Ein Foto und seine Folgen

Im Juni 2018 wird ein Sattelschlepper fotografiert, der unter einer Eisenbahnbrücke festzustecken scheint. Das Bild landet bei der Polizei, ein Mann vor Gericht. Doch am Ende ist die Sache nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheint.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Es ist der 11. Juni vergangenen Jahres, als ein Foto in einer lokalen Facebookgruppe die Runde macht. Unter der Eisenbahnbrücke am Gärtnerweg in Annaberg-Buchholz steht eine Sattelzugmaschine samt Auflieger. Das Fahrzeug scheint festzustecken. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung bemerkt das Bild, leitet es an die Polizei weiter. Die beginnt zu ermitteln. Anhand des Fotos werden Halter und später auch der Fahrer ermittelt. Zudem stellt sich heraus, dass es an der Brücke Schäden gibt. Auch der Lkw ist beschädigt. Doch hängt alles zusammen?

Vom vermeintlichen Verursacher wurde kein Schaden gemeldet. Daher musste sich der Fahrer des auf dem Foto abgebildeten Sattelzuges nun vor dem Amtsgericht Marienberg verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll sich der 36-Jährige unerlaubt vom Unfallort entfernt haben. Ein Schild habe deutlich darauf hingewiesen, dass die zulässige Durchfahrtshöhe der Bahnbrücke nur 3,8 Meter beträgt. Von der B 101 kommend sei der Lkw den Gärtnerweg entlanggefahren und schließlich an der Brücke hängen geblieben. Der entstandene Sachschaden an der Brücke betrug knapp 10.000 Euro, der Schaden am Sattelschlepper sogar mehr als 14.000 Euro. Und tatsächlich wurde der Firma, der der Lkw gehört, ein Schaden am Fahrzeug gemeldet. Allerdings wurden als Ursache Straßenbäume angegeben.

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Doch vor Gericht konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Schäden an der Brücke tatsächlich von dem Fahrzeug, das auf dem Foto zu sehen ist, verursacht worden sind. Die in die Ermittlungen involvierten Polizeibeamten waren selbst nie vor Ort, um die Schäden zu begutachten oder Spuren wie abgefallene Teile zu sichern. Der Angeklagte schwieg. Sein Anwalt wies darauf hin, dass sicherlich viele Laster die Straße benutzen und durch die Eisenbahnbrücke fahren. "Es gibt keine objektiven Beweise."

Nachdem alle Zeugen gehört worden waren, bat Richter Toralf Kliemt die Staatsanwältin und den Verteidiger zu sich. Nach einem kurzen Gespräch sprachen sich alle Seiten für einen Freispruch aus. Dem folgte auch der Richter. Zwar sei es möglich und vielleicht sogar wahrscheinlich, dass sich alles genauso abgespielt hat, wie es in der Anklage hieß. Doch am Ende setze eine Verurteilung eine Überzeugungsbildung über die Schuld voraus. Zu der sei es in diesem Fall nicht gekommen.

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