Eintagsfliegen leben länger

In Erzgebirgsflüssen sind die Insekten versteckt in großen Mengen zu finden. In Erscheinung treten sie für kurze Zeit bei einem ganz besonderen Schauspiel.

Annaberg-Buchholz.

Sie wird am Morgen geboren, und am nächsten Tag zur selben Zeit ist sie schon wieder tot. Die Eintagsfliege muss oft als Metapher für kurzlebige Angelegenheiten herhalten. In den Medien etwa wird damit das Phänomen der Kurzlebigkeit von Stars oder von Themen und prominenten Personen in der Berichterstattung beschrieben. Dabei kann die Lebenszeit der in der Natur vorkommenden Eintagsfliege durchaus variieren.

"Es gibt Eintagsfliegen, die existieren nur zwei Stunden, andere überleben bis zu 14 Tage", sagt der Rübenauer Biologe Kay Meister. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Als flugfähiges Insekt ist die Lebensdauer der Eintagsfliege tatsächlich sehr begrenzt. Rechnet man das vorherige Larvenstadium hinzu, ergibt sich ein anderes Bild. Bis zu drei Jahre können die Larven im Wasser verbringen. Weltweit gibt es rund 3000 Arten von Eintagsfliegen. Die Insekten sind weitverbreitet, wobei die Gewässer in mitteleuropäischen Gebirgslagen eine besondere Rolle spielen. "Wir sind das Zentrum der Eintagsfliegen", sagt Kay Meister mit einem Augenzwinkern zu den Vorkommen im Erzgebirge. Die Larven sind in den Gewässern in großen Mengen unter Steinen zu finden - vorausgesetzt, sie sind nicht verschmutzt. Es gibt Familien von Eintagsfliegen, die zeigen besonders sauberes Wasser an. "So kann man ohne chemische Analysen allein am Vorhandensein bestimmter Larven den Grad der Sauberkeit eines Gewässers erkennen", erklärt Meister, der solche Untersuchungen schon mit Schülern vorgenommen hat. In den Gewässern des Erzgebirgskammes würden die Larvenarten, die sich gut voneinander unterscheiden lassen, eine gute Wassergüte anzeigen. Ein besonderes Schauspiel bietet sich nur ein- oder zweimal im Jahr an warmen Sommertagen. Am Abend tauchen dann riesige Schwärme an den Gewässern auf. "Tausende Männchen vollführen einen fantastischen Paarungstanz. Fast synchron gleiten sie auf und ab, bis auch die Weibchen hinzukommen", beschreibt Kay Meister das Ritual. Die vier bis zehn Zentimeter großen Eintagsfliegen können zwar gut in der Luft tanzen, aber schlecht fliegen. Nachdem die Insekten aus der Larve geschlüpft sind, geht es nur noch um die Vermehrung. Nahrung können sie keine mehr aufnehmen, weil sie keine Verdauungsorgane besitzen. Nach dem Hochzeitstanz, der einen bis zwei Tage dauert, sterben die Männchen. Die weiblichen Insekten leben noch etwas länger, um ihre Eier ablegen zu können. Dabei tauchen sie mit einer Luftblase wie in einer Taucherglocke unter, um ihre Eier an die Steine zu kleben.

Früher wurden Eintagsfliegen mit Feuer angelockt. "Die Insekten versengten sich die Flügel, fielen herunter, wurden aufgesammelt, dann an die Hausschweine verfüttert oder als Dünger verwendet."

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