Farbschicht für Farbschicht entfaltet die Natur ihre Magie

214 Künstlerinnen und Künstler in Sachsen laden am Pfingstwochenende zur Aktion "Kunst offen" ein. Eine von ihnen: Gabriela Schlenz aus Tannenberg, deren Kunst vielfach ein echtes Geduldsspiel ist.

Tannenberg.

Der Weg des Lebens ist lang, vielfach kompliziert und voller Mysterien. Diesem Weg des Lebens widmet sich Gabriela Schlenz in ihren Bildern. Eigentlich im Textildesign zu Hause, hat sich die Absolventin der Fachhochschule für Angewandte Kunst Schneeberg mehr und mehr der Malerei zugewandt - hat unter anderem das Altarbild für den Raum der Stille im Erzgebirgsklinikum in Annaberg-Buchholz geschaffen und das Gemälde "Das Paradies" für das Kirchliche Kinderhaus "Sankt Michael" in Annaberg-Buchholz. Doch neben diesen großen Werken sind auch unzählige kleine entstanden. Einige von ihnen will die Tannenbergerin am Pfingstmontag bei der Aktion "Kunst offen" zeigen. In ihrem naturbelassenen Garten, der einen so wunderbaren natürlichen Rahmen bietet - in erster Linie um das behutsam restaurierte historische Wohnstallhaus auch dem Jahr 1878, aber eben auch für ihre Kunst.

Kunst, die ohne die Natur wohl gar nicht denkbar wäre. Denn Gabriela Schlenz erzählt vom Werden und Wachsen. Vom immer währenden Kreislauf, in dem es nicht nur um permanentes Wachstum geht, sondern auch um Zeit für Stillstand. "Es sind Landschaften", sagt die gebürtige Auerin selbst über ihre Bilder. "Landschaften im weitesten Sinne ... Meine Bilder sind Schauplatz für die entwicklungsgeschichtlich wichtigen Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen, Erde und Kosmos." Dabei geht es ihr auch darum, "Zusammenhänge aufzuzeigen, einzudringen in die Tiefen des Verborgenen, dem Unsichtbaren Raum zu geben." So entstehen Bilder, die sich dem Betrachter nie auf den ersten Blick erschließen - für die es vielmehr Zeit braucht. Zeit und Geduld, die sie auch bei der Arbeit an ihren Bildern braucht. Denn die wachsen Schicht für Schicht, in Anlehnung an die traditionelle Malweise der Renaissance. 40 bis 60 Schichten können dabei allein bei einem Bild zusammenkommen. Deshalb rechnet sie bei den Zeiträumen für ihre Arbeit auch in Monaten oder sogar in Jahren. Doch "durch den schichtweisen Farbauftrag gewinne ich hohe Farbintensität", ist sie überzeugt. "Die entstehende Plastizität wird zur Projektionsfläche von Schatten und Licht."


Den Ausspruch "Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen" von Bernhard von Clairvaux, dem bedeutenden Zisterziensermönch, hat sie zu ihrem Gemälde "Das Paradies" geschrieben, das sie für das Kirchliche Kinderhaus "Sankt Michael" gestaltet hat. Eine Aufforderung, die sinnbildlich über allen ihren Bildern stehen könnte, die sich mit all ihre Mystik und Symbolik nicht nur mit den Augen erschließen lassen. Sie selbst spricht von einem "meditativen Gegenpol" zum hektischen Alltag - von "Zeit, zu sich selbst zu finden". Auf viele solcher Momente hofft sie auch am Montag, wenn sie von 10 bis 18 Uhr ihre Bilder in ihrem Sommeratelier und in ihrem Garten ausstellt. Passend dazu hat sie sich den Verein Weltladen aus Annaberg-Buchholz mit in den Garten geholt. Er wird an diesem Tag das Projekt "Café Chavalo" vorstellen. Dabei geht es um biologisch angebauten Kaffee aus Nicaragua, der von dem Leipziger Jens Klein nicht nur fair gehandelt, sondern ganz ökologisch per Segelschiff direkt aus Mittelamerika geholt wird. Und das nächste Projekt lässt nicht lange auf sich warten: Im August wird Gabriela Schlenz beim Kunstfestival Swiss Art Expo in Zürich dabei sein. Dabei handelt es sich nach Angaben der Veranstalter um ein neues Konzept, bei dem eine größere Anzahl von Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam in einer Halle ausstellen. Die werde von mehr als 80.000 Besucherinnen und Besuchern täglich frequentiert.


Wo im Erzgebirge noch Ateliertüren offen stehen

Vielfältige Kunst lässt sich am morgigen Sonntag von 10 bis 18 Uhr in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz entdecken: Fotos in der Ausstellung "Tonspuren" von Rene Keil und Irene Jacob, Portraits von Sabine Kubis und Christian Meyer sowie Abstraktes von Jenny Schuffenhauer.

Porzellan dominiert im Atelier von Heidi Kuhn in Wiesa. Sie führt am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag von 10 bis 18 Uhr das Handwerk der Porzellanmalerei vor - mit Feder und Pinsel. Thematisch dreht sich alles um die Katzen.

Eine Hommage an den Chemnitzer Maler und Grafiker Philipp Rüdiger Bruhn erleben die Gäste am Montag von 10 bis 18 Uhr im Atelierhaus in Kühnhaide bei Jiri Tomkovic. Dazu gibt es Bandoneon-Musik und eine Lesung.

Malerei und Grafik zeigen am heutigen Samstag von 10 bis 18 Uhr Friedrich Raimund im Haus Sonnenleithe in Burkhardtsdorf - begleitet von Rockmusik - sowie am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag zur gleichen Zeit Mechthild Pöhler in Burkhardtsdorf. (af)

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