Erst Schnee und Schippe - dann Nudeln mit Tomatensoße

In Pörschis Kantine fand gestern eine besondere Aktion statt. Alle, die sich um den Winterdienst in Annaberg kümmern, durften kostenlos Makkaroni essen. Ein Beweis dafür, dass Ausnahmesituationen auch ihre schönen Seiten haben.

Annaberg-Buchholz.

An einem durchschnittlichen Tag gehen in Pörschis Kantine um die 200 Essen über die Theke. Ein normaler Tag war gestern aber nicht. Das hängt mit dem Wetter zusammen. Schnee hält die Region in Atem. Dass der Alltag dennoch nicht zum Erliegen kommt, liegt nicht zuletzt an den vielen Männern - und Frauen - die für die Straßenmeistereien, Bauhöfe und Unternehmen im Winterdienst im Einsatz sind. Ihnen wollte Norman Pörschke gestern mit einer ungewöhnlichen und vor allem leckeren Aktion Danke sagen.

Die Geschichte nimmt ihren Beginn am Donnerstag um 10.19 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht der gelernte Koch, der mehrere Kantinen und einen Foodtruck betreibt, einen Aufruf auf Facebook. "Liebe Winterdienstler und Feuerwehrleute in Annaberg! Ihr seid morgen (Freitag den 11.01.2019) recht herzlich eingeladen zu einer Portion Makkaroni mit Tomatensoße und Käse!" Ein Dankeschön für all diejenigen, die aktuell für freie Straßen und Fußwege sorgen. "Ich möchte etwas zurückgeben", so der 40-Jährige. Er selbst fährt jeden Morgen von Pobershau nach Annaberg. Ohne Winterdienst wäre das in den vergangenen Tagen ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

Seine Einladung stieß im Netz auf eine große Resonanz. Hundertemale wurde der Beitrag gelikt und geteilt. Und die Eingeladenen freuten sich. Schon am Freitagmorgen waren die ersten Winterdienstler in der Kantine. Ihre Schicht hatte an diesem Tag um 4 Uhr begonnen. 8.30 Uhr hat man da ordentlich Kohldampf. Einer von ihnen war Uwe Hornig. Der 49-Jährige ist seit einigen Monaten beim Betriebshof angestellt. Sein Revier ist Geyersdorf. "Es ist schon eine extreme Situation", sagte er. Umso mehr freue er sich, dass seine Arbeit auf diese Weise geschätzt wird. Denn nicht selten bekommen die Winterdienstler auch Negatives zu hören. Manche Leute hätten einfach kein Verständnis dafür, dass nicht alle Straßen und Wege auf einmal frei geräumt werden können.

Doch einfach ist die Arbeit nicht, so Steffi Helfer. Sie ist 50 Jahre alt und seit mehr als 30 Jahren in dem Job unterwegs. Per Hand schippt sie Treppen beispielsweise Treppen frei, auch Kreuzungen beräumt sie von Schnee. Bei dem derzeitigen Wetter sind sie und die anderen oft mehr als acht Stunden im Einsatz. Ein Fitnessstudio braucht man da nicht mehr, scherzt sie. "Ich spüre jeden Knochen." Sie weiß, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Doch ein kostenloses Mittagessen gab es dafür als Anerkennung noch nie.

Norman Pörschke freut sich, dass seine Idee so gut ankam. Doch warum gerade Nudeln mit Tomatensoße? "Das ist ein absoluter Klassiker und bei uns immer im Angebot." 15 Tüten á 5 Kilogramm werden in der Regel pro Woche verputzt. In dieser Woche könnte der Durchschnitt etwas höher gelegen haben.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...