespeist, sondern auch aus kleineren Quellen im jeweiligen Gebiet versorgt. 13 Prozent davon sind reine Inselversorger und dort könnte es problematisch werden. Denn dass es sich bei der diesjährigen Wassernot um ein Superlativ handelt, schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Wie Jörg Roscher erklärt, wertet die ETW seit mittlerweile 30 Jahren die hiesigen Niederschlagswerte aus. In den vergangenen Jahren sei im Durchschnitt von Januar bis Juli etwa 500 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Im Jahr 2003, dem trockensten Sommer in der bisherigen Zeitrechnung, seien es über 400 Millimeter gewesen. Dieses Jahr übertrumpft die Trockenheit jenes Ergebnis noch: Bislang fielen nur etwa 300 Millimeter Regen in den Bereichen Annaberg und Marienberg. Für Roscher ist dies ein Alarmsignal, man habe den Wassermangel auch schon an die Untere Wasserbehörde weitergegeben. Vom Wassermangel sind vor allem Kammregionen betroffen. Im Bereich Annaberg sind das Arnsfeld und Steinbach, im Bereich Marienberg Satzung, Reitzenhain, Kühnhaide, Rübenau und Ansprung. Noch reicht dort das Wasser aus, doch wenn es auch weiterhin nicht regnet, könnte die ETW ihren Nutzern vor Ort eine Wasserbeschränkung aussprechen. Dazu würde gehören, dass sie das Trinkwasser nicht mehr für ihre Gärten, Schwimmbecken und Autos verwenden dürfen.

Angst schüren will Jörg Roscher noch nicht. Denn auch wenn es dort knapp würde, Orte wie Rübenau ließen sich für eine Weile durchaus mit Tankwagen versorgen. Bevor es so weit kommt, würden auch andere Wasserversorger helfen. "Sie können uns beispielsweise mit Tankwagen aushelfen", so Roscher. Auf die Frage, warum man nach der Trockenheit 2003 nicht präventiv den Fuhrpark aufstocken konnte, hat er eine klare Antwort. "Wir als Wasserversorger können uns keine Tanker hinstellen für Ereignisse, die nur alle 15 Jahre eintreten", sagt Roscher. Sollten sich die Trockenphasen allerdings häufen, würde sein Unternehmen Konsequenzen ziehen.

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