Fast vergessen: Funkelnde Schätze für die Weihnachtsstube

Glasperlenleuchter haben einst erzgebirgische Zimmer geziert und sind in der Region hergestellt worden. Sammlerin Bettina Levin aus Sehma erforscht ihre Geschichte und wurde dafür mit einem Preis geehrt. Worum es geht, zeigt die Zahnärztin in der Manufaktur der Träume. Auch dafür brauchte sie eine ruhige Hand.

Annaberg-Buchholz.

Sie sind fast in Vergessenheit geraten - obwohl das angesichts ihres funkelnden Anblicks kaum möglich scheint. Doch dass die erzgebirgischen Glasperlenleuchter in üppiger Pracht in der Manufaktur der Träume in Annaberg gezeigt werden können, ist keine Selbstverständlichkeit. Zusammengetragen wurden sie bis auf wenige Exponate von einer Sammlerin, die sich seit elf Jahren in ihrer Freizeit diesem Hobby und der damit verbundenen Forschung in der regionalen Geschichte widmet. Für diesen Einsatz wurde Bettina Levin aus Sehma bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung vor Kurzem mit dem Vereinspreis 2019 des Vereins zur Entwicklung der Region Annaberger Land geehrt.

Etwa 3000 verschiedene Glasperlenarbeiten hat sie bislang zusammengetragen. Davon machen die nun gezeigten Leuchter nur einen kleinen Teil aus - aber einen, in den Bettina Levin neben ihrer Arbeit als Zahnärztin sehr viel Zeit investiert hat. Nicht nur, dass sie in Archiven, Museen und anderen Einrichtungen ihre Geschichte erforscht. Sie trägt solche Stücke auch zusammen, wird etwa im Internet fündig. "Ich habe unzählige Stunden mit Reparaturen verbracht", berichtete sie. Dafür braucht sie Fingerspitzengefühl, aber genauso Glück. Manchmal sei es sehr schwierig gewesen, die passenden Perlarten zu bekommen.

Glasperlenleuchter - diese schmückten einst erzgebirgische Stuben zur Weihnachtszeit. Das zeigen zum Beispiel historische Aufnahmen des Steinbacher Fotografen Hermann Krauße um 1920. An den Perlleuchtern angebrachte Elemente wie kleine Schwebeengel aus Wachs oder gläserner Lauschaer Christbaumschmuck würden ebenfalls auf eine Verwendung in der Weihnachtszeit hindeuten. Die Glasperlen für den besonderen Deckenschmuck seien einst im böhmischen Isergebirge hergestellt worden. Neben zwei- und mehrfarbigen Exemplaren würden auch rein weiße existieren. Doch wie kamen die Perlleuchter ins Erzgebirge? Dabei erläutert die Sehmaerin in den Ergebnissen ihrer Forschung, dass dafür zwei Möglichkeiten in Betracht kommen. Zum einen hätten schon immer enge Handelsbeziehungen zwischen dem böhmischen Jablonec nad Nisou und den erzgebirgischen Posamentenherstellern bestanden, die Glasperlen aus dem Isergebirge zu Perltaschen und anderen Waren verarbeiteten. Zum anderen ist laut Bettina Levin belegt, dass etwa Joseph Gärtner 1862 in Zschopau ein Galanterie- und Perlwarengeschäft anmeldete. Zeitungs-Annoncen von damals weisen darauf hin, dass es auch in anderen hiesigen Orten Hersteller und Händler solcher Glasperlenleuchter gab.

Ihre Forschungsergebnisse will Bettina Levin in den nächsten Jahren in einem Buch zusammenfassen. Arbeitstitel: "Perltaschen und andere Glasperlenarbeiten aus dem sächsischen und böhmischen Erzgebirge". Doch wie wurde bei ihr überhaupt das Interesse an diesem Thema geweckt? Das liegt in der Familiengeschichte ihres Mannes begründet, dessen Urgroßvater Oskar Kahl einst in Buchholz eine Perltaschenfabrik hatte. Ihr ist es ein Anliegen, diesen Teil der Industriegeschichte des Erzgebirges für die Nachwelt zu bewahren und der Region somit auch etwas zurückzugeben. Ein Einsatz, den der Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land nun mit dem Vereinspreis 2019 gewürdigt hat. "Es waren einmal Tausende Menschen im Erzgebirge in der Glasperlenindustrie beschäftigt - hauptsächlich Frauen und Mädchen in Heimarbeit", sagte Vereinsvorsitzender Stefan Mielke. Bettina Levin helfe mit ihrer Forschung dabei, diesen Industriezweig vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Sonderausstellung "Glasperlenleuchter - Lichter der Weihnacht" ist bis zum 23. Februar in der Manufaktur der Träume in Annaberg-Buchholz zu sehen. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr, nur am 24. und 31. Dezember von 10 bis 14 Uhr sowie am 1. Januar von 12 bis 18 Uhr.

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