Expertin in Sachen Fabulix: Die Frau fürs Märchenhafte

Am 28. August beginnt in Annaberg-Buchholz das zweite Internationale Märchenfilmfestival. Kostüme sind dafür unerlässlich. Ein Gebiet, mit dem sich Textildesignerin Monika Sense auskennt. Sie lebt davon, solche Gewänder zu gestalten. Oder ganze Figuren wie für den Märchenaufzug. Da greift sie auch mal in die Trickkiste.

Annaberg-Buchholz.

Samt, Leinen, Loden, Naturseide: Der Stoff-Fundus von Monika Sense gibt so einiges her. Über Jahre hat ihn die Textildesignerin aus Annaberg-Buchholz zusammengetragen. Manchmal aber greift sie in die Trickkiste, um einem Kostüm den letzten Schliff zu verleihen. Und so wird ein Drache für die zweite Auflage des Internationalen Märchenfilmfestivals Fabulix in der Kreisstadt etwa dank umgestalteten Gartenhandschuhen zum Leben erweckt. Für seine Flügel verwendet sie Teile eines Regenschirms. Die ganze Figur hat sie selbst entworfen und zunächst als Zeichnung an ihrer Wand befestigt. "Ideen muss man haben", sagt Monika Sense. Und die hat die Frau, für die alles Märchenhafte schon von Berufs wegen spannend ist. Seit 2004 arbeitet sie freiberuflich, gestaltet Kostüme, historische Gewänder und so manches andere Detail. Da passt Fabulix in ihrer Heimatstadt wie die Faust aufs Auge.

Den fertigen Drachen werden Gäste etwa beim abschließenden Märchenaufzug des Festivals sehen. Monika Sense will selbst in die grüne Hülle schlüpfen - an einem Tag, der es in sich hat. Schließlich wird sie dann auch als Wahlhelferin bei der Landtagswahl anzutreffen sein - natürlich ohne Drachen-Outfit. Während des Internationalen Märchenfilmfestivals ist sie auch sonst mit von der Partie, wird den Märchen-Foto-Spaß im "Erzhammer" betreuen, bei dem Kinder und Erwachsene in Kostüme schlüpfen und Fotos machen können.


Rund 200 Gewänder hat Monika Sense in ihrem Verleih, der etwa in der Faschingszeit gefragt ist - bis auf wenige Details ist alles selbst genäht. Für die zweite Auflage von Fabulix vom 28. August bis 1. September kamen neue Kostüme hinzu oder wurden zusammengestellt - und zwar passend zum Motto "Märchen von Silber und Gold". So wird es etwa das Glasmännlein und den Holländermichel aus Wilhelm Hauffs "Das kalte Herz" geben - so wie dieser die Figuren beschrieben habe. Die Kostüme von Goldmarie und Pechmarie aus "Frau Holle" sind ebenso vorbereitet, genau wie der Froschkönig und die Prinzessin aus jenem Märchen, die Prinzessin mit dem goldenen Stern oder Rumpelstilzchen und so mancher Prinz.

Doch wie kommt man auf die Idee, mit Kostümen, historischen Gewändern und Requisiten sein Geld zu verdienen? Das liegt schon in der Kindheit von Monika Sense begründet, wie sie erzählt. "Ich stamme aus einer Theaterfamilie. Mein Vati war Schauspieler. Meine Mutti hat Ökonomie studiert, ist aber heute noch sehr kreativ", berichtet die 58-Jährige, die in Annaberg-Buchholz aufgewachsen ist. Und so entschied sie sich für eine Berufsausbildung mit Abitur, studierte dann an der Reichenbacher Ingenieurschule für Textiltechnik textile Flächengestaltung, das entspreche dem heutigen Textildesign. Später arbeitete sie beispielsweise an den Theatern in Annaberg-Buchholz und Freiberg, war etwa in der Requisite tätig und leitete diese am Winterstein-Theater auch. Es folgten aus privaten Gründen Umzüge nach Frankenberg und Oederan, bevor Monika Sense 2003 in ihre Geburtsstadt zurückkehrte. Im Jahr darauf hat sie sich unter dem Namen "Die Kostümepilgerin" selbstständig gemacht - denn gerade mit historischen Gewändern könne man sich auf eine Art Zeitreise begeben.

Solche fertigt die Textildesignerin etwa für Vereine und Festumzüge oder für die Ausstattung von Einrichtungen wie dem Schloss Schlettau an. "Ich arbeite auch gern im theaterplastischen Bereich und gestalte Dekorationsobjekte", erklärt die Erzgebirgerin. Als Beispiel nennt sie überdimensionale Pfefferkuchen für ein Pfefferkuchenhaus. Spezielle Hochzeitskleider - etwa im Mittelalter- oder Gothic-Stil sind ebenfalls ihr Metier. Hinzu kommen Aufträge für die Ausstattung innerhalb der Erlebnisgastronomie. Um Kontakte zu pflegen, fährt sie zudem alle zwei Jahre zu einer Venezianischen Messe nach Ludwigsburg. Dort werden auf einem Kunst- und Handwerkermarkt etwa spezielle Ausstattungsgegenstände angeboten, außerdem seien viele Berufskollegen vor Ort.

Nicht zuletzt streift sich Monika Sense selbst gern eines ihrer Kostüme über, um in eine andere Rolle zu schlüpfen. Anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Kirchweihe von St. Annen vom 26. bis 28. Juli wird sie als Baderin vor Ort sein. "Das waren quasi die historischen Vorläufer von Entspannungstrainern", sagt sie.

Eine Ausstellung über die Arbeit von Monika Sense ist bis zum 1. September im Musikzimmer des "Erzhammers" zu sehen. Thema: "Eine Zeitreise durch die Welt der Kostüme".

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