Erzgebirgsmuseum zeigt Musikschatz

Sie sind wichtige Dokumente der Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts: die Annaberger Chorbücher. Üblicherweise gut gehütet in der Schatzkammer der Sächsischen Landesbibliothek, sind sie anlässlich des Musikfestes in Annaberg-Buchholz zu sehen.

Museumsleiter Wolfgang Blaschke hat gestern von Lars Spreer von der Sächsischen Landesbibliothek aus Dresden die beiden "Annaberger Chorbücher" leihweise für das Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz erhalten.
Die beiden "Annaberger Chorbücher" beinhalten Kirchenmusik in Noten und Schrift aus dem 16. Jahrhundert.

Für Sie berichtet: Antje Flath

Der Laie vermag die Zeichen auf den Linien kaum als Noten zu deuten. Immerhin sind die Noten und die dazugehörige lateinische Schrift vermutlich über 500 Jahre alt. Doch Kirchenmusikdirektor Matthias Süß verfällt nach einigen intensiven Blicken in die beiden faszinierenden Bücher sofort an zu singen. Und ist begeistert - handelt es sich doch bei den beiden aufwendig restaurierten Stücken um die berühmten "Annaberger Chorbücher" aus dem 16. Jahrhundert.

Beide gelten als wichtige Dokumente der sächsischen Kirchenmusik, die vermutlich noch aus der vorreformatorischen Zeit stammen. Sie beinhalten eine umfangreiche Mischung meist vierstimmiger lateinischer Chormusik - von Messen und Motetten bis hin zu Hymnen. "In dieser Komplexität sind Musik und Noten aus dieser Zeit sonst kaum erhalten", erläutert Wolfgang Blaschke. Der Leiter der städtischen Museen Annaberg-Buchholz hat gestern zusammen mit Kurator Jörg Bräuer die beiden wertvollen Bücher in Empfang genommen. Denn anlässlich des morgen beginnenden Musikfestes Erzgebirge sind sie für zwölf Tage im Erzgebirgsmuseum der Stadt zu sehen. Ansonsten liegen sie gut behütet in der Schatzkammer der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Zur Entstehung der Chorbücher gibt es nach Angaben der Landesbibliothek unterschiedliche Vermutungen: So könnten sie als Teil eines größeren Quellenkomplexes entstanden sein, der "die kursächsisch-ernestinische Hofmusikpflege um und nach 1500" widerspiegelt. Durch die Reformation unbrauchbar geworden, seien die Bände nach Annaberg gelangt. Denn bis 1968 gehörten die Chorbücher der Kirchenbibliothek der heimischen Kirchgemeinde Sankt Annen. Dort hätte man sich die dringend notwendige Restauration finanziell aber nie leisten können, erklärt Kurator Jörg Bräuer. Zumal dringend Geld für die Restauration der Walcker-Orgel benötigt wurde. Also wurden die Bücher an die Sächsische Landesbibliothek verkauft. Matthias Herrmann vom Institut für Musikwissenschaft Dresden vertritt dagegen eine andere Theorie zur Herkunft der beiden Bände: Er vermutet, dass es sich bei den Chorbüchern um eine Stiftung Herzog Georgs an die Sankt Annenkirche handelt. Einen Beleg dafür gebe es in einem Rechnungsbuch des Hauptstaatsarchivs Dresden.

Unterdessen beschäftigen die beiden bedeutenden historischen Dokumente auch Oliver Geisler schon einige Jahre: "Wir haben lange Zeit nach der richtigen Form gesucht, um die bedeutenden sächsischen Musikschätze in das Musikfest integrieren zu können", sagt der Dramaturg des Musikfestes. Die ist nun gefunden - im Konzert "Der Traum der Freiheit" am Sonntag in der Sankt Annenkirche. Angelehnt an den Wechselgesang innerhalb der Lithurgie des Gottesdienstes wird es dort einen Wechselgesang zwischen dem Ensemble Stimmwerck und dem Lettischen Rundfunkchor geben und damit auch einen Wechsel von alter und neuer Musik. Denn das vierköpfige Ensemble aus München hatte bei seinen alljährlichen Stimmwercktagen im vergangenen Jahr den Schwerpunkt auf eben jene "Annaberger Chorbücher" gelegt.

Das wiederum ist für Matthias Süß eine spannende Inspiration. Der Kirchenmusikdirektor und Kantor hofft, dass er "das eine oder andere Stück" aus den Büchern einmal in die Hände bekommt und zusammen mit der Kantorei Sankt Annen einstudieren kann.

www.musikfest-erzgebirge.de

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