Europäische Drechslerszene trifft sich in Olbernhau

Die Veranstalter kalkulieren für das Treffen am Wochenende mit mehr als 2000 Besuchern

Ausgangspunkt für die Zusammenkunft bildet die Internetplattform Drechsler-Forum.de. Für die überwiegende Mehrheit der Mitglieder ist Drechseln Freizeitbeschäftigung. Darauf haben sich die Organisatoren vor Ort um Martin Steinert von den Drechselfreunden Erzgebirge eingestellt. Kristian Hahn hat mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Was verbirgt sich hinter dem Drechsler-Forum?


Martin Steinert: Dabei handelt es sich um die größte deutsche Drechsler-Community, die sich nicht nur permanent im Internet austauscht, sondern alle zwei Jahre auch real trifft. Gegründet wurde diese internetbasierte Plattform vor zwölf Jahren als neutrales Forum, in dem sich die Mitglieder über alle Themen rund ums Drechseln austauschen können. Mittlerweile hat das Forum fast 6000 Mitglieder.

Wie viele Freunde des Drechselns werden in Olbernhau erwartet?

Derzeit gehen wir von etwa 2000 Interessenten aus. Diese kommen aus ganz Europa.

Was wird den Besuchern in Olbernhau geboten?

Auf dem Areal der Saigerhütte finden vielfältige Vorführungen national und international bekannter Drechsler und Holzkünstler, Fachvorträge, Workshops, Ausstellungen von Holzkunstobjekten und weitere Veranstaltungen zum Thema Drechseln statt. Fachhändler aus ganz Europa bieten Beratung und Verkauf von Maschinen, Werkzeugen und Zubehör für den Holzhandwerker. Auch in der Stadt gibt es viel zu erleben. Zum Beispiel Ausstellungen oder auch die Shoppingnacht, die am Samstagabend einlädt.

Ist das Treffen nur für Fachbesucher interessant?

Nein, es sind natürlich auch Besucher, die nichts mit Drechseln zu tun haben, willkommen. Es gibt auf jeden Fall sehr viel zu erleben. Einige Bereiche, für die wir Eintritt verlangen, sind aber doch eher für das Fachpublikum gedacht.

Vielen ist das Drechselsymposium aus dem Jahr 2000 noch in Erinnerung. Ist das jetzige Treffen damit vergleichbar?

Das Drechselsymposium damals war mehr auf Fachpublikum, also Drechsler, die mit diesem Handwerk ihren Lebensunterhalt verdienen, ausgerichtet. Das jetzige Treffen ist breiter aufgestellt. Für die überwiegende Mehrheit der Mitglieder und Besucher ist das Drechseln Freizeitbeschäftigung, die allerdings zum Teil sehr intensiv betrieben wird.

Was sind die Ziele?

Mehrere Dinge wünsche ich mir: Erstens sollen die Gäste ein Kribbeln im Bauch haben, weil sie im Erzgebirge ein großartiges Wochenende verbracht haben. Zweitens soll Geld in der Stadt und der Region bleiben. Drittens soll das Treffen eine Langzeitwirkung ausüben und das Erzgebirge bekannter machen.


Stadt wird zum Mekka der Drechselfreunde

In Olbernhau haben die Vorbereitungen für das an diesem Wochenende stattfindende Treffen des Drechsler-Forums die Zielgerade erreicht. Das Treffen im Saigerhüttengelände ist am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit zu erleben. Für die Teilnehmer ist zudem am Samstagabend ein Zusammensitzen, Fachsimpeln sowie gemeinsames Essen und Trinken geplant.

Auf dem Festgelände wird es Schauvorführungen ebenso geben wie Ausstellungen und Vorträge. Auch ein Werkzeugflohmarkt ist geplant.

Neben den zahlreichen Drechselfreunden aus ganz Europa wird in Olbernhau auch eine etwa 15-köpfige Delegation aus Brasilien mit anwesend sein. Darunter ist Sandra Prochnow Greuel, die sich vor acht Jahren in der Drechslerei Breitfeld in Annaberg-Buchholz in nur einem Vierteljahr das Drechseln aneignete. Inzwischen betreibt sie in ihrer Heimat Pomerode selbst eine Drechselschule.

Einer der Mitwirkenden des Treffens ist der Olbernhauer Heiner Stephani. Der Drechslermeister, der seine Werkstatt unweit des Saigerhüttengeländes betreibt, leitet Drechselworkshops. Aber nicht nur das. "Da ich in diesem Jahr auch auf 25 Jahre Selbstständigkeit zurückblicken kann, nehme ich das Drechsler-Forum gleich zum Anlass, ab dem 5. Mai eine besondere Ausstellung in meiner Werkstatt zu zeigen. Im Jahr 2014 habe ich erstmals meine Möps-Engel gezeigt. Jeder ist ein Unikat, hat aber immer Bezug zu einem bestimmten Thema, zum Beispiel zu Olbernhau oder zur Musik", sagt er.

Ende 2016 sei ihm Goethes Farbkreis in den Sinn gekommen, der in der Lehre zum Beruf des Drechslers und Holzspielzeugmachers eine Rolle spielt. Goethe habe dabei auch jeder der zwölf Farben einen Charakter zugeordnet. Blau stehe zum Beispiel für die Sinnlichkeit, Orange sei edel. Deshalb fertigte Heiner Stephani zwölf sich in Form und Figur unterscheidende Engel in traditioneller Art, die er dann jeweils mit einer der Farbkreisfarben gestaltete. "Ich habe alte Handwerkstechniken einfließen lassen und beispielsweise die Oberflächen nicht geschliffen." (faso/tw)

www.dft-2017.de

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