Fabulix über Fabulix: Es muss unbedingt weitergehen

Für die Dortmunder Märchenerzählerin gibt es nichts Besseres zur Bewahrung von Märchen, als das Festival in Annaberg-Buchholz. Und das hat nicht nur einen klaren Sieger in der Kategorie Publikumsliebling gefunden, sondern auch erneut tausende Besucher angelockt.

Annaberg-Buchholz.

Hexe, König, Prinzessinnen, Elfen - mit einem großen Märchenumzug ist am gestrigen Sonntag das 2. Internationale Märchenfilmfestival Fabulix in Annaberg-Buchholz ausgeklungen. Damit sind fünf Tage zu Ende gegangen, die gespickt waren mit 230 Veranstaltungen. Im Fokus dabei standen 130 Filmaufführungen, in denen 40 Filme aus 15 Ländern gezeigt wurden. Als Publikumsliebling wurde "Schneewittchen und der Zauber der Zwerge" gekürt. Ein Drittel der abgegebenen Stimmen entfiel auf diesen Streifen. Neben den Filmen bot das Festival ein vielfältiges Programm mit Lesungen, Workshops, Requisiten- und Kostümausstellungen der Studios Babelsberg und Barrandov sowie einem Galakonzert. Das Publikum hatte mehrfach Gelegenheit, mit den zahlreich vertretenen Schauspielern, Filmschaffenden oder Regisseuren ins Gespräch zu kommen.

"Das Festival hat schon mit dem zweiten Mal eine eigene Dynamik aufgenommen", bilanziert Carmen Goldschmidt. Die Dortmunderin, die als hauptberufliche Märchenerzählerin Fabulix durch Deutschland und Österreich tourt, ist des Lobes voll über das Märchenfilmfestival in Annaberg-Buchholz. "Die Leute sind sehr offen. Es gibt kein böses Wort. Viele, die schon vor zwei Jahren hier waren, sind wieder gekommen, etwa aus Chemnitz und sogar Hof", sagt Goldschmidt. Ihr Wunsch: "Fabulix muss unbedingt weitergehen." Denn: Märchen geraten langsam in Vergessenheit, weil sich Eltern heutzutage keine Zeit mehr nehmen, ihren Kindern Märchen vorzulesen oder sie dafür keine Zeit mehr haben, so die Dortmunderin. "Insofern ist das Festival genau das, was ich befürworte."


Holzbildhauer Ronny Tschierske denkt auch schon an Fabulix 3. Er hat an der Großen Kirchgasse die Eule - das Logo des Märchenfilmfestivals - aus Lärchenholz erschaffen. Weitere dieser Figuren, teilweise auch modifiziert - sollen folgen und dann bei der nächsten Auflage von Fabulix die Wegweiser "krönen".

Und was wünscht sich Oberbürgermeister Rolf Schmidt für das dritte Märchenfilmfestival? "Zunächst einmal, dass es überhaupt stattfinden kann. Ob es eine dritte Auflage von Fabulix geben wird, steht und fällt mit dem Geld", sagt er. Sein Credo: Das Festival soll den städtischen Haushalt nicht belasten. "Dafür brauchen wir Spender und Sponsoren. Ich kann deshalb nur hoffen, dass alle auch wieder für eine dritte Auflage zur Verfügung stehen", so Schmidt. Die wünscht er sich ebenso wie die vielen tausend Besucher, die nach 2017 auch dieses Jahr wieder zum Märchenfilmfestival gekommen sind. Damals wurde ihre Anzahl mit 20.000 angegeben.


"Besonders gefällt mir, dass die Menschen schon nach dem zweiten Mal von einer Tradition sprechen"

Für Filip Albrecht ist Fabulix ein Märchen, das weitergeschrieben wird. Was heißt das für Auflage 3? Thomas Wittig fragte beim Festivaldirektor nach.

Freie Presse: Das 2. Internationale Märchenfilmfestival ist Geschichte. Ihr Fazit?

Filip Albrecht: Wir haben seit der Premiere 2017 viel getan. Wir hatten dieses Mal mehr Filmvorführungen, mehr Stars und mit dem Alten Stadtbad eine fantastische neue Spielstätte. Besonders aber gefällt mir, wenn die Menschen schon nach dem zweiten Mal von einer Tradition sprechen.

Was ist aus Ihrer Sicht dieses Mal besonders gut gelaufen und wo gibt es noch Luft nach oben?

Sehr positiv für uns war, dass bereits im Vorfeld die Eröffnungsveranstaltung sowie das Galakonzert restlos ausverkauft waren. Wo wir noch dran arbeiten müssen, sind so ein paar Detailsachen. Gerade bei der Betreuung der zahlreichen Stars sind wir personell schon an unsere Grenzen gestoßen. Da ist alles zeitlich ziemlich durchgetaktet.

