Ein Tag im Zeichen einer offenen Gesellschaft

Die Veranstaltungsreihe "Wann, wenn nicht jetzt" machte am Wochenende in Annaberg-Buchholz Station. Vielen Themen - von rechter Gewalt über Frauenhäuser bis Nachwendezeit - standen zur Diskussion.

Annaberg-Buchholz.

Wenn in der Familie über Politik und Gesellschaft diskutiert wird, dann passiert dies nicht selten am Essenstisch. Das dachten sich wohl auch die Organisatoren des Bündnisses "Wann, wenn nicht jetzt", die mit einer Konzert- und Marktplatztour aktuell durch ostdeutsche Kleinstädte reisen, um für eine solidarische und offene Gesellschaft zu kämpfen. Also startete der Tag bei der Station in Annaberg-Buchholz mit einem Brunch, an dem sich jeder, der wollte, beteiligen konnte.

Danach wurde es konkret. Im Erzhammer fand eine Podiumsdiskussion zum Thema Frauenschutzhaus im Erzgebirgskreis statt. Ein solches gibt es im Landkreis nicht. Eine vom Landesfrauenrat initiierte Petition wurde vom zuständigen Ausschuss abgelehnt. Doch die öffentliche Diskussion ist damit noch nicht beendet. Auf dem Podium unterstrichen die Diskutantinnen, die Gleichstellungsbeauftragte des Erzgebirgskreises Tina Lämmel, Andrea Schrutek von den Linken und Susann Lindner von der Koordinierungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt des Landkreis Leipzig, wie wichtig solche Angebote sind - auch im ländlichen Raum. Zum einen seien die bestehenden Schutzhäuser überlastet. Außerdem gibt es häusliche Gewalt überall, eben auch auf dem Dorf und in der Kleinstadt im Erzgebirge. Schutzwohnungen, wie sie vom Landkreis aktuell favorisiert werden, sind zwar ein Mittel der Hilfe. Aber ein zentrales Haus mit genügend Personal sei unverzichtbar, so die allgemeine Meinung der drei Frauen.


Häusliche Gewalt, nur eines der vielen Themen, die am Samstag im Zentrum Annabergs im Fokus standen. An verschiedenen Ständen konnten sich Interessierte unter anderem auch über die Initiative "Aufbruch Ost" informieren. Das Antidiskriminierungsbüro Sachsen war genauso dabei wie die Beratungsstelle für Opfer rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt der RAA und das Feministische Streikbündnis Leipzig. Leipzig, Chemnitz, Dresden: Vereine und Bündnisse aus ganz Sachsen gestalteten gemeinsam mit lokalen Akteuren wie der "Alten Brauerei", dem Neuen Konsulat und dem Flexiblen Jugendmanagement des Kreisjugendrings den "Wann, wenn nicht jetzt"-Tag in Annaberg-Buchholz. Es gab Lesungen, Theateraufführungen, Redebeiträge, Musik und vieles mehr. Ein Tag mit vielen Facetten, Regenbögen auf Gesichtern und veganen Zimtschnecken. Ein Versuch, den öffentlichen Raum, den Marktplatz mit Kultur und Diskussionen über Politik, Gesellschaft und Zukunft zu füllen.

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