Ein Filmstar will berühren

Teresa Weißbach stand in Hamburg, Wien, Bayreuth auf den Bühnen, spielte bei Polizeiruf 110 und im Tatort. Und nun? Bald tritt die Ex-Stollbergerin in ihrer Heimatstadt auf - im winzigen Dürer im Neubaugebiet. Warum so bescheiden?

Stollberg.

Im Kultstreifen Sonnenallee wurde Teresa Weißbach zum Star. Deutschlandweit. Da war sie 17 und spielte die Miriam.

Und heute? "Ich habe erst mal eine Vorstellung angesetzt. Ich fange also klein an. Aber wenn es ein Erfolg wird, gibt es eine Zusatzvorstellung." Die Bühne befindet sich im Stollberger Dürer, dem Bürgerbegegnungszentrum mitten im Neubaugebiet. Die Vorstellung findet im Januar statt. 100 Leute haben Platz.


Haben sich die Zeiten für die bekannte Schauspielerin geändert, den größten Export, den Stollberg je hatte? Nein. Teresa Weißbach, die freiberufliche Mimin, wagt ein Experiment. Mit vorgelesenen und gespielten Sätzen aus Briefen. Und Stollberg darf nicht fehlen auf dem Tourneeplan. Denn im Kinder- und Jugendtheater Burattino ist sie als Talent entdeckt worden. Und wie es der Zufall so will: Die Nachwuchsmimen spielen derzeit auch im Dürer - es dient als Provisorium, bis das Burattino in den Westflügel von Schloss Hoheneck umziehen darf. Weißbach wandelt also auf ihren eigenen Spuren. Aber dazu später.

Worum geht es Teresa Weißbach in ihrem Programm? "Wir verknappen heute so viel mit Kurznachrichten und Smileys", sagt Weißbach. Ihre Vorstellung feiert das Gegenteil. Handgeschriebene Briefe voller Kosenamen, langer Sätze, Botschaften zwischen den Zeilen. Beispiel? Er nannte sie sein Zirkuspferdchen. Oder sein Hündchen. Oder das Krokodil seiner Seele. Er schrieb: "Meine liebe, prachtvolle Schauspielerin." Sie schieb: "Du bist als Schriftsteller so nötig, so schrecklich nötig, damit die Menschen zur Ruhe kommen, damit sie verstehen, dass es Poesie in der Welt gibt." Das war Liebe. Respekt. Sehnsucht. Große Gefühle also - zwischen dem kranken Anton Tschechow und seiner Frau Olga Knipper im fernen Moskau. Aufgeschrieben noch mit Füllfederhalter auf Papier, verschickt in Briefkuverts. Vor mehr als hundert Jahren.

"Ich habe diese Briefe gelesen. Sie sind so wunderschön, diese Worte. Es hat meine Seele berührt", sagt Teresa Weißbach. Nun steht das Programm "Mein Herz - mein Hund". Die Stollbergerin will mit diesen Briefen die Liebe der beiden Liebenden wieder zum Leben erwecken - mit ihrem Bühnenpartner Christoph Tomanek. "Wir lesen nicht vor, sondern es ist lebendig mit Musik und viel Romantik", so Weißbach.

Und das ausgerechnet - neben Städten wie Schwerin, Rostock oder Hamburg - auch im kleinen Stollberger Dürer. Dort, wo derzeit die Kinder und Jugendlichen vom Burattino auftreten. Von dort stammt sie. Ab der Wende zehn Jahre spielte sie mit. Erst als Achtjährige, dann als junge Frau. Als Rumpelstilzchen, als Dornröschen. Dann stellten die Verantwortlichen fest, diese Teresa Weißbach hat ein besonderes Talent. Also probte ihre Deutschlehrerin mit ihr Rollen, auch der Oberspielleiter von Eduard-von-Winterstein-Theater half. Dann ging sie zum Eignungstest an die Hochschule für Musik und Theater in Rostock.

Heute, so viele Jahre später, weiß sie gut Bescheid, was daheim so geht. "Dass das Burattino bald ins Schloss Hoheneck zieht, ist wirklich toll. Neue Räume, große Räume, neue Technik. In Deutschland schließen Theater aus finanziellen Gründen mehr und mehr. Hier aber wird ein größeres geschaffen."

Die Veranstaltung "Mein Herz - mein Hund" findet am 20. Januar im Dürer statt. Karten (15 Euro) sind ab Dezember erhältlich bei Buch + Kunst Laden Lindner, Herrenstraße 18, Stollberg und im Dürer, Albrecht-Dürer-Straße 85. Telefon: 037296 93230.

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