Was macht eigentlich ein Festivaldirektor während des Festivals?

Er begrüßt die Gäste, schaut, dass beim Ablauf alles funktioniert. Ich bin bei vielen Aufführungen dabei, um die anwesenden Schauspieler und Filmschaffenden vorzustellen. Ja, im Prinzip schaue ich überall, dass alles funktioniert.

Wird es eine dritte Auflage von Fabulix geben?

Das ist natürlich unser aller Wunsch. Zum heutigen Zeitpunkt kann ich allerdings noch nicht hundertprozentig sagen, dass es Fabulix 3 geben wird. Der Grund dafür ist ganz einfach - das Geld. Wir müssen quasi schon morgen beginnen, erneut um die Gunst unserer Partner und Sponsoren zu werben und sie fragen, ob sie auch eine dritte Auflage unterstützen würden. Aber wir müssen auch neue Geldgeber finden.

Passt der Turnus von zwei Jahren?

Ja, diesen Turnus möchten wir eigentlich beibehalten.

Warum haben Sie 2017 Annaberg-Buchholz als Austragungsort für das Festival ausgesucht?

Das ist eine lange Geschichte. Die Kurzfassung: Ich bin oft mit Helena Vondrácková nach Chemnitz zu Auftritten gefahren, haben auf dem Weg dahin in Annaberg Kaffeepause gemacht. Dabei ging mir durch den Kopf: Die Stadt ist so schön, man müsste hier eigentlich mal irgendetwas machen. Dann hatte ich die Idee mit dem Internationalen Märchenfilmfestival. In dem Zusammenhang kam natürlich die Frage auf, in welcher Stadt könnte man das aufziehen. Ich habe Oberbürgermeister Schmidt angeschrieben - wir kannten uns damals noch nicht - ob er sich das vorstellen kann. Er schrieb prompt zurück, dass er das kann.


Stimmen

Peter Wenz (64) aus Wetzlar/Hessen: ist extra angereist um das Fabulix Filmfestival zum ersten Mal mit erleben zu können. Dabei freut er sich besonders auf diverse Filmvorstellungen. Da diese Euphorie offensichtlich von vielen Besuchern geteilt wird, sind bereits alle Plätze bei seinem Wunschfilm belegt, was eine Spur der Enttäuschung zurücklässt. Nichtsdestotrotz ist er begeistert vom Konzept und würde Fabulix jederzeit weiterempfehlen.

Nadine Libert (31) aus Chemnitz: ist hauptsächlich der Kinder wegen nach Annaberg gekommen. "Die Kinder lieben einfach Märchen und alles was dazugehört", so die Dreifach-Mama. Große Freude bereiten der jungen Familie vor allem die umherlaufenden Märchenfiguren und die Schauspielstücke. Nadine Libert ist überrascht von dem vielfältigen Angebot. "Ich habe gar nicht erwartet, dass es so groß sein würde."

Andrea Schuster (58) aus Buchholz: verbringt das diesjährige Filmfestival mit ihrer achtjährigen Enkelin Lotta aus Leipzig. Diese freut sich besonders auf Märchenvorstellungen wie Frau Holle, während ihre Oma von der Liebe zum Detail und den Schauspielstücken schwärmt. Zudem haben sich beide gefreut einmal die Schauspieler live zu sehen. "Das war schon toll." Nur eine Überdachung für die Altstadtterrassen vermisst Andrea Schuster ein wenig. "Zum Glück hat es nicht geregnet, sonst hätte es wohl schlecht ausgesehen."

André Liebscht (36) aus Buchholz: freut sich auf einen schönen Tag mit seiner Familie. "Fabulix bietet die Möglichkeit, Annaberg einmal in einem ganz neuen Flair zu erleben", sagt er. Dabei ist er besonders gespannt auf die Ausgestaltung des alten Stadtbads. Verbesserungsvorschläge hat er bislang keine, da ihm alles gut gefällt, besonders die Filmvorstellungen seien toll.

Gisela Weißflog (69) aus Annaberg: ist zum zweiten Mal Besucher des Filmfestivals. "Ich habe den Eindruck, dass sie das Angebot dieses Jahr nochmal erweitert haben. Das finde ich klasse", schwärmt sie. Am besten gefällt ihr die Atmosphäre allgemein. "Das hier ist nicht nur etwas für Kinder, schließlich kommen die Menschen von überallher, um den Märchenzauber zu erleben."

Pavel Shukrynau (44) aus Karlsbad: ist zufälligerweise Teil der Märchenwelt in Annaberg-Buchholz geworden. Ursprünglich wusste er gar nichts von Fabulix, umso größer ist die Freude über den Glücksfall. "Alles sieht sehr schön aus, und die Atmosphäre ist so heimisch hier." Nächstes Mal möchte er dann extra für das Filmfestival wiederkommen. (koua )

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