Erlöserkirche in Bärenstein wird zur Stempelstelle

Der Sächsische Jakobsweg folgt der historischen Frankenstraße - der Verbindung zwischen Oberlausitz und Süddeutschland. Doch heimischen Pilgerfreunden ist das nicht genug. Ein Abstecher ins Erzgebirge muss sein.

Bärenstein.

Sie war auch für Pfarrer Kenny Mehnert ein besonderer Moment, die kleine Andacht am Samstagvormittag in der Erlöserkirche in Bärenstein. Mit ihr wurde offiziell ein neuer Abschnitt des Jakobsweges Erzgebirge seiner Bestimmung übergeben und gesegnet - zunächst von ihm als evangelischen Pfarrer, später auch noch von seinem Amtskollegen Andreas Schumann von der römisch-katholischen Pfarrei Heilig Kreuz in Annaberg-Buchholz. Damit wird der mehr als 360 Jahre alten Kirche in Bärenstein nun auch eine ganz neue Aufgabe zuteil: Sie wird offizielle Stempelstelle für den Jakobsweg Erzgebirge.

Die ersten Stempel durfte am Samstag Eckhardt Schiefer verteilen. Der langjährige ehrenamtliche Wegewart des Ortes hat maßgeblichen Anteil an der Gestaltung des neuen Wegstückes. Eigentlich seit etwa zwei Jahren mit der eigenen Ahnenforschung beschäftigt und dafür unter anderem im Louvre in Paris und im spanischen Santiago de Compostela, dem Endpunkt aller durch Europa führenden Pilgerwege, unterwegs, ist der Bärensteiner dabei auf einen geschichtsträchtigen Weg unmittelbar vor seiner Haustür gestoßen. Den Weg, den vor 500 Jahren die Herolde des Papstes und deren Gefolgschaft genommen haben, um die heilige Erde von Rom zur Sankt Annenkirche nach Annaberg zu bringen. Das ist urkundlich verbrieft. Jahre später nutzten ihn die Franziskanermönche aus Annaberg in die andere Richtung, um vor der damals drohenden Änderung der Glaubensrichtung zum nächsten Kloster ins tschechische Kadan zu fliehen.


Historisch verbriefte Ereignisse, die eine gute Grundlage für einen Jakobsweg Erzgebirge bilden, der wiederum auf eine Idee von Heinz-Werner Lehmann aus Chemnitz zurückgeht, den Vorsitzenden des Vereins Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße. 2009 in Reinsdorf bei Zwickau gegründet, hat der Verein seinen Sitz mittlerweile in Chemnitz und zählt gegenwärtig nach eigenen Angaben 51 Mitglieder. Reichlich 20 von ihnen waren am Samstag zusammen mit weiteren Pilgerfreunden aus dem Erzgebirge bei der Erstbegehung des neu angelegten Weges dabei. Der tschechische Teil war bereits am 25. Juli offiziell seiner Bestimmung übergeben worden - zum Tag des Heiligen Jakob.

Zu den Erzgebirgern gehörten neben Eckhardt Schiefer unter anderem auch Gerd Lauckner und Erhardt Kühnel aus Aue-Bad Schlema vom Interessenkreis Jakobsweg Silberberg. Sie unterstützen den Chemnitzer bei seinem Vorhaben und wollen den Weg perspektivisch vom tschechischen Kadan aus - der Partnerstadt von Aue-Bad Schlema - über Bärenstein, Annaberg-Buchholz und Elterlein bis nach Aue-Bad Schlema führen. 2021, "im heiligen Jahr", soll er komplett sein, kündigt Erhardt Kühnel an. Bereits im Herbst soll die neue Broschüre zum Weg fertig sein, denn noch ist er nicht ganz vollständig markiert.

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