Filigrane Muster zieren Ostereier

Die neue Schau im Depot Pohl-Ströher öffnet heute. Darin dreht sich schon jetzt alles um das bevorstehende Osterfest.

Gelenau.

Für sechs Wochen dreht sich auf 1800 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Gelenauer Depot Pohl-Ströher alles um das bevorstehende Osterfest. Rund 1400 unterschiedliche Ostereier geben Einblicke in österliche Volkskunst und Dekoration im Erzgebirge und darüber hinaus.

"Fasziniert von der Vielfalt der Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten hat sich Erika Pohl-Ströher Mitte der 1980er-Jahre zum Sammeln inspirieren lassen", erklärt Michael Schuster und verweist auf vielfältige Motive, Applikationen und szenische Arbeiten. "Sie finden sich auf winzigen Zebrafinkeneiern ebenso wie auf großen Straußengelegen wieder", so der Leiter der Einrichtung. Der Querschnitt der Techniken reicht von der Wachsreserve- oder Wachsbatiktechnik, der Bemalung mit Pinsel und Farbe, der Kratz- und Graviertechnik bis hin zum Wachsauftrag sowie Papiercollagen auf Wachtel-, Hühner-, Gänse- und Straußeneiern. Tuschezeichnungen, Scherenschnitte und Installationen ergänzen das Ganze. Von Interesse sind darüber hinaus Dreheier, typische russische Holz- und komplette Wachseier sowie drahtumsponnene Kesselflicker-Eier.

Das Sonderthema der Schau bilden jedoch Verzierungen aus Stroh. Im Kunsthandwerk vergangener Jahrhunderte wurden in vielen Ländern Kästchen, Tabletts, Truhen und Vasen durch das Aufkleben von oft eingefärbtem Stroh geschmückt. Ihre Blütezeit erlebten solche Einlegearbeiten im Frankreich und Italien des 17. und 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit war es Mode, komplette Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände mit feinsten Strohintarsien zu veredeln. Weniger bekannt dürfte die Verzierung von Ostereiern mit Strohapplikationen sein. Während in hiesigen Breiten die Technik kaum noch angewendet wird, ist das Kunsthandwerk in Böhmen und Mähren noch Brauch. Das getrocknete Stroh wird nach Bedarf mit natürlichen Färbemitteln wie Zwiebelschalen, Krappwurzeln oder Blauholz eingefärbt, die Halme anschließend der Länge nach aufgeschlitzt und geglättet. Die einzelnen und bis zu einem Millimeter winzigen Segmente des Ornamentes werden mit einer Schere ausgeschnitten und in freier Gestaltung zum Schachbrettmuster, Blüten- oder Kirchenfenstermotiv auf das Ei geklebt. Vorgezeichnet werden die Muster nicht, da die konvexe Form jedes Ei an seinen Enden unterschiedlich verjüngt und die Symmetrie des Musters während der Herstellung individuell angeglichen werden muss. Diese Herausforderung meistert die 1919 geborene Elisabeth Mischkin mit besonderem Geschick. Aus winzigen Teilchen lässt die Ausnahmekünstlerin aus Isernhagen Sterne, Rhomben und verschlungene Linien von unglaublicher Feinheit entstehen, und kein Ei gleicht dem anderen. Die Ausstellung zeigt ein breites Spektrum ihrer Arbeiten und ergänzt die österlichen Kunstwerke von Angela Reck aus Essen. Dabei ragt ein besonderes Exponat heraus. Das ausgestellte Straußenei ist mit rund 15.000 handgeschnittenen Teilen verziert.

Die Osterschau im Depot Pohl-Ströher ist vom 4.März bis 10. April jeweils Freitag bis Sonntag und an den Osterfeiertagen in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...