Familie und Kita-Träger suchen nach Einzelfallhelfer für Emilian

Ein vierjähriger Schlettauer hat in seinem Leben schon viel durchgemacht. Mit sieben Monaten erkrankte er an einer schweren Hirnhautentzündung. Die resultierenden Narben auf der Großhirnrinde lösen epileptische Anfälle aus. Um trotzdem in den Kindergarten zu können, braucht er eine Eins-zu-eins-Betreuung. Bisher ein unlösbares Problem.

Schlettau.

Wann die Anfälle kommen, weiß keiner. Doch sie kommen. An schlechten Tagen sind es zehn bis 15, an guten Tagen keiner. Seit etwa einem halben Jahr leidet der kleine Emilian aus Schlettau an Epilepsie. Die Ursache ist bekannt. Denn als der heute Vierjährige gerade einmal sieben Monate alt war, erkrankte er an Meningitis Pneumokokken - eine schwere Form der Hirnhautentzündung. Damals hing sein Leben am seidenen Faden. Die Ärzte gaben nur eine 20-prozentige Überlebenschance. Emilian schaffte es, aufgrund der Schwere der Erkrankung aber nicht ohne Folgeschäden. Seine linke Körperhälfte ist beispielsweise schwächer als die rechte. Doch im Prinzip war Emilian ein ganz normales Kind. Er ging in den Kindergarten, spielte mit seinen Freunden.

In diesem Sommer trat aber etwas ein, worauf die Ärzte die Familie Weiß bereits damals hingewiesen hatten. Der Vierjährige hatte seinen ersten epileptischen Anfall. Eine Folgeerkrankung, die auf die entstandenen Narben auf der Großhirnrinde zurückzuführen ist. Zunächst hoffte die Familie, das Problem sei mit Medikamenten lösbar, erzählt Mutter Marika Weiß. Viele Wochen verbrachten Mutter und Sohn aus diesem Grund bereits im Krankenhaus und in einer Spezialklinik. Allerdings sei die Einstellung sehr schwierig. Mehrere Präparate wurden bereits getestet. Ohne Erfolg. Bleibt es dabei, ist im Ernstfall eine Hirn-OP notwendig. Ein Szenario, das sich die Familie nicht vorstellen möchte.

Die Krankheit ist das eine Problem. Ein anderes ist, dass der Junge seitdem nicht mehr in den Kindergarten kann. Zwar sind die Epilepsieanfälle leicht und nicht lebensbedrohlich. Doch stets muss jemand ein Auge auf ihn haben. Nach den Anfällen ist er müde, muss schlafen. Um die Kita in Schlettau besuchen zu können, braucht er also einen Einzelfallhelfer. Einfach gesagt. "Damals wussten wir nicht, was auf uns zukommt", so Marika Weiß. Bereits vorher sei Emilian aufgrund seiner Vorerkrankung ein Integrativkind gewesen. Um nach dem Hinzukommen der Epilepsie die Betreuung für ihn abdecken zu können, sei eine Eins-zu-eins-Betreuung notwendig. Das heißt, in der Kita muss es eine zusätzliche Person geben, die sich nur um Emilian kümmert. Das Jugendamt hat bereits in Aussicht gestellt, die Kosten für die zusätzliche Kraft zu übernehmen - allerdings zunächst nur für sechs Monate.

Die zeitliche Begrenzung ist ein Problem, sagt Andrea Weiß. Sie ist im Johanniter Kreisverband Erzgebirge-Chemnitz für den Bereich Kinder und Jugend zuständig. Wie Marika Weiß telefoniert sie seit Wochen und Monaten, um eine Lösung zu finden. Dem Kitaträger wäre es am liebsten, wenn ein Erzieher beziehungsweise Heilpädagoge gefunden wird. Dieser wird dann über die Kita angestellt und könnte im Fall, dass die zusätzliche Unterstützung für Emilian nach den sechs Monaten nicht verlängert wird, weiter in einer der Johanniter-Einrichtungen arbeiten. Doch der Arbeitsmarkt ist so gut wie leer gefegt.

Wer die entsprechende Ausbildung nicht mitbringt, gilt in diesem Fall als Hilfskraft, was sich im Gehalt niederschlägt. Bisher scheiterten alle Vorschläge entweder an der Befristung, am Geld oder an der falschen Ausbildung. Die Familie hatte schon einige Kandidaten ins Spiel gebracht, die über private Kontakte und Anzeigen aufgetan wurden. Marika Weiß kann seit Monaten nicht mehr arbeiten. Wenn ihr Sohn nicht in die Kita gehen kann, muss sie zu Hause bleiben. Rechnungen müssen dennoch beglichen und Kredite bedient werden, Weihnachten steht vor der Tür, Emilian hat auch Geschwister. Marika Weiß versuchte auf vielen Wegen, Hilfe zu bekommen, auch bei der Krankenkasse. Zunächst sei ihr Hoffnung gemacht worden. Doch offenbar greift die Krankenkasse nicht, da es Emilian nicht so schlecht geht, dass ihm beispielsweise regelmäßig Medikamente verabreicht werden müssen. Laut Angaben der AOK Plus übernimmt die Krankenkasse "keine Kosten für einen Einzelfallhelfer".

Und wie weiter? Findet sich kein Erzieher oder Heilpädagoge, hofft die Familie, dass nun doch jemand anderes einspringen kann. "Emilian muss wieder unter Kinder." Und am Ende komme es doch darauf an, dass jemand, mit dem der Junge gut klarkommt, auf ihn aufpasst, damit bei den Anfällen nichts passiert. Das Notfallmedikament musste noch nie zum Einsatz kommen.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...