Ehrenamt hält Hospizdienst am Leben

Die Malteser engagieren sich im Altkreis Annaberg auf vielen Gebieten - auch in der ambulanten Sterbebegleitung. Kein leichter Dienst, der seit nunmehr 20 Jahren angeboten wird. Und an dem eine "fliegende Nonne" großen Anteil hat.

Annaberg-Buchholz.

Sterbebegleitung - das kann eine Stunde sein, das können aber auch fünf Jahre sein. Das kann ein betagter Mensch sein, der seinen letzten Lebensabschnitt im Pflegeheim verbringt. Das kann aber auch der junge Familienvater sein, der den Kampf gegen eine tödliche Krankheit verliert. Und manchmal können es auch Kinder sein, zu denen die ehrenamtlichen Mitstreiterinnen und Mitstreiter des ambulanten Hospizdienstes der Malteser in Annaberg gerufen werden. Im vorigen Jahr haben sie insgesamt 40 Betroffene und deren Angehörige begleitet.

Vor 20 Jahren ist der Dienst aufgebaut worden. Damals waren die Annaberger die ersten im Erzgebirge mit einem solchen Angebot. Den Impuls dazu hatte Günther Jacobs gegeben, der spätere Stadtbeauftragte des Ordens in Annaberg-Buchholz. Er hat seinerzeit unter anderem auch Regina Koch aus Schlettau, Sabine Ullmann aus Tannenberg und Magdalena Fröhmel aus Annaberg-Buchholz angefragt, ob sie sich ein Engagement im Hospizdienst der Malteser vorstellen könnten. Sie haben ja gesagt und sind dabeigeblieben - bis heute. Und so gab es für die drei Frauen zur Feierstunde anlässlich des Jubiläums Ende vergangener Woche eine besondere Ehrung. Die Vierte im Bunde - Ingrid Klinger aus Annaberg-Buchholz - war zur Veranstaltung nicht anwesend. Magdalene Fröhmel unterdessen erinnerte an eine weitere wichtige Wegbegleiterin: Ancilla Ringel vom Maria Ward Orden. Nach einem Einsatz als Lehrerin in Jerusalem hatte es die charismatische Frau - stets in Nonnentracht und meist mit dem Fahrrad unterwegs - 1998 nach Annaberg-Buchholz verschlagen. Und auch hier erzeugte sie nicht nur mit ihrem Erscheinungsbild, das ihr bald den Ruf als "fliegende Nonne" einbrachte, Aufmerksamkeit. In Regensburg, einem ihrer früheren Einsatzorte, schon mit dem Thema Hospizarbeit konfrontiert, nahm sie sich auch an ihrem neuen Wirkungsort des sensiblen Themas an. Und: "Mit ihrer fröhlichen Art nahm sie uns unsere Berührungsängste", erinnert sich Magdalena Fröhmel. So nahm die Gruppe 1999 ihre ehrenamtliche Arbeit auf. Acht Jahre später - mit dann schon 15 Mitgliedern im Einsatz - wurde eine feste Anlaufstelle für die Hospizarbeit im Stadtzentrum der Kreisstadt geschaffen. Seither mehrfach umgezogen, hat diese nun ihren Sitz mit im Haus der Diakonie. Derzeit sind etwa 20 Frauen und Männer vielfach in den Pflegeheimen der Region, aber auch im häuslichen Bereich der Betroffenen unterwegs.

Und das Einsatzgebiet ist längst größer geworden, berichten die beiden Koordinatorinnen Jana Hering und Annett Hölig. So war im vorigen Jahr zunächst eine geschlossene Trauergruppe dazugekommen, die sich mittlerweile in eine offene Gruppe gewandelt hat. Jeden ersten Donnerstag im Monat trifft man sich im Trauercafé. Seit Herbst des vergangenen Jahres gibt es zudem eine Kindertrauergruppe - auch das wieder ein neues Angebot im Erzgebirge. Entsprechend viele Anfragen gibt es. Um auch dieser speziellen Arbeit gerecht werden zu können, gibt es mittlerweile einen eigens dafür ausgebildeten Kindertrauerbegleiter.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat es unzählige Begleitungen gegeben - jede hat andere Spuren hinterlassen. "Da hat jeder seinen ganz eigenen Fall, der besonders in Erinnerung geblieben ist", weiß Annett Hölig. Und auch, wie wichtig es ist, dann für die Sterbebegleiter da zu sein. Neben der täglichen Möglichkeit zum Gespräch gehören dazu unter anderem die monatlichen Gruppenabende, in denen Gelegenheit zum Austausch besteht. Zudem bestehe regelmäßig das Angebot zur Supervision - sowohl gemeinsam, als auch einzeln. Und: Weitere ehrenamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter werden immer gebraucht. Das nötige Rüstzeug für ihre schwierige Aufgabe holen sie sich in einer neunmonatigen Ausbildung.

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