Feuerwehrdepot statt 99 Garagen: Plan stößt auf Widerstand

Der Garagenhof an der Herolder Straße soll für das neue Domizil der Thumer Wehren weichen. Von Pächterseite kommt Kritik - in mehrerlei Hinsicht.

Thum.

Ein Wagenheber wuchtet eine Seite von Wilfried Pietschs Auto empor. Der 64-Jährige wechselt Reifen. Wie oft er das noch vor seiner Garage an der Herolder Straße tun kann, weiß er genauso wenig wie die übrigen Pächter. Denn der Komplex mit 99 Garagen soll weichen, an seine Stelle das neue Zentraldepot der Thumer Feuerwehren treten. Dabei muss noch untersucht werden, inwiefern der Untergrund dafür taugt. Für den Standort hatten sich im September Stadtrat, Verwaltung und auch die Feuerwehr selbst ausgesprochen.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Viele Garagenpächter fühlen sich außen vor gelassen. Am 6. November will die Stadt ihre Absichten nun bei einer Einwohnversammlung nachträglich erläutern und begründen. Wilfried Pietsch ärgert dieser Zeitpunkt. "Man redet mit den Betroffenen, wenn alles schon in Sack und Tüten ist", sagt er. Er deutet auf zwei Arbeiter, die wenige Meter entfernt mit einem Bohrer hantieren, der sich unter ohrenbetäubendem Lärm in die Erde frisst. "Es werden schon Bodenproben genommen und Vermessungen gemacht. Wenn die Stadt wirklich einen Dialog will, hätte der vorher stattfinden müssen."

Es geht auch um ein Stück Herzblut. Nach Feierabend seien die Garagen in den 1970er- Jahren von den Menschen selbst gebaut worden, mit Material, das sie sich mühsam versorgen mussten. Der 64-Jährige spricht von einer bevorstehenden Enteignung. "Die Leute auch noch den Abriss bezahlen zu lassen, das wäre frech."

Doch Pietsch ist keiner, der sich in Nostalgie ergibt. Die Kritik, die laut ihm andere Pächter teilen, bezieht sich auf ganz praktische Dinge. So sei die Zufahrt über die Brücke über den Jahnsbach hochwassergefährdet, die Situation habe es bereits gegeben. "Dann sind drei Feuerwehren hier gefangen", so Pietsch. Auch sei der Baugrund möglicherweise ungeeignet oder seine Vorbereitung teuer, da die Garagen auf einem mit Schutt verfüllten Teich stehen. Zudem verfügten die Garagen über Stromanschluss - als Lademöglichkeit ein Pluspunkt bei zukünftig mehr Elektromobilität. "Hier werden 99 potenzielle Stellplätze für Elektromobile von der Stadt Thum vernichtet", warnt die plakative Aufschrift auf einem von zwei aus Protest eigens umgestalteten Garagentoren. Und, fragt der Ehrenfriedersdorfer, schließlich: "Wo sollen denn die Leute mit ihren Sachen hin, die sie in den Garagen haben?"

Aus all diesen Gründen favorisiert er einen anderen Depotstandort. Unter anderem den Hartplatz, dort angrenzende Flächen oder den alten Bauhof. Gegenargumenten widerspricht er. Die im Rat diskutierte problematische Zufahrt bei Letzterem durch die enge Kurve an der Ecke Turner-/Brauhausstraße könne man einfach lösen, wenn der Weg geradeaus über den Platz vor dem Volkshaus führt. In jenem Gebäude soll die Einwohnerversammlung stattfinden, bei der Pietsch auf viele Teilnehmer hofft. "Wir Bürger lassen uns nicht enteignen", betont er. Nur auf Sturm gebürstet ist Pietsch aber nicht. Er persönlich könne einem Abriss zustimmen, wenn den Pächtern dafür keine Kosten entstehen und die Stadt einen geeigneten Standort anbietet, wo die Leute neue Garagen bauen könnten - bevor die alten wegkommen. Seit sechs Jahren nutzt er seine in Thum. Vorher hatte er eine Garage in Ehrenfriedersdorf. Sie musste einem Einkaufsmarkt weichen.

Die Einwohnerversammlung beginnt am 6. November, 19 Uhr im Volkshaus.

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