Fabrikverkauf sorgt für heftigen Wirbel

Die geplante Ansiedlung eines Outlet-Centers sorgt für Ärger. Im Zentrum steht die Frage, ob ein Ex-Möbelhaus dafür genutzt werden kann.

Zwickau.

Das ehemalige Möbelhaus Werner im Einkaufszentrum Schubertstraße in Zwickau erwacht zu neuem Leben. Ein Outlet-Center, in dem Textilien und vor allem Schuhe angeboten werden sollen, richtet sich dort ein. Auf 9000 Qua-dratmetern Verkaufsfläche sollen dort in Kürze Waren zu günstigen Preisen angeboten werden. Hinter dem Outlet-Center steht die Schmid GmbH aus Augsburg. Das Unternehmen betreibt bereits ein weiteres Outlet-Center und vor allem im Süden Deutschlands mehrere Schuhgeschäfte. Eine Anfrage der "Freien Presse" ließ das Unternehmen unbeantwortet. In Stellenanzeigen werden Mitarbeiter für ein "Fashion Outlet Zwickau" (FOZ) gesucht.

Die geplante Ansiedlung sorgt in Zwickau für Diskussionen. Stadträtin Constanze Arndt (BfZ), auch Mitglied im Einzelhandelsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK), befürchtet, dass "eine Handelseinrichtung in dieser Größe, an der Stelle, mit diesem Sortiment schädliche Auswirkungen auf die ohnehin sensible Situation des Einzelhandels in der Innenstadt" hat. Arndt macht sich dafür stark, zunächst die leerstehenden Kaufhäuser in der Innenstadt wieder zu beleben, auch mit einem Outlet-Center.

Auch die Kammer sieht die Eröffnung kritisch. "Das Vorhaben entspricht nicht dem Einzelhandelskonzept der Stadt Zwickau", sagt die Referatsleiterin für Handel bei der IHK, Kathrin Stiller. "Eine Nutzung für Sortimente, die auch im Stadtzentrum angeboten werden, muss nach unserer Meinung durch ein erneutes Baugenehmigungsverfahren geprüft werden."

Im Handelsverband sieht man das ähnlich und stellt die Frage, ob an der Stelle ein Outlet-Center überhaupt zulässig ist. "Eine unzulässige Nutzungsänderung ist rechtlich angreifbar", sagt Geschäftsführer René Glaser. Der Verband hat dazu bereits ein entsprechendes Gutachten anfertigen lassen, das diese Auffassung stützt. Es geht darum, dass dort Waren verkauft werden, die eigentlich der Innenstadt vorbehalten bleiben sollen - Kleidung und Schuhe.

Die Stadtverwaltung sieht keine Möglichkeit, das Vorhaben zu verhindern. Laut Bebauungsplan sei an der Stelle Einzelhandel vorgesehen, also kein Widerspruch zu einem Outlet-Center. Rechtlich sei eine Nutzungsuntersagung kaum durchsetzbar, sagt Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU).

Trotzdem ist noch nichts entschieden. Der Betreiber hat eine Nutzungsänderung vom Zwickauer Möbelhaus zum Modeanbieter beantragt, und das sei derzeit noch in Bearbeitung.

Die Fraktionen reagieren zurückhaltend auf das Vorhaben. CDU-Fraktionsvize Michael Luther will ein "zweites Decathlon" vermeiden. Er spielt auf den Sportartikelhändler an, dem der Stadtrat vor Jahren eine Niederlassung in Zwickau verweigert hatte. Decathlon ging nach Chemnitz, und Zwickauer kaufen inzwischen dort ein.

Luther hält das Outlet-Center für wichtig, gleichzeitig müsse man aber die Innenstadt stärken. Die Linke will eine Sondersitzung des Bauausschusses beantragen und dort Aufklärung über die rechtlichen Aspekte fordern. Die SPD würde eine andere Lösung bevorzugen. Und die AfD wirft dem Rathaus vor, eine andere Lösung an dem Standort längst verschlafen zu haben. BfZ/Grüne bezweifeln, dass die Ansiedlung mit dem Einzelhandelskonzept vereinbar ist.

Auswirkungen auf die Innenstadt sind schon jetzt spürbar. Das P&P-Schuhcenter am Marienplatz schließt zum Monatsende. Dem Geschäftsführer zufolge habe man der neuen Konkurrenz "nichts mehr entgegenzusetzen".

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