Eule aus Holz weist den Weg zu tierischer Attraktion

Die Schlettauer Schnitzer können auch mit Motorsägen umgehen. Doch das Filigrane ist ihre große Leidenschaft. Und das wollen sie nun auch wieder Besuchern zeigen.

Schlettau.

Seit fast 100 Jahren gibt es in Schlettau bereits den Schnitzverein "Glück auf". Im kommenden Jahr steht das Jubiläum an. Ob es auch gefeiert wird, ist noch offen. Denn niemand weiß genau, was in ein paar Monaten coronabedingt erlaubt oder auch verboten ist. Und wer 2021 feiern will, müsste jetzt Verträge abschließen. Doch die Schnitzer hätten nicht ein knappes Jahrhundert überstanden, ohne kreativ auf besondere Situationen reagieren zu können. So nutzten sie nun die Zeit, um sich über ein neues Projekt Gedanken zu machen. Bereits vor einiger Zeit verewigten sich die Schnitzer im Schlosspark, der sich ihrem Schnitzerheim, erbaut 1806, anschließt. Nun kommt eine weitere Arbeit hinzu. Aus einem Baumstumpf wurde eine Eule, die in Richtung der historischen Malzmühle blickt. In der gesicherten Ruine befindet sich die Voliere von Nikel und Dachs. Die beiden Uhus leben seit einem Jahr in Schlettau. Nun weist ihr hölzernes Ebenbild den Besuchern den Weg. "Wir wollten den Park attraktiver machen", erklärt Mike Heyn. Er und Tony Wiedemann waren für das Projekt mit der Motorsäge zugange.

Was die "Glück auf"-Schnitzer sonst noch alles drauf und andere Generationen geschaffen haben, können sich Besucher ab Samstag wieder im Schnitzerheim ansehen. Da das Schlettauer Schloss an Wochenenden wieder öffnet, soll auch das Schnitzerheim für Gäste an diesen Tagen offen sein, sagt Vereinsmitglied Andreas Bock. Zwischen 13 und 17 Uhr können sich Interessierte die Ausstellung ansehen. Bekannt ist diese vor allem für die mechanischen Weihnachtsberge. Da ist zum Beispiel ein Buckelbergwerk von 1931. Mit einer Kurbel werden die beweglichen Bestandteile in Aktion versetzt. Noch ein paar Jahre älter ist die erste Vereinsarbeit, erklärt Andreas Bock. Sie wurde 1927 fertiggestellt und zeigt biblische Motive. Bis 1968 war die Arbeit in kompletter Größe während der Adventszeit im Lindenhof zu sehen. Es geht aber auch noch historischer. Bock verweist auf einen Weihnachtsberg, an dem drei Generationen getüftelt haben. Um 1900 wurde begonnen, 1955 war er fertig. "Mehr als 100 bewegliche Figuren sind zu finden. Das ist Liebe zum Detail." Wer sich die Zeit nimmt und genau hinschaut, kann immer wieder Neues entdecken. Und die Ausstellung hat noch mehr zu bieten - Laubsägearbeiten, Schwibbögen, Pyramiden. Neben viel Holz in seiner wohl mit schönsten Form, wird es auch ganz zart. Die Klöpplerinnen sind im Schnitzerhäusel ebenso zu finden. Und wer den Blick nach oben richtet, bevor er die Treppen wieder hinuntersteigt, entdeckt einen riesigen Leuchter. Geschaffen hat ihn Anton Heinrich in den 1930er-Jahren. Er besteht aus weit mehr als 1000 Einzelteilen. Kein Einzelstück. Der Erzgebirger schuf für jeden seiner drei Söhne einen solchen.


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