Es muss etwas passieren am alten Schacht

Bis zu 2000 Öffnungen hat der Altbergbau rund um Wolkenstein hinterlassen. Dazu kommen Objekte der Wismut. Es gibt viel zu tun, doch Zeit und Geld sind knapp.

Wolkenstein.

Am Aussichtshäuschen in Kohlau durchpflügen Mineralienjäger die Erde nach Amethyst. Legal sind die Aktivitäten nicht - dafür haben sie im vergangenen Sommer einer alten Debatte neuen Schwung verliehen.

Neben dem Aussichtshäuschen liegt, unscheinbar, der Zugang zum alten Sankt-Johannes-Tagesschacht. Eine Betonplatte verdeckt die Öffnung samt den darunterliegenden Bögen aus Stein. Die sind selten in Schächten dieser Art, weiß Anja Riedel, Leiterin des Wolkensteiner Gästebüros. Gern würde sie die Betonplatte gegen Glas tauschen, den Schacht beleuchten lassen. Ein Schauobjekt soll entstehen. Doch die Umsetzung ist schwierig.

Sankt Johannes ist nicht das einzige Zeugnis des Bergbaus in der Umgebung. Bis heute beseitigen das Oberbergamt (OBA) und die Wismut GmbH als Projektträger die Hinterlassenschaften. Nicht nur Uranrückstände, auch die Öffnungen selbst sind gefährlich: Manche Sammler, denen oberflächliches Graben nicht reicht, klettern in die Schächte und Stolln. Im Gegensatz zu den heimlichen Grabungen ist das nicht verboten - dafür aber gefährlich: "Da sind viele nicht lebend wieder rausgekommen", sagt der Wolkensteiner Bürgermeister Wolfram Liebing.

Fast 700 Jahre lang, bis 1904, suchten Menschen im Raum Wolkenstein-Marienberg nach Silber, Zinn, Eisen. Wie viele Schächte und Stolln das Revier durchziehen, und wo, wissen auch die Experten nicht genau. Auf mehr als 1000 schätzt Manfred Speer, Leiter der Projektgruppe Wismut-Altstandorte, die Anzahl der Tagesöffnungen aus dem Altbergbau. Dazu kommen 134 Standorte aus den Anfängen des Uranerzbergbaus, um die sich die Wismut als Projektträger kümmert.

Zwei Möglichkeiten gibt es, mit Öffnungen zu verfahren, erklärt Bergmann Speer: sichern oder verwahren. Sichern heißt, dass zumindest niemand reinfallen kann. Bei der Verwahrung verschließt eine Betonplombe in einiger Tiefe die Öffnung, bis zur Oberfläche wird verfüllt. Dazu wird auch geprüft, inwieweit das umliegende Gebirge tragfähig ist. Diese endgültige Variante ist aufwendig, sagt Frank Rottluff, Mitarbeiter des Oberbergamtes. Sie koste nicht unter 100.000 Euro.

Für die Sanierung ist zuständig, wer zuletzt in der Öffnung gebuddelt hat. Um Überbleibsel aus dem Silbererzbergbau kümmert sich das Oberbergamt mit Mitteln des Freistaates, um den Uranbergbau die Wismut mit Mitteln des Bundes: Rund acht Milliarden Euro bis 2045. Eine Sonderrolle nehmen die Altstandorte aus der Wismut-Frühzeit ein, stillgelegt vor 1963. Hier zahlen Bund und Freistaat zu gleichen Teilen, Projektträger ist die Wismut.

Unter dieses Abkommen fällt Sankt Johannes: Zwischen 1947 und 1954 hat die Wismut in Kohlau nach Uranerz gesucht, und auch alte Anlagen wieder geöffnet.

Für diese Altstandorte stehen bis 2022 rund 138 Millionen Euro zur Verfügung; zwischen 2003 und 2012 waren es 78 Millionen. Manfred Speer hofft auf eine dritte Förderperiode, denn weder Geld noch Zeit reichen seiner Ansicht nach aus, alle Löcher zu stopfen. Vorrang haben deshalb Standorte, von denen eine erhöhte Gefahr ausgeht.

Vier Risikoklassen gibt es, die eins ist die gefährlichste. Viele Faktoren spielen für diese Einschätzung eine Rolle. Neben dem Zustand des unterirdischen Hohlraums ist das auch die Nähe zu Wohnsiedlungen. Gefährlich sind vor allem Tagebrüche: Stellen, wo die Oberfläche über unterirdischen Hohlräumen einbricht und sich plötzlich ein Loch auftut, wie vor wenigen Jahren in Bad Schlema. Neun Tagebrüche sind im Revier Wolkenstein-Marienberg bekannt, darunter ein mit dem Johannesschacht verbundener Gangzug südlich von Kohlau.

Der Johannesschacht ist mit der Risikoklasse zwei bewertet. Er ist "marginal gesichert", die Betonplatte ein Provisorium, sagt Speer und betont: Passieren müsse dort etwas. Was, ist offen. Zwar hat die Wismut einen Projektantrag gestellt. Er beinhaltet aber nur die Finanzierung der Planungen. Mitte des Jahres, hofft Speer, könnte es damit losgehen. Soll ein Schauobjekt entstehen, müsste die Stadt Wolkenstein als Nachnutzer die Kosten für die Instandhaltung tragen.

Für Bürgermeister Liebing ein Luftschloss: "Wir müssten ein Stromkabel verlegen, für eine Glühbirne." Um Wolkenstein gibt es bereits drei Schauobjekte, darunter der Felber Stolln. Auch der habe eine sehenswerte Natursteinmauerung. Liebings bevorzugte Variante: Um das Aussichtshäuschen Erde aufschütten. Das soll die Mineraliensammler am Graben hindern.

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