Fahrt der Zerstörung endet vor Amtsgericht

60-Jähriger erhält Geldstrafe und muss Fahrerlaubnis abgeben

Annaberg-Buchholz.

Fast 60.000 Euro Sachschaden hatte ein Autofahrer Anfang April dieses Jahres verursacht, als er im Erzgebirgscenter Annaberg mit seinem Pkw auf dem Parkplatz acht Fahrzeuge und einen Unterstand für Einkaufswagen demolierte. Da der 60-Jährige den vom Amtsgericht Marienberg erlassenen Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 1650 Euro nicht akzeptierte, musste er sich nun vor dem Amtsgericht Marienberg verantworten.

Der an Multipler Sklerose erkrankte Angeklagte hatte beim Versuch, auf dem Behindertenparkplatz einzuparken mit mehrfachen Vor- und Rückwärtsbewegungen seines Autos acht Fahrzeuge sowie den Unterstand für die Einkaufswagen gerammt. Dabei entstanden an den Pkw rund 43.000 Euro, am Unterstand weitere etwa 15.000 Euro Sachschaden. Die Frage, warum er nach der ersten Kollision nicht einfach stehengeblieben sei, konnte der Angeklagte nicht beantworten. Sein rechter Fuß habe sich unter der Bremse verklemmt, die Ferse sei jedoch auf dem Gaspedal geblieben. Er wäre von der Situation überfordert gewesen. Erstaunt habe sich die als sachverständige Zeugin zum Prozess geladene Neurologin vom Verhalten ihres Patienten gezeigt, so Richter Toralf Kliemt. Aufgrund der Lähmungserscheinungen in beiden Beinen sei der Rollstuhlfahrer gar nicht fähig, ein normales Auto sicher zu führen. In die Praxis komme er stets mit einem Taxi.

Aufgrund der Aussage der Ärztin sah das Gericht den Tatvorwurf der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs als erwiesen an. Der Angeklagte habe die Mehrfachkarambolage in Kenntnis seiner Fahruntüchtigkeit verursacht. Statt der im Strafbefehl festgelegten 1650 Euro muss der 60-Jährige nunmehr eine noch höhere Geldstrafe von 2000 Euro zahlen (60 Tagessätze zu je 33 Euro). Zudem wurde ihm die Fahrerlaubnis für drei Jahre entzogen. Richter Kliemt machte dem Angeklagten zudem klar, dass mit einer anschließenden Rückgabe der Fahrerlaubnis bei unverändertem Gesundheitszustand nicht zu rechnen sei. Der Angeklagte habe sich einsichtig gezeigt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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