Extra-Portion Gesundes für 1,3 Millionen Euro

Im Mai entscheidet sich, wer am EU-Programm für gesunde Ernährung teilnimmt. Zu den Bewerbern gehören auch Schulen und Kitas aus dem Erzgebirge. Es geht um frisches Obst, Gemüse und Milch.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Wer zuerst kommt, isst zuerst. Denn bei der Auswahl, wer in den Genuss des neuen EU-Schulprogramms für gesunde Ernährung kommt, werden die Bewerbungen in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt. Das teilt das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit. Und die Nachfrage sei groß, heißt es aus Dresden. Bis kurz vor dem Bewerbungsende Mitte April hätten über 900 Bewerbungen vorgelegen, so Pressesprecherin Karin Bernhardt. Schließlich geht es um 1,3 Millionen Euro für frisches Gemüse, Obst und Milch, das mit Beginn des neuen Schuljahrs kostenlos an Erst- bis Viertklässler sowie an Mädchen und Jungen in sächsischen Kindertagesstätten verteilt werden soll. Einige der Extra-Portionen werden vermutlich auch im Erzgebirgskreis mit seinen 89 Grund- und zwölf Förderschulen sowie 233 Kindertagesstätten serviert.

Kerstin Appelt hat gleich zwei Bewerbungen aus dem Erzgebirge in die Landeshauptstadt geschickt: eine für die 73 Kinder in der Grundschule Lichtenberg und eine für die 90 Kinder der Grundschule Neuhausen/Cämmerswalde. "Richtige Ernährung ist Bestandteil unseres Bildungs- und Erziehungsauftrages", sagt Kerstin Appelt, die in beiden Schulen als Leiterin fungiert. Sie weiß, dass sich in Brotbüchsen vieler Kinder "nicht immer etwas Gescheites" befindet. Mit dem "Ernährungsführerschein" für alle dritten Klassen schaue man zwar schon über den Tellerrand des Lehrplanes hinaus. Doch das Projekt, in dem Kinder unter anderem lernen, wie vollwertige Gerichte zubereitet werden, ende nach sechs Doppelstunden. "Das neue EU-Programm geht über ein Jahr. Klar wollen wir da mitmachen", betont die Pädagogin.

Wie viele Interessenten es aus dem Erzgebirgskreis gibt, könne erst nach Prüfung aller Bewerbungen gesagt werden. "Etwa bis Mitte Mai werden die Antragsteller erfahren, ob sie am neuen Programm teilnehmen können", erläutert Pressesprecherin Karin Bernhardt. Am Ende Juni auslaufenden Schulmilchprogramm beteiligen sich laut Bernhardt sachsenweit rund 1500 Schulen und Kitas. Grundsätzlich berechtigt, sich auch für das neue Programm zu bewerben, seien im gesamten Freistaat rund 3200 Einrichtungen gewesen.

Zu den Bewerbern für eine kostenlose Extra-Portion Obst, Gemüse und Milch gehört auch die Grundschule Kleinrückerswalde, in der "gesund frühstücken" schon vor der EU-Offerte auf dem Stundenplan stand. "Einmal in der Woche bereiten die Kinder einer Klasse ein gemeinsames Frühstück für alle Schüler vor", berichtet Ines Mende. Vom nahrhaften Buffet aus Müsli, Milch, Vollkornbrot und frischem Obst könne sich dann jeder der aktuell 143 Mädchen und Jungen etwas nehmen, so die Schulleiterin aus dem Ortsteil von Annaberg-Buchholz weiter. Finanziert werde das Frühstück durch einen Obolus der Eltern. "Wenn wir einen Teil der Zutaten nun kostenlos bekämen, wäre das umso besser", sagt Ines Mende. Denn nicht alle Eltern seien finanziell gut bestellt.

In Schwarzenberg soll künftig mehr auf richtige Ernährung geachtet werden. "Zwar haben viele etwas Gesundes zum Frühstück mit", berichtet die Leiterin der Grundschule Sonnenleithe, Petra Witteck. "Doch beim Mittag etwa bleibt das Gemüse unangerührt auf dem Teller." Deshalb müsse den Kindern bewusst gemacht werden, welch' wichtige Rolle Gemüse bei der Ernährung spielt. Dabei setzt die Schulleiterin nicht nur auf die täglichen Gratis-Produkte des EU-Programms, sondern auch auf dessen begleitende pädagogische Maßnahmen wie Bauernhofbesuche oder thematische Projekttage, die das Wissen über die Produkte und deren Herkunft sowie die Kompetenzen der Kinder im Um- gang mit den Produkten fördern sollen.

Und was sagen die Kinder? "Ich finde, dass Äpfel, Tomaten und Kohlrabi nicht nur gesund sind, sondern auch gut schmecken", sagt Leonie Nüß. Manchmal packe ihr ihre Großmutter auch Gurke ein, sagt die Viertklässlerin von der Grundschule Neuhausen/Cämmerswalde. "Dazu gibt es meist eine Wurstsemmel." Ihre Klassenkameradin Sarah Langer mag zum Frühstück in der Schule am liebsten Erdbeeren, Tomate und Gurke. Eine Schnitte mit Wurst darf ebenso nicht fehlen. Bevor sie zur Schule gehe, frühstücke es zu Hause, berichtet das Mädchen. "Da gibt es auch Nutella. Zu den anderen Mahlzeiten gehören Obst und frisches Gemüse oft dazu." (mit jag)


EU-Schulprogramm soll gesunde Ernährung schmackhaft machen

Ab 1. August 2017 beteiligt sich der Freistaat Sachsen am neuen EU-Schulprogramm. Die bisher getrennten Programme "Schulmilch" und "Schulobst/-gemüse" werden darin zusammengeführt. Nach Angaben des Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft unterstützt die Europäische Union das Programm mit einem jährlichen Budget von 250 Millionen Euro. Das Geld wird unter Berücksichtigung der Anzahl der sechs- bis zehnjährigen Kinder auf die Mitgliedsstaaten verteilt. Sachsen kann aus dem Gesamttopf für Deutschland (etwa 29,1 Millionen Euro) etwa 1,3 Millionen Euro für das Schuljahr 2017/18 erwarten.

Ziel ist es, durch ein regelmäßiges Angebot in Kindertagesstätten sowie Grund- und Förderschulen den Verzehr und die Akzeptanz von Obst, Gemüse und Milch bei Kindern zu erhöhen. "Das Programm wird einerseits einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten, andererseits lernen die Kinder Erzeugnisse der regionalen Ernährungswirtschaft kennen und erfahren, wie sie schmecken", sagt Staatsminister Thomas Schmidt und weist auf begleitende pädagogische Maßnahmen hin.

Alle Einrichtungen, die am EU-Programm teilnehmen, werden mit Beginn des Schuljahres 2017/18 regelmäßig von einem zugelassenen Lieferanten mit kostenlosen Produkten (frisches Obst, Gemüse, Milch, Joghurt) beliefert. (hd)

www.smul.sachsen.de

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