Familienbetrieb setzt seit mehr als 100 Jahren auf Holz

Objekt- und Ladeneinrichtungen etwa für Apotheken und Arztpraxen sind aktuell das Kerngeschäft der Pollmer GmbH Sehma. Dafür wurde und wird in modernste Technik investiert. Nun soll damit aber noch ein weiterer Kundenkreis gewonnen werden.

Sehma.

Karminrot, pistaziengrün oder einfach nur blau. Tolle Farben für das neue Auto, die nächste Handyhülle oder ein T-Shirt. An einen Sarg denken bei diesen Farben wohl nur die Wenigsten. Doch heute ist nichts mehr unmöglich.

Und so wird auch hin und wieder ein roter Sarg nachgefragt, etwa, wenn es die Lieblingsfarbe des Verstorbenen war, weiß Armin Pollmer, Geschäftsführer der Pollmer GmbH in Sehma. Aber klar, solche Farben würden am Ende schon eher selten gewünscht. Überhaupt ist die Sargfertigung mit inzwischen nur noch rund 20 Prozent Umsatzanteil in den vergangenen Jahren stark rückläufig, obwohl das Sehmaer Unternehmen nach eigenen Angaben in Ostdeutschland der einzig verbliebene Hersteller sei. Wie in anderen Branchen auch, dominierten aufgrund des Preises Firmen aus Osteuropa den Markt. Die Pollmer GmbH produziere deshalb nur noch für umliegende Bestatter sowie bei Bedarf auch Särge jenseits der Norm - also extra große bzw. extra kleine, etwa für eine Gruft. 1990 habe die Sargfertigung noch die Hälfte am Umsatz ausgemacht.


Weil dem so ist, liegt der Fokus des Sehmataler mittelständischen Betriebes mittlerweile klar auf den Bereichen Möbeltischlerei und Objekteinrichtungen. Und das auf höchstem Niveau, wie Prokurist Raik Scheidhauer sagt. Deshalb investiert die Firma aktuell auch rund 70.000 Euro in neue Software und Computer statt in Hobel und Säge - einst das klassische Werkzeug eines Tischlers. Mit der neuen Hard- und Software sei es möglich, am Computer nicht nur detailgetreu jeden Kundenwunsch umzusetzen und eine exakte Visualisierung zu erstellen, sondern anschließend für jedes einzelne Brett bzw. Teil eines Möbelstückes einen sogenannten Barcode zu erstellen. Dieser wird dann in die Fertigung gesendet, in der der Code über ein entsprechendes Lesegerät eingescannt wird und etwa dem Programmierer eines CNC-Automaten, also einer Maschine, die komplexe und zum Teil auch mehrere Bearbeitungen nacheinander ausführen kann, als Grundlage dient.

Doch egal wie modern produziert wurde und wird, eines ist geblieben. In den inzwischen mehr als 100 Jahren des Bestehens des Familienbetriebes hat sich bislang alles um den Werkstoff Holz gedreht. Schon Gründer Adolf Pollmer war Tischler. Mit der Wende begann die Ausstattung von Gaststätten und Hotels. Mehr als zehn Jahre richtete das Sehmaer Unternehmen dann Altenheime im ganzen Bundesgebiet ein. In jüngster Vergangenheit wiederum sind es laut Geschäftsführer Armin Pollmer überwiegend Optikergeschäfte, Apotheken sowie Arztpraxen gewesen, für die Ladeneinrichtungen produziert und montiert wurden. Auch habe man schon einmal für Ferrari einen Messestand für die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt gebaut. Aktuell arbeiten die 15 Beschäftigten für eine Seniorenresidenz in Calbe. Die Auftragslage insgesamt sei gut, sagt der Prokurist. Der Umsatz pro Jahr liege bei etwa einer Million Euro.

In Zukunft möchte sich die Pollmer GmbH, die seit 1972 regelmäßig Lehrlinge ausbildet, noch stärker dem Privatkundensektor widmen. Jeder, der eine Maßanfertigung benötigt, egal ob es sich um einen begehbaren Kleiderschrank handelt oder eine, den eigenen Vorstellungen entsprechende Küche - nichts ist unmöglich. "Wir können dank unseres modernen Maschinenparks inzwischen jedes Dekor, jedes Material verarbeiten", sagt Prokurist Raik Scheidhauer. Mit diesem zusätzlichen Segment soll die Firma ganz einfach noch breiter aufgestellt werden. Denn wie die vergangenen Jahrzehnte gezeigt haben, ist selbst das Geschäft mit dem Tod längst nicht mehr krisensicher.

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