Ein Leben für die Kunst und ein Herz für Kinder

Vor rund vierzig Jahren verschlug es die Malerin Sabine Sachs nach Annaberg. In der Bergstadt fand sie ihre zweite Berufung.

Annaberg-Buchholz.

Wer ins Erzgebirge zieht, muss mindestens einen guten Grund dafür haben. Diese Weisheit gilt nicht erst seit gestern, sondern war auch schon vor Jahrzehnten aktuell.

Die Annaberger Künstlerin Sabine Sachs hatte vor rund vierzig Jahren, als sie von Thüringen in die Bergstadt zog, nicht nur einen guten Grund sondern auch einen Traum. Seit ihrer Kindheit hatte die Malerei zu ihrem Leben gehört, 1978 endlich hatte ihr Onkel ihr eine Stelle als Bühnenbildnerin am Annaberger Theater vermitteln können.

Doch aller Anfang ist schwer, erinnert sich Sachs heute. Mit 17 Jahren in einer fremden Stadt, in einem kleinen Zimmer unter dem Dach - das Wasser musste damals noch täglich aus dem Keller geholt werden. "Das war schon ein großer Bruch, aber er bedeutete auch Freiheit", sagt die Malerin heute rückblickend. Gern denkt sie an jene Zeit und besonders an ihre Kollegen zurück. Am Theater lernte sie auch ihren Mann - damals noch ein Student der Theaterwissenschaften - kennen, das Geld allerdings war in diesen Tagen oft sehr knapp.

Doch das ist nur die halbe Geschichte, denn in Annaberg fand die Künstlerin auch ihre zweite Berufung. Da es in der ehemaligen DDR dazu gehört habe, auch einen Beruf zu erlernen, habe sie sich eines Tages entschlossen, Erzieherin zu werden, erzählt Sachs. Geradewegs sei sie zur Telefonzelle marschiert und habe in der Kaderleitung angerufen und mitgeteilt, dass sie fortan gern als Kindergärtnerin tätig sein wolle. Noch heute wundert sich Sachs über ihre Courage: "Ich hatte keinen Abschluss in der Tasche und dann auch noch Bedingungen gestellt." Dennoch habe sie den Job im Kindergarten der Villa Clara bekommen, sagt die Künstlerin.

Nach der Wende stand für Sachs fest, dass sie sich wieder ihrer Leidenschaft, dem Malen, widmen wollte. Am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie (IBBK) in Bochum erlangte Sachs als Meisterschülerin in der Klasse von Bruno Konrad das Diplom. Dabei stellte sich bald heraus, dass beides, die Kunst und die Pädagogik nicht nur hervorragend zueinander passen, sondern sich auch wunderbar ergänzen. Seit einigen Jahren organisiert Sachs mit dem Verein Kunstkinder Kurse für junge Menschen. Ganz im Zentrum dieser Kurse steht die kreative Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen mit ihrer Umwelt. Dabei will die Annabergerin auf keinen Fall dogmatisch wirken. "Ich sage den Kindern immer, nehmt nicht alles hin, was ich erzähle. Ihr müsst selber hinterfragen." So auch im jüngsten Projekt mit dem Titel "Misch dich ein", der die Kinder vor die Hypothese stellte: Sollte der Wald am Pöhlberg bei einem Rohstoff-Fund gerodet werden? Die Fragestellung zielt bewusst auf das aktuelle Beispiel am Hambacher Forst ab. Die Kinder im Kurs entschieden sich mehrheitlich dagegen und zeigten es mit zahlreichen kreativen Arbeiten, die die Schönheit der Erzgebirgslandschaft abbilden.

Heute kann Sachs auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken. Unter dem Ausstellungstitel "Zugabe" sind aktuell mehrere Werke der Annaberger Künstlerin im Seitenflügel des Chemnitzer Schauspielhauses zu sehen. Die Bilder kreisen vor allem um mythologische Themen - besonders legendäre Frauengestalten finden sich im Werk der Annaberger Künstlerin dargestellt. In den Geschichten der Kassandra oder Penthesilea sei vieles vorweggenommen, sagt Sachs. "Heute würden wir es wohl Sex and Crime nennen." So sind ihre Werke nicht nur historische Abbilder sondern auch ein Spiegel unserer Zeit.

Die Ausstellung "Zugabe" mit Werken von Sabine Sachs kann im Chemnitzer Schauspielhaus noch bis zum 15. November besichtigt werden.

